Ludwigsburg Ziemann-Verkauf sichert Jobs

Von  

Der niederländische Tankhersteller Holvrieka übernimmt die beiden deutschen Ziemann-Standorte und sichert 340 Arbeitsplätze. Die Zentrale in Ludwigsburg und die Produktion in Bürgstadt (Franken) bleiben damit erhalten.

Es brodelt im Brauereigewerbe. Die Ziemann-Versuchsbrauerei in Ludwigsburg bleibt dennoch bis auf weiteres erhalten. Foto: factum/Granville
Es brodelt im Brauereigewerbe. Die Ziemann-Versuchsbrauerei in Ludwigsburg bleibt dennoch bis auf weiteres erhalten. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Mit einem Verkauf an den nie­derländischen Tankhersteller Holvrieka sichert Ziemann 340 Arbeitsplätze an den beiden deutschen Standorten in Ludwigsburg und Bürgstadt (Franken). Mehr als 400 Mitarbeiter an weiteren Standorten müssen derweil noch um ihre Jobs bangen. Der Ludwigsburger Brauerei-Ausstatter war in Schieflage geraten und hatte laut dem seit Herbst 2011 amtierenden kaufmännischen Geschäftsführer Jörn Trierweiler „in den vergangenen drei Jahren massive Verluste geschrieben“.

Vor sieben Wochen hatte die Geschäftsleitung einen vorläufigen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Ludwigsburg gestellt. Das Verfahren sollte dazu dienen, den eng verflochtenen Komplex der verschiedenen Ziemann-Tochterunternehmen aufzusprengen und für den Verkauf vorzubereiten. „Der Insolvenzantrag war zwingend, weil Ziemann als Gesamtes nicht verkaufbar war“, erläuterte Jörn Trierweiler am Donnerstag bei einem Pressegespräch. „Ohne den Verkauf wäre das Unternehmen nicht überlebensfähig gewesen.“

Know-How-Verlust hält sich in Grenzen

Um beim bis 2008 auch personell stark gewachsenen Unternehmen Kosten zu sparen, wurden bereits vor der Insolvenz 29 Stellen abgebaut – „und keine einzige Stelle mehr“, wie der Insolvenzverwalter Tibor Braun betonte. Die Mitarbeiter werden für ein halbes Jahr in einer Transfergesellschaft aufgefangen. Ihre Löhne werden von der Arbeitsagentur und aus der Insolvenzmasse bezahlt. Drei Mitarbeiter hätten selbst gekündigt, somit halte sich der Verlust an Knowhow in Grenzen.

Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Ludwigsburger Brauereianlagen-Herstellers waren offenbar zum Teil hausgemacht – so sieht es jedenfalls der Insolvenzverwalter. Eine Expansion nach Asien mit einer Investition in China hatte sich als strategische Fehlentscheidung entpuppt. Ebenso unwirtschaftlich war die Beteiligung beim Abfüllungs- und Verpackungsbetrieb BMS – das Unternehmen steht im Zuge des Insolvenzverfahrens nun ebenfalls zum Verkauf.

Solche Fehlentscheidungen konnte sich Ziemann aber nicht leisten. Denn der Preisdruck im Brauereigewerbe ist enorm gewachsen. Den Markt teilen sich laut Jörn Trierweiler mittlerweile nur noch sechs große Brauereikonzerne auf, die somit leicht billigere Angebote einfordern und über Wohl und Wehe ihrer Zulieferer entscheiden könnten. Die Gesamtleistung des Unternehmens schrumpfte im vergangenen Jahr auf 170 Millionen Euro. Bei Holvrieka betrachtet man die beiden deutschen Ziemann-Standorte als kerngesund. Die Ludwigsburger Zentrale mit 135 Mitarbeitern habe gute Ingenieure und Vertriebsmitarbeiter. Die gut 200 Mitarbeiter der Produktion in Bürgstadt zeigten, „dass deutsche Technologie noch immer weltweit spitze ist“, sagte Peter van der Burg, Vorstandsmitglied bei Holvrieka. Bislang sei seine Unternehmensgruppe bereits Weltmarktführer bei der Produktion von Hochseecontainern und Tankcontainern. Mit Ziemann werde Holvrieka auch die Nummer eins bei Lagertanks und zähle zu den größten drei Sudhausausstattern.

Vor der Krise im Brauereigewerbe sei ihm nicht bange. „Wir haben auch in der Krise keine Verluste geschrieben“, sagt van der Burg. Ziemann passe perfekt ins Firmenportfolio und könne die Märkte in Afrika, Nord- und Südamerika und Europa abdecken. Der Zusammenschluss hätte nicht reibungsloser laufen können. „Während des Insolvenzverfahrens wurde kein einziger Auftrag gekündigt.“