Ludwigsburg Zerrissen zwischen zwei Welten

Von Christina Jungkurth 

In der Stadt lässt der SWR einen prominent besetzten Film drehen. Hanno Koffler und Max Riemelt spielen zwei Männer, die sich ineinander verlieben – obwohl einer von ihnen eine schwangere Freundin hat.

Das Kamerateam hält drauf, als Marc alias Hanno Koffler versucht, seine schwangere Freundin zu beruhigen. Foto: factum/Granville
Das Kamerateam hält drauf, als Marc alias Hanno Koffler versucht, seine schwangere Freundin zu beruhigen. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Marcs Freundin ist sauer. Er hat sie versetzt, deshalb musste sie allein in den Geburtsvorbereitungskurs. Schimpfend stiefelt sie über das Parkdeck des Ludwigsburger Klinikums. Ein Mal. Zwei Mal. Ein drittes Mal. „Jetzt nur Ton, Ruhe bitte!“

Marcs Freundin heißt im echten Leben Katharina Schüttler und Marc ist eigentlich der Berliner Hanno Koffler. Zusammen mit Max Riemelt spielen sie die drei Hauptrollen eines Films, der in diesen Wochen in Ludwigsburg gedreht wird. „Freier Fall“ ist der erste Langspielfilm des Regisseurs und Drehbuchautors Stephan Lacant und wird voraussichtlich im Herbst 2013 im SWR zu sehen sein.

Die Hauptfigur Marc, Bereitschaftspolizist und werdender Vater, verliebt sich fremd. In einen Kollegen, einen Mann, ausgerechnet. „Wir wollen zeigen: was passiert mit jemandem, dessen Gefühlswelt so durcheinander geraten ist?“, sagt der Produzent Christoph Holthof. Sein Kollege Daniel Reich fügt hinzu: „Der Film will nicht die Geschichte eines Mannes zwischen zwei Frauen erzählen, sondern die eines Mannes, der zwischen zwei Lebensentwürfen zerrissen ist.“ Dass das Polizeimilieu für Homosexuelle ein eher schwieriges ist, sei ein Randproblem, vor allem gehe es um die persönliche Ebene.

Nach Ludwigsburg wegen der Pädagogischen Hochschule

Der Film wird zur Hälfte von der Filmförderung Baden-Württemberg finanziert, daher war schon klar, in welchem Bundesland gedreht werden musste. Dass es dann Ludwigsburg geworden ist, liegt an der Pädagogischen Hochschule (PH). „Wir brauchten ein Gebäude, das als Bereitschaftspolizeigebäude herhalten kann“, sagt Holthof. „Die PH war das einzige Gebäude im Land, was wirklich gepasst hat.“

Es lag nahe, dass auch andere Szenen in der Gegend gedreht werden. Ein leer stehendes Haus in Neckarwestheim, ein Club in der Leonberger Straße und eben das Krankenhaus sind nur drei der weiteren Drehorte. Der Schauspieler Hanno Koffler gibt allerdings zu: „Von Ludwigsburg kriege ich nicht so viel mit, aber es bietet sehr schöne Motive zum Drehen.“

Sieben Hochschwangere spielen mit

Ludwigsburg ist laut Daniel Reich „ein kleiner Spezialfall“ in Sachen Organisation. „Hier wird durch die Filmakademie viel gedreht. Da muss man schon zwei bis drei Leute mehr fragen, bis man eine Drehgenehmigung kriegt“, erzählt er. Hier wisse man schließlich, welchen Aufwand ein Filmdreh bedeutet. „In kleinen Käffern trifft man viel eher auf offene Ohren.“ Trotzdem sei alles unkompliziert gelaufen. Auch im Klinikum sei es „extrem unproblematisch“ gewesen, einen Raum für den Schwangerenkurs zu bekommen. Im Krankenhaus selbst allerdings war so mancher überrascht von den Dreharbeiten. Außer mit „SWR“-Zetteln markierten Requisiten und einem Aushang am Parkhaus, dass das obere Deck nicht zu benutzen sei, waren keine Aushänge zu finden.

Für den Geburtsvorbereitungskurs haben sich sieben werdende Elternpaare aus der Umgebung gefunden. Die Frauen, manche schon im neunten Monat, machen geduldig jeden Durchgang mit. „Es ist ja schon spannend, mal zu sehen, wie ein Film entsteht“, sagt Ana Babic aus Stuttgart. Aus dem gleichen Grund ist auch ihre Hebamme Bianca Weigel-Gräntzel dabei. Sie wurde über das Bad Cannstatter Klinikum angesprochen und hat einige ihrer Kursteilnehmer motiviert, mitzumachen. „Dass ich mal vor einer Filmkamera stehen würde, hätte ich mir nicht träumen lassen“, sagt die 52-Jährige. Hanno Koffler hat durch Filme wie „Krabat“ und „Der Rote Baron“ deutlich mehr Erfahrung. Vor Selbstkritik schützt ihn das nicht. „Ich bin ein großer Zweifler“, sagt der 32-Jährige. „ Aber nach ein paar Drehtagen bin ich jetzt gut reingekommen. Wenn der Kopf dem Bauch nicht immer im Weg steht, läuft es auch.“




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