Ludwigsburger Rathaus Der Baubürgermeister nimmt seinen Hut

Der Hutträger Hans Schmid gibt sein Amt auf. Foto: factum/Granville
Der Hutträger Hans Schmid gibt sein Amt auf. Foto: factum/Granville

Völlig überraschend hat der Ludwigsburger Baubürgermeister Hans Schmid seinen Rücktritt angekündigt, im September will er sein Amt vorzeitig aufgeben. „Man sollte gehen, wenn es schön ist“, sagt er. Offenbar will sich Schmid einen neuen Job suchen.

Ludwigsburg: Ludwig Laibacher (lai)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Ludwigsburg - Der Ludwigsburger Baubürgermeister Hans Schmid will nicht mehr: er stellt sein Amt zum 16. September zur Verfügung. Die Nachricht kam nicht nur für seine Mitarbeiter überraschend, auch im Gemeinderat hatte niemand Anzeichen von Amtsmüdigkeit registriert. Diese weist Schmid auch weit von sich: „Man sollte gehen, wenn es schön ist“, sagt er. Aber der Dezernatsleiter weiß auch, dass er mit seiner Entscheidung auf viel Unverständnis stößt. Oberbürgermeister Werner Spec lobte die zehnjährige Zusammenarbeit mit Schmid als Glücksfall: „Wir haben ungewöhnlich gut zusammengearbeitet und uns fachlich sehr gut ergänzt.“

Das zentrale Wort in Schmids Erklärungen lautet „Neubeginn“. Einen neuen Job habe er noch nicht. „Die Frage, wie der Neubeginn aussehen wird, kann ich zurzeit nicht beantworten“, sagt der Bürgermeister. Er schloss aber aus, dass er in eine andere Kommune wechseln werde. Wahrscheinlich werde er erst einmal eine Auszeit von zwei, drei Monaten nehmen. „Außerdem bin ich Ingenieur, ich werde etwas Adäquates finden. Ich könnte mir auch eine Beratertätigkeit vorstellen.“ Schmid hat bereits in der Wirtschaft gearbeitet, bevor er als Leiter des Tiefbauamts von Reutlingen in den öffentlichen Dienst wechselte. 2002 wurde er Baubürgermeister in Ludwigsburg, 2010 ist er wiedergewählt worden. Regulär liefe seine zweite Amtszeit Ende 2017 aus.

Kaum Freizeit

Zu den Schattenseite des Bürgermeisteramtes gehöre der Mangel an Freizeit. „Im Prinzip sind wir ja urlaubslos“, sagt er. Im Amt habe er sich zugleich sehr frei und beengt gefühlt: „Schiller hat von den Göttergedanken und den Mäusegeschäften gesprochen“, sagt Schmid. Letzteres – verursacht durch EU-Richtlinien, Bürgerbeteiligung, Gemeinderat oder immer aufwendigere Prüfverfahren beim Bau – will er nun hinter sich lassen. „Ich geh’ jetzt zu den Göttergedanken“, scherzte er. Tatsächlich hatte der Bürgermeister in den letzen Jahren auch mit viel Gegenwind aus dem Gemeinderat zu kämpfen.

Bei Projekten wie dem Kinder- und Familienzentrum in Poppenweiler etwa, der Scala-Sanierung, dem Museumsbau oder der Grundschulmensa am Feuersee wurde ihm die Kostensteigerung angelastet. Wiederholt wollten die Stadträte Schmid und seinen Mitarbeitern unabhängige Controller an die Seite stellen, um sowohl die Kosten als auch die Baustandards zu drücken. Und als Schmid im vergangenen Herbst zwei zusätzliche Personalstellen für sein durch die vielen Baumaßnahmen arg beanspruchtes Dezernat wollte, biss er bei den Stadträten lange auf Granit.

Der Erste Bürgermeister Konrad Seigfried findet den Weggang Schmids „richtig schade“. In Bezug auf das Führungstrio im Rathaus meinte er. „Wir haben alle drei etwas investiert. Das heißt nicht, dass wir drei Freunde sind, aber wir sind ein unheimlich gutes Team, in dem jeder unterschiedliche Rollen spielt und unterschiedliche Fähigkeiten einbringt.“ Spec, Schmid und er hätten eine „in einem Verwaltungsvorstand selten anzutreffende Kooperation entwickelt“. Seigfried empfand es als sehr wertvoll, „dass alle drei immer voneinander wussten“. Auch Spec lobte, dass sich die Dezernatsleiter blind verstanden hätten: „Wir verlieren ihn ungern.“

MIK-Einweihung zum Abschluss

Dass Schmid der Verwaltung mit seiner Entscheidung noch Zeit für die Suche nach einem Nachfolger lasse, sei nicht selbstverständlich, sagt Spec. Trotzdem ist es eher unwahrscheinlich, dass nach Schmids Weggang am 16. September schon ein Nachfolger dessen Platz einnehmen wird. Der scheidende Bürgermeister möchte jedenfalls noch das Kulturhaus MIK einweihen, die Parkraumbewirtschaftung Oststadt starten und am Scala Richtfest feiern.

Im Alter von 51 Jahren sehe er noch echte Chancen für einen beruflichen Neuanfang, sagt Schmid. Hätte er seine Entscheidung auf das reguläre Ende seiner Amtszeit verschoben, hätte er möglicherweise den richtigen Zeitpunkt verpasst. Sein Amt als CDU-Kreisrat will Schmid beibehalten. Ebenso den Sitz im Verwaltungsrat der Kreissparkasse Ludwigsburg.




Unsere Empfehlung für Sie