Ludwigsburger Kreissparkasse zieht Bilanz Corona stoppt den Aufwärtstrend der Sparkasse

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Die Ergebnisse der Ludwigsburger Kreissparkasse für das Geschäftsjahr 2019 sind hervorragend, die Aussichten für das laufende Jahr dagegen trüb. Wegen der Krise ist zwar viel Geld in Umlauf, aber die Bank ist abhängig vom Mittelstand.

Die Kreissparkasse im Regenwetter: Dunkle Wolken ziehen auch bei den Eigenanlagen der Bank auf. Foto: factum/Simon Granville
Die Kreissparkasse im Regenwetter: Dunkle Wolken ziehen auch bei den Eigenanlagen der Bank auf. Foto: factum/Simon Granville

Ludwigsburg - Egal ob Bilanzsumme, Kundeneinlagen oder Kredite – bei der Kreissparkasse (KSK) Ludwigsburg tendieren alle Kennzahlen seit Jahren kontinuierlich nach oben. Das war auch bei der jüngsten Präsentation der Ergebnisse am Dienstag nicht anders. Allerdings ging es da auch nur um die Zahlen für das vergangene Jahr. Als Folge der Corona-Pandemie sieht Heinz-Werner Schulte „erste dunkle Wolken aufziehen“. Mit voller Wucht aber werde das Geldinstitut die Krise vermutlich erst 2021 und 2022 treffen, glaubt der Vorstandsvorsitzende der KSK.

Das wahre Ausmaß könne man wohl erst im nächsten Frühjahr abschätzen, meint Landrat Dietmar Allgaier, der sich erstmals in seiner Funktion als Verwaltungs- und Stiftungsratsvorsitzender der KSK präsentierte. Denn entscheidend werde das Winterhalbjahr. „Der umsichtige Weg, den wir zumindest national gefahren sind, ist der richtige“, sagte Allgaier. Die Öffnung dürfe nun auch nur Schritt für Schritt erfolgen. „Im Falle eines zweiten Shutdown wäre die Akzeptanz der Bürger nicht mehr da.“

Filialen öffnen wieder

Zumindest im Kundengeschäft versucht sich die Kreissparkasse inzwischen wieder in Normalisierung. „52 Geschäftsstellen sind inzwischen wieder offen“, sagte Schulte. Man habe festgestellt, dass viele Kunden die unmittelbare Beratung bevorzugten, auch wenn sie vom Berater durch eine Plexiglaswand getrennt sind. Wie überall aber habe auch beim Bankgeschäft die Digitalisierung in der Krise neuen Schwung bekommen.

Die Bilanzsumme der KSK betrug 2019 noch 10,9 Milliarden Euro (2018 waren es 10,6 Milliarden), die Kundeneinlagen beliefen sich auf 7,5 Milliarden Euro (gegenüber 7,2 Milliarden im Vorjahr) und das Kreditvolumen auf 6,3 Milliarden (gegenüber 5,9 Milliarden Euro).

Bank organisiert Coronahilfe

Der Vorstandsvorsitzende geht davon aus, dass die meisten Kennzahlen auch im Jahr 2020 noch steigen werden: Es werde zunächst weitere Einlagenzuwächse geben, die Baufinanzierung werde ebenso nachgefragt werden wie die Kreditvergabe. „Es wird sich viel Geld auf den Konten ansammeln, auch weil der Einkauf, die Gastronomie und der Urlaub nicht in gewohntem Maß stattfinden“, sagte Schulte. Ein großes Fragezeichen machte er indes hinter die Gewinn- und Verlust-Rechnung der Bank. Die Eigenanlagen seien das Sorgenkind: „Wir werden nicht alle Dividenden und nicht alle Mieteinnahmen bekommen.“

In den letzten Wochen waren die Bankmitarbeiter vor allem damit beschäftigt, Corona-Hilfe zu organisieren. Für in der Existenz bedrohte gemeinnützige Vereine und Organisationen gab es unter anderem einen Fördertopf mit 50 000 Euro. Von 90 Antragstellern seien 50 zum Zug gekommen, sagte Schulte. Bald soll es weitere Fördertöpfe zur schnellen Überbrückung geben.

Insgesamt hat die KSK 3,8 Millionen Euro über seine fünf Stiftungen ausgegeben. Auffallend dabei war die Förderung für Trikots des Fußballernachwuchses – im Wert von 200 000 Euro. „Das war noch der Tatsache geschuldet, dass in diesem Jahr die Fußball-Europameisterschaft stattfinden sollte“, sagte Allgaier. „Die Stiftungen der KSK stehen auf einem starken Fundament“, sagte er. Ende 2019 betrug die Gesamtsumme 31 Millionen Euro; 2000 waren es noch 7,3 Millionen Euro.

Riesige Geldmengen im Umlauf

Das Vermögen der Stiftung Jugendförderung, Arbeit und Soziales sowie der Stiftung Kunst, Kultur und Bildung wurden jeweils um eine Million Euro erhöht. „In diesem Jahr wollten wir eigentlich den 50. Geburtstag der Stiftung Schullandheim Strümpfelbrunn feiern“, sagte Allgaier. Wegen der Pandemie falle das nun aus: „Dafür feiern wir im nächsten Jahr.“

Falls eine weitere Corona-Welle ausbleibe, könne sich die KSK bald erholen, meint Schulte. Für diesen Fall gehe er von einem Plus von ein bis zwei Prozent aus: „Das ist kein stürmisches, aber ein gesundes Wachstum.“ Entscheidend sei im Übrigen, wie es mit der Automobilbranche und dem Maschinenbau weitergehe, die für die Wirtschaft im Landkreis prägend seien. „Es ist ein hohe, hohe Geldmenge im Umlauf, die sich immer mehr von der realen Welt abkoppelt“, sagte Schulte.




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