Ludwigsburger Friedenskirche Löcher im Turm gefüllt

Von juk 

Die Einweihung der Ludwigsburger Friedenskirche nach der Sanierung wurde wegen unerwarteter Mängel immer wieder verschoben. Am 1. Juli ist es so weit.

Noch sind die Säulen der Friedenskiche eingepackt. Foto: factum/Granville
Noch sind die Säulen der Friedenskiche eingepackt. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Irgendwann, als immer neue Schreckensmeldungen aufgetaucht sind, habe er gedacht, „jetzt reicht’s“, erzählt der Pfarrer Georg Schützler. Der Turm seiner Friedenskirche sollte eigentlich schon im Advent fertig saniert sein, doch es kamen immer mehr Mängel ans Licht, und die Kosten stiegen. Zweimal wurde der Einweihungstermin verschoben. Der dritte Versuch am 1. Juli soll der letzte sein. Auch wenn die Handwerker dafür noch Überstunden einlegen müssen.

Sie müssen ausbessern, wo bei der Generalsanierung Anfang der 90er Jahre geschlampt worden ist. Und das ist einiges. „Zunächst sah es gar nicht so dramatisch aus“, sagt der Steinmetzmeister Hermann Schäfer, der für die Schadenerfassung zuständig war. Jedenfalls abgesehen von den Rissen in den Säulen oben am Turm, die aufgefallen waren, nachdem sich im Sommer 2010 ein Stein aus dem Gemäuer gelöst hatte. Erst während der Bauarbeiten wurde das wahre Ausmaß der Mängel entdeckt. „Ich bin schon erschrocken über die Qualität, die wir vorgefunden haben, und daher nicht erstaunt über die Mehrkosten“, sagt Albert Hörz, der zuständige Architekt.

Fehler schon beim Bau der Kirche

Gründe für Mängel gebe es viele. Schon beim Bau der Kirche seien Fehler gemacht worden. „Bei einer nicht einmal dreijährigen Bauzeit für ein solches Bauwerk ist klar, dass da geschludert wurde. Das ist einfach enorm kurz“, sagt Hörz. Dass bei der Generalsanierung aber auch so viel falsch gelaufen ist, schockiere. „Manches ist dem Wissensstand der Zeit geschuldet“, sagt Schäfer. Den porösen Sandstein wasserabweisend machen zu wollen sei eine gute Idee gewesen, „aber die Methode war falsch“. Durch die schlecht gearbeiteten Fugen konnte weiterhin Wasser eindringen, aber nicht wieder hinaus.

Anderes, sagt Hörz, „ist einfach Schlamperei“. Wie eines der Beispiele, über das der Steinmetz Reinhold Herbst den Kopf schüttelt: „ Da stand teilweise einfach Stein auf Stein ohne ein Korn Mörtel dazwischen. Ein Stein mit 230 Kilogramm Gewicht ist uns beim Inspizieren entgegengekommen, der hätte auch jemanden erschlagen können.“ Fugen waren mit Holzwolle oder Styropor ausgefüllt worden, hinter neu eingesetzten Steinen „herrschte gähnende Leere“, erzählt Herbst. Wie gähnend, zeigt eine Zahl: 3,5 Tonnen Material haben die Arbeiter in die Hohlräume zwischen Turmspitze und Turmumgang gefüllt. Herbst vermutet auch großen Zeitdruck bei der Sanierung als einen weiteren Grund für die Mängel. „Es gibt Löcher für Dübel, aber keine Dübel. Die hat man einfach nicht mehr eingesetzt.“ Insofern freut sich Hörz, dass dieses Mal genug Zeit für die Arbeiten war, auch wenn sich dadurch der Einweihungstermin verschoben hat.

Sanierung kostet 1,3 Millionen Euro

Manches wäre auch gar nicht schneller gegangen. Für die Arbeit an den Säulen wäre Frost gefährlich gewesen. Um schneller fertig zu sein, „hätten wir die Säulen beheizen müssen. Das wäre ein Riesenaufwand gewesen und hätte knapp 30 000 Euro gekostet“, sagt Hörz. Die Säulen stecken noch in orangefarbenen Hüllen, die sie während der Trocknung vor Wind und Regen schützen sollen. Vor der Einweihung werden sie mit Hilfe einer Konstruktion ähnlich einem Reißverschluss ausgepackt.

1,31 Millionen Euro hat die Sanierung gekostet, sagt Pfarrer Schützler. Davon sind 220 000 Euro als Spenden zusammengekommen. Die gleiche Summe fehlt aber noch immer und muss notfalls durch ein Darlehen gedeckt werden. „Das ist aber machbar“, sagt Schützler und beruhigt: „Dafür müssen wir nichts anderes streichen.“ Damit solche Kosten nicht gleich wieder anfallen, empfiehlt Hermann Schäfer „Denkmalpflege. Das ist ein kontinuierlicher Prozess, der nötig ist.“ Das heißt, gerade Schwachstellen wie bröckelnde Fugen müssten eigentlich alle zwei Jahre ausgebessert werden. Seit 1990 sei da aber nicht viel passiert, sagt Albert Hörz. Wenn man die nächsten 30 Jahre überstehen wolle, müsse sich das ändern.




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