Ludwigsburger Schlossfestspiele Oksana Lyniv dirigiert Mahlers Fünfte

Oksana Lyniv Foto: Oleh Pavliuchenkov/Pavliuchenkov

Im Ludwigsburger Forum am Schlosspark hat die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv die Schlossfestspiele mit Werken von Mozart und Mahler eröffnet. Das Motto des Abends: „No more war“.

Gustav Mahler geht immer. Trauer, Zerrissenheit, alle Verunsicherungen unserer Tage spiegeln sich in den Kontrasten, die dieser Komponist auf engstem Raum und in höchster emotionaler Aufladung aufeinanderprallen lässt. Nachdem die ukrainische Dirigentin Oksana Lyniv auf Druck ukrainischer Institutionen im Eröffnungskonzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele die sechste Sinfonie des unerwünschten Russen Tschaikowsky durch Mahlers Fünfte ersetzt hatte, prägte vor allem dieses Werk den Abend im Forum am Schlosspark. Und beantwortete dort umgehend die Frage des für die Festrede verpflichteten ehemaligen Bundespräsidenten (und ehemaligen Ludwigsburgers) Horst Köhler.

 

Ja, man kann. Und man darf. Es ist möglich, vielleicht sogar nötig, ein Konzert zu genießen, während in Europa ein blutiger Krieg herrscht. Was Tschaikowskys „Pathétique“ nie so deutlich hätte darstellen können, wird in Mahlers formal wie harmonisch diffundierendem Stück zum Klang. Zu hören ist eine Gemengelage von fast überfordernder Komplexität – mit Trauer und Fest als direkten Gefühlsnachbarn und mit einem ersten Satz, der wirkt wie ein Abbild der momentanen politischen Situation: Da wird etwas mit grellen Fanfarentönen groß behauptet, aber das Vokabular steckt voller hohler Floskeln und hat alle Verbindlichkeit verloren.

Der Klang ist sehr direkt und manchmal zu grell

Lynivs Zugriff ist das Ergebnis eines klaren Plans. Alles ist bedacht und wird mit präzisem Schlag kommuniziert. Der Klang ist sehr direkt, sogar im Adagietto. In anderen Sätzen ist er zuweilen sehr – vielleicht sogar ein bisschen zu – grell (vor allem im Scherzo, in dem immer aufs Neue die Welt untergeht und wieder aufersteht). Das Festspielorchester spielt hoch konzentriert, in den Streichern gut gebündelt, mit präzise und knallig gesetzten Bläsersoli. Mozarts zuvor gespieltes A-Dur-Klavierkonzert KV 488 mit dem feinen Klangfarb-Gestalter Iddo Bar-Shai als (leider manchmal dynamisch in die Enge getriebenem) Solisten verkommt daneben zum Einspielstück. Mahlers Finale weist ins Licht. Erleichterung und langer Jubel.

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