Ludwigsburger Basketballer Reil will Ludwigsburg als Bundesligastandort etablieren

Enttäuschte Ludwigburger Basketballer nach der Niederlage gegen die Fraport Skyliners. Wie es für die Neckar Riesen weitergeht, ist immer noch unklar. Foto: Pressefoto Baumann
Enttäuschte Ludwigburger Basketballer nach der Niederlage gegen die Fraport Skyliners. Wie es für die Neckar Riesen weitergeht, ist immer noch unklar. Foto: Pressefoto Baumann

Ob die Neckar Riesen Ludwigsburg trotz Abstiegs für die Bundesliga (BBL) planen können, ist noch nicht klar – auch wenn ein Platz in der Eliteklasse frei ist. Derweil gibt der wiedergewählte erste Vorsitzende Alexander Reil ambitionierte Ziele aus.

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Ludwigsburg - Alexander Reil hat nie daran gezweifelt. Er nennt es einen „Vertrauensbeweis“ – dabei war es alles andere als selbstverständlich, was ihm auf der Mitgliederversammlung der Neckar Riesen Ludwigsburg am vergangenen Dienstag widerfahren ist. Der erste Vorsitzende des Vereins hat es geschafft, nach der enttäuschenden Saison, an deren Ende der sportliche Abstieg aus der ersten Basketball-Bundesliga stand, ohne Gegenstimme wiedergewählt zu werden. Für ihn sei es ein Zeichen, dass „nicht nur das eine schlechte Jahr, sondern die komplette Entwicklung der vergangenen 14 Jahre von den Mitgliedern betrachtet wird“, betont Reil.

Bereits seit 1999 steht der Diplomkaufmann den Neckar Riesen Ludwigsburg vor. Viel hat sich in dieser Zeit in dem Verein verändert, auch immer wieder der Name, doch die Konstante blieb Reil. Als er vor 14 Jahren das Ruder des Traditionsvereins als Ehrenamtlicher übernahm, fand sich der Ludwigsburger Basketball nach einem Lizenzverkauf in der Regionalliga (damals die dritthöchste Liga) wieder. Nach der Rückkehr in die Bundesliga 2002 wurde das Ehrenamt zum Hauptamt.

Den sportlichen Höhepunkt unter seinem Vorsitz hatten die Neckar Riesen in den Jahren 2007 und 2008, unter dem Namen EnBW Ludwigsburg. Damals erreichte der Club das Play-off-Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft und wurde Vizepokalsieger. Doch seitdem kann Reil sportlich nichts mehr vorweisen – und nimmt eine Teilschuld dafür auf sich. „In den vergangenen Jahren ist es uns nicht gelungen, einen Trainer zu finden, der durch Erfolg Konstanz reingebracht hat“, sagt der 45-Jährige. „Es ist leider nicht immer so gewesen, dass wir unseren Wunschkandidaten bekommen haben, da gehört auch ein bisschen Glück dazu.“ In John Patrick habe man nun endlich einen Trainer gefunden, der auch langfristig etwas aufbauen könne.

Reil ist nicht ganz unbeteiligt an den hohen Kosten der Wildcard

Ob Reil aber für die Bundesliga (BBL) planen kann oder für die Pro A (zweite Liga) planen muss, ist noch nicht klar – obwohl ein Platz in der Eliteklasse frei ist. Denn am Freitag hat Düsseldorf nach einer Anhörung vor dem BBL-Schiedsgericht seine Rechtsmittel zurückgezogen, womit die Lizenzverweigerung Fakt ist. Der freie Platz soll nun im Rahmen eines Wildcard-Verfahrens am 2. Juli vergeben werden, für das sich Ludwigsburg bewerben kann.

Das größte Problem an dieser Wildcard sind die horrenden Kosten von 250 000 Euro – an denen Reil nicht ganz unbeteiligt ist. Denn als Vorsitzender des BBL-Lizenzierungsausschusses hatte auch er darüber entschieden, die Gebühr um 100 000 Euro zu erhöhen. „Das musste gemacht werden, weil viele finanziell angeschlagene Clubs sich vorher noch die Lizenz kaufen konnten und danach schlecht dastanden“, sagt Reil. „Nur weil es jetzt uns getroffen hat, ändere ich noch lange nicht meine Meinung.“ Wahrscheinlich auch aus dem Grund, weil die Ludwigsburger für einen möglichen Kauf schon Sponsoren gefunden haben. „Es ist klar, dass so ein Kauf nicht zu Lasten unseres Spieleretats gehen darf, das muss über Sponsoren finanziert werden“, sagt Reil selbstsicher.

Reil hat ambitionierte Ziele für die Zukunft

Doch dieses große Selbstbewusstsein hat ihm in Ludwigsburg auch einige Kritiker eingebracht. Sie monieren seinen autokratischen Führungsstil und die Patzer bei der Trainersuche. Reil ficht das nicht an: „Ich habe eine direkte und offene Art, dadurch polarisiere ich, das weiß ich. Ich bin nicht fehlerfrei und habe auch nicht den Anspruch dazu.“ Aber er ist der starke Mann in Ludwigsburg, daran konnte auch eine Gruppe von Clubmitgliedern nichts ändern, die sich zu einer Opposition formierte. Deren Mitglieder trauten sich noch nicht mal, aus ihrer Deckung zu treten.

Und so formuliert Reil, trotz der Unsicherheiten, schon jetzt ambitionierte Ziele für die Zukunft: „Ludwigsburg muss wieder als Basketballstandort in der Bundesliga etabliert werden. Auf lange Sicht wollen wir Erfolg haben, in der Tabelle besser stehen und Talente noch besser fördern.“

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