Ludwigsburger Finanzen Event-Betrieb macht sich nicht bezahlt

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Ernüchterung im Ludwigsburger Gemeinderat: die Kosten für Tourismus und Hallen seien nicht gesunken, sagt der OB. Die Stadt muss den Eigenbetrieb mit sechs Millionen Euro unterstützen.

Sanierungsstau: die Instandhaltung des Forums ist in Verzug geraten. Foto: factum/Archiv
Sanierungsstau: die Instandhaltung des Forums ist in Verzug geraten. Foto: factum/Archiv

Ludwigsburg - Ludwigsburg muss den Eigenbetrieb Tourismus & Events mit sechs Millionen Euro bezuschussen. Die Stadträte fordern von dem Manager Holger Schumacher „noch einige Anstrengungen“, um von diesem hohen Betrag herunterzukommen. Der Leiter des Eigenbetriebs hat am Dienstag im Wirtschaftsausschuss die Bilanz für das Jahr 2014 vorgestellt. Erst vor zwei Wochen hatte er die Ergebnisse für 2013 vorlegen können und war vom Gremium wegen dieser Verspätung heftig kritisiert worden.

Doch auch die neue Bilanz verursachte Ärger: „Ich steige bei diesen Zahlen nicht durch“, schimpfte Reinhardt Weiss (FW). Er vermisste eine klare Trennung nach Ergebnis- und Vermögenshaushalt. Erst dann könne der Gemeinderat auch beschließen, wie viel Geld als Vermögen im Unternehmen bleibe. Ihm missfiel, dass Überschüsse sowohl 2013 als auch 2014 einfach ins Folgejahr übertragen worden seien. Margit Liepins (SPD) vermisste „richtige Vergleichszahlen“ und stellte klar: „Von den sechs Millionen möchten wir runter.“

Das Ergebnis für 2014 sei allemal zufriedenstellend, versicherte der Kämmerer Ulrich Kiedaisch. Wenn man etwa die Ergebnisse für die MHP-Arena bereinigt betrachte, komme man auf einen jährlichen Zuschussbedarf von etwa 300 000 Euro. Das sei auch vor der Gründung des Eigenbetriebs so gewesen. Auch der Stadtrat Michael Vierling (Grüne) suchte nach Anhaltspunkten für „einen wirtschaftlichen Vergleich“. Er wollte wissen, ob sich die Auslagerung der einst städtischen Unterabteilung für Tourismus und Veranstaltungen in einen Eigenbetrieb ausgezahlt habe.

„Die Umwandlung in einen Eigenbetrieb war ein Riesenaufwand“, sagte der Oberbürgermeister. Aber er könne nicht erkennen, dass sich das gerechnet habe. „Es gab damals starke Kräfte, die eine GmbH wollten“, erinnerte Werner Spec. „So kam es 2012 zu dem Kompromiss Eigenbetrieb. Sie haben das so beschlossen.“

Kiedaisch und Schumacher versicherten, „der Supertanker Eigenbetrieb“, wie ihn Vierling nannte, werde bald in sehr viel ruhigeren Gewässern unterwegs sein. In den Jahren 2013 und 2014 habe es vor allem in zwei Sparten Probleme gegeben, die jedoch bald abgestellt sein könnten: bei den Personalkosten und bei der Umsetzung geplanter Instandhaltungs- und Sanierungsarbeiten an der MHP-Arena und dem Forum am Schlosspark.

So sei es zum Teil der hohen Arbeitsbelastung des Fachbereichs Hochbau und Gebäudewirtschaft zuzuschreiben, dass wichtige Erneuerungen an den Veranstaltungsstätten nicht wie geplant ausgeführt werden konnten, sagte Kiedaisch. Mit der Folge, dass große Summen bereitgestellt, aber noch nicht abgerufen wurden. Um sie im laufenden und im kommenden Jahr nachzuholen, habe man „die zu viel gezahlten Zuschüsse in dem Eigenbetrieb belassen“, erläuterte Kiedaisch.

„Wir haben den Eigenbetrieb 2013 mit 42 Personalstellen gestartet, jetzt gibt es 49 – warum?“, wollte Margit Liepins wissen. Schumacher erklärte es unter anderem damit, dass im Sommer 2013, als er den Chefposten übernahm, nicht alle Stellen besetzt gewesen seien. Darum seien enorm viele Überstunden aufgelaufen, was die Personalkosten aufgebläht habe. Die Lage werde sich jedoch bald beruhigt haben.

„Ich bin gespannt auf die Zahlen von 2015“, sagte Weiss. Spätestens dann müsse man eine Entwicklung ablesen können. „Wir erwarten, dass die Prozessabläufe optimiert werden“, sagte Johann Heer (FDP).