Ludwigsburger Schlossfestspiele Malerische Raritäten

Niccolò Jommelli war Komponist am Hof von Ludwigsburg. Foto: Archiv
Niccolò Jommelli war Komponist am Hof von Ludwigsburg. Foto: Archiv

Das Orchester der Schlossfestspiele spielt unter Reinhard Goebel im Ordenssaal des Ludwigsburger Residenzschlosses Werke von Rebel, Mondonville, Jommelli und Mozart.

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Ludwigsburg - Das ist wirklich unangenehm zu singen: Worte wie „chartre“ in hoher Lage und gewehrsalvenartiger Wiederholung. Die Sopranistin Sarah Wegener bewältigte solcherlei hochvirtuose Aufgaben, die Jean-Joseph de Mondonvilles „Le Privilège du Roi“ an sie stellte, trotz enormem Tempodruck von Seiten des Dirigenten bewundernswert treffsicher. Diese kuriose Vertonung des königlichen Druckprivilegs, das Komponisten unter Ludwig XIV. besitzen mussten, wollten sie ihre Werke vervielfältigen lassen, erklang in einem barocken Raritätenprogramm bei den Ludwigsburger Schlossfestspielen: ein musikalischer Spaß, der den furchtbar langweiligen Text in sieben attraktiven Trauer- und Wutarien verbrät.

Schon zuvor war im voll besetzten Ordenssaal des Residenzschlosses eine Seltenheit erklungen. Das Orchester der Schlossfestspiele führte Jean-Féry Rebels Suite „Les Éléments“ auf, die mit der Darstellung des „Chaos“ einsetzt, das sich gleich zu Beginn mit martialisch angerissenen, dissonanten Tontrauben in die Gehörgänge brennt. Die folgenden Sätze widmen sich der musikalischen Malerei von Feuer, Wasser, Luft und Erde, um dann doch im „Gesang der Nachtigallen“ mit der trefflichsten Naturkopie zu protzen.

Untransparentes Klangbild

Schon bald offenbarte sich aber, dass der Dirigent des Abends, der Kölner Experte für Alte Musik Reinhard Goebel, nicht gerade zu den Feinstarbeitern seiner Profession gehört. Das auf modernen Instrumenten agierende Orchester, das bei den Festspielen unter seinem Chef Pietari Inkinen bereits glänzende Auftritte hingelegt hat, zeigte sich an diesem Abend in Kammerbesetzung weniger souverän. Das Zusammenspiel geriet oft ungenau, die Violinen waren intonatorisch nicht immer auf Linie. Goebel schwang zwar kraftvoll den Taktstock, aber das Klangbild wollte sich weder barock erhellen, noch leicht und transparent gestalten – auch was Mozarts Salzburger Sinfonie KV 201 angeht. In Niccolò Jommellis „Canta Nice“ dagegen erfreute wieder Sarah Wegeners klangschöner, ausgewogener Sopran.




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