Ludwigsburger Bauprojekte auf dem Prüfstand Controller legt Finger in die Wunden

Von  

Volker Springer hat die Planung für Bauprojekte bei der Stadt genau analysiert – und Verbesserungspotenzial entdeckt. Kurz vor seinem überraschenden Weggang zum Jahresende hat er im Bauausschuss eine klare Ansage gemacht.

Die Kosten beim Bau der Grundschulmensa in der Gartenstraße sind erheblich aus dem Ruder gelaufen – ein Controller hätte hier vielleicht frühzeitig die Reißleine ziehen können. Foto: factum/Archiv
Die Kosten beim Bau der Grundschulmensa in der Gartenstraße sind erheblich aus dem Ruder gelaufen – ein Controller hätte hier vielleicht frühzeitig die Reißleine ziehen können. Foto: factum/Archiv

Ludwigsburg - Erst im März hat Volker Springer als Controller für Bauinvestitionen bei der Stadt angefangen – nach jahrelangen Diskussionen, ob und in welcher Form eine solche Kontrolle überhaupt nötig und sinnvoll ist. Doch zum Jahresende geht er schon wieder, er wechselt von der auf zwei Jahre befristeten Stelle offenbar zu einem Job, der eine langfristige Perspektive bietet. Allerdings legte Springer kurz vor seinem überraschenden Weggang im Bauausschuss noch einmal den Finger in die Wunden der städtischen Planung.

Genau das war seine Aufgabe: Der gelernte Architekt und Industriekaufmann sollte untersuchen, warum bei mehreren Bauprojekten in den vergangenen Jahren die Kosten aus dem Ruder liefen. Dabei stieß er auf mehrere Ursachen. Vor allem der Ablauf der Projekte war laut Springer häufig nicht optimal. Oft hätten Verwaltung und Gemeinderat schon in einem sehr frühen Stadium massive Kostenreduzierungen gefordert, hätten Entscheidungen immer wieder aufgeschoben und letztlich Projekte beschlossen, die Spitz auf Knopf gerechnet waren.

Wenn dann im Anschluss – oftmals wegen zuvor unzureichender Informationen oder Abstimmungen – doch noch Änderungswünsche aufkamen, hätten diese mangels Puffer dann oft zu Kostensteigerungen geführt.

Controller regt Verbesserungen an

Springer machte den Räten im Bauausschuss klar, dass es vor allem in zwei Bereichen Verbesserungspotenzial gebe: bei der Organisation und der Kommunikation. So empfahl er, frühzeitig festzulegen, welches Ziel ein Projekt haben solle, um damit die Laufzeit zu verkürzen. Dafür sei es sinnvoll, auch künftig einen Controller einzusetzen, der stets einen Überblick über das Gesamtprojekt haben solle. Allerdings müssten dabei sowohl die Aufgaben als auch die Position dieser Stelle in der Verwaltung klar definiert sein. Auch der Kauf einer eigens auf Controlling ausgerichteten Software sei sinnvoll. Zudem regte Volker Springer an, klare Standards für Bauvorhaben festzulegen – vor allem, um zu sparen: „Das Hochbauamt sollte den Fokus nicht nur auf die Architektur legen, sondern auch bei den Kosten im Dienste der Stadtverwaltung handeln“, mahnte er.

Zum Teil wurden die Vorschläge des Controllers bereits umgesetzt. „Wir haben unsere internen Arbeitsabläufe umgestellt“, sagt der Baubürgermeister Michael Ilk. Es seien regelmäßige Treffen zum Thema Baukontrolle eingeführt worden, man habe eine zentrale Projektleitung durch das Hochbauamt festgelegt und damit begonnen, stets frühzeitig die Gesamtkosten eines Vorhabens darzustellen. Bislang wurden die einzelnen Pakete wie Rohbau, Innenausstattung und Außenanlagen stets separat und in großem zeitlichen Abstand zueinander vorgestellt und beschlossen.

Im Rahmen der Haushaltsdebatte müsse man nun entscheiden, ob ein neuer Controller eingestellt werden soll. Zudem wolle er im kommenden Jahr Baustandards festlegen, sagt Ilk. In Sachen Projektablauf sieht er jedoch keinen Nachholbedarf, auch ein übertriebenes Streben nach architektonischen Besonderheiten kann er in der Stadt nicht erkennen.

Dank und Kritik von den Räten

Von Seiten der Stadträte kam zwar Dank für den „ehrlichen Bericht“, aber auch Kritik an Springer. Sie hätten sich regelmäßigere Rückmeldung gewünscht, monierten Maik Braumann (CDU), Andreas Rothacker (Freie Wähler) und die SPD-Fraktionschefin Margit Liepins. Einen Baubeirat, den Springer zum vertieften Austausch angeregt hatte, haben die Räte allerdings wegen zeitlicher Belastung abgelehnt.