Das Deutsch-französische Institut in Ludwigsburg hat die Partnerschaft mit Montbéliard für das Internet aufbereitet. In 2000 Einträgen lässt sich das Auf und Ab einer schwierigen Beziehung nachlesen.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)

Ludwigsburg - Die 1950 geschlossene Partnerschaft zwischen den Städten Montbéliard und Ludwigsburg gilt als die älteste überhaupt. Doch obwohl sie zur Folge hatte, dass schon 1951 das erste deutsch-französische Fußballspiel nach dem Weltkrieg in Ludwigsburg stattgefunden hat, gab es doch viel Auf und Ab. Auf die Annäherung folgten immer wieder Abstoßreaktionen. Wie holprig der Weg für das im Nachhinein zum Modellfall erklärte Miteinander war, kann jetzt jedermann nachlesen. Das Deutsch-französische Institut (dfi) hat etwa 2000 Quellen gesammelt und ins Internet gestellt. Entstanden ist so ein digitaler Lesesaal zur Städtepartnerschaft.

Kleine und umständliche Dienstwege

Der erste Anstoß zu diesem Projekt ist sehr prosaisch gewesen: „Wir hatten im Sommer 2010 eine Praktikantin hier in der Frankreichbibliothek, und da haben wir nach einer Beschäftigung für sie gesucht“, sagt der dfi-Mitarbeiter Martin Villinger, der das Projekt von Anfang bis Ende betreut hat. „Und da lag ein ganzer Riesenpacken Fotos herum, der digitalisiert werden musste.“ Es handelte sich um Teile erster Dossiers zur Städtepartnerschaft. Die Leiterin des Stadtarchivs von Montbéliard hatte viel davon zusammengetragen. Ihrer Begeisterung ist es auch zu verdanken, dass aus dieser bloßen Digitalisierung von Bildern ein systematisches und umfassendes Rechercheportal wurde. Um das allerdings realisieren zu können, habe man die Bürgerstiftung Ludwigsburg und die Stiftung Kunst, Kultur und Bildung der Kreissparkasse als Sponsoren gewinnen müssen.

Während der Arbeit habe er viel über die unterschiedlichen Befindlichkeiten von Franzosen und Deutschen gelernt, sagt Villinger. „Während es hier ins Ludwigsburg sozusagen auf dem kleinen Dienstweg ging, wollten die französischen Behörden ganz genau wissen, was wir da machen.“ Dieses Verfahren bis zur Genehmigung auf französischer Seite habe sich deshalb bis Ende 2012 hingezogen, sagt Villinger. Aber der Austausch von Texten und Fotos sei währenddessen fortgesetzt worden. Im wesentlichen stammen sie aus den Stadtarchiven Ludwigsburg und Montbéliard. Ein großer Teil geht auf Presseberichte zurück. Demnächst wird die Sammlung um Interviews ergänzt, die mit Zeitzeugen geführt werden. „Es geht um Personen, die zumindest in der Frühphase dabei waren. Die Gründungsmitglieder leben nicht mehr“, sagt Villinger.

Skandalöse Trauerfeier

Tatsächlich gibt es aus den ersten zehn Jahren der Partnerschaft nur knapp 98 Akten. Nach dem ersten Austausch von Freundlichkeiten seien die Kontakte schon wieder erlahmt, sagt der dfi-Projektleiter: „Aus Ludwigsburger Sicht war die Partnerschaft Ende der fünfziger Jahre praktisch tot.“ Doch mit dem Beginn der Sechziger, dem Besuch von Charles de Gaulle und dem Elysée-Vertrag sei die Absichtserklärung wieder mit Taten gefüllt worden.

Allerdings erlebte die Freundschaft schon 1966 wieder einen empfindlichen Dämpfer. Damals wurde der SS-Mann Sepp Dietrich mit einem großen Trauermarsch in Ludwigsburg beigesetzt. Als Fotos davon in der Illustrierten Paris Match erschienen, löste das jenseits des Rheins große Empörung aus. Auf die Euphorie folgte eine Eiszeit – auch die beiden Partnerstädte hatten sich lange nichts zu sagen.

Wieder musste ein neues Jahrzehnt anbrechen, um der schwierigen Freundschaft neuen Schwung – und damit auch neue Inhalte – zu geben. Von dieser Zeit an gesellte sich zu den offiziellen Treffen auf politischer Ebene der Austausch von Vereinen und Schulklassen. Seit einigen Jahren sind auch Erfahrungen in Sachen Wirtschaft Bestandteil der Partnerschaft; beide Städte sind im Bereich E-Mobilität aktiv.

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