Nach zwölf Jahren im Gemeinderat verlässt Christine Knoß ihre Partei. Obwohl sie im Stadtgremium und im Kreistag bleiben will, könnte das Folgen für die Mehrheitsverhältnisse haben.
Die Ludwigsburger Stadt- und Kreisrätin Christine Knoß verlässt die Fraktionen der Grünen in Gemeinderat und Kreistag. Wie Knoß am Montagabend mitteilte, tritt sie außerdem aus der Partei aus. Sie werde als parteiloses Mitglied in den Gremien verbleiben.
„Für die mir besonders wichtigen Themen Naturschutz und Tierschutz finde ich hier vor Ort keine besonders leidenschaftlich interessierten Mitstreiterinnen und Mitstreiter“, begründet Knoß in einer Pressemeldung ihren Ausstieg. Sie werde sich auch weiter für nachhaltige Mobilität, und damit für Fußgänger und Radfahrer, einsetzen. „Aber dafür brauche ich keine Parteizugehörigkeit.“
Stimmenkönigin bei der Kreistagswahl
Knoß sitzt seit zwölf Jahren für die Grünen im Gemeinderat und ist seit 2019 Mitglied des Kreistags. Bei der Gemeinderatswahl 2024 holte sie knapp hinter ihrer Parteifreundin Arezoo Shoaleh die zweitmeisten Stimmen, bei der zeitgleich stattfindenden Kreistagswahl war sie die Stimmenkönigin. Sie werde weiterhin für alle Menschen in Ludwigsburg da sein, die sie gewählt hätten, kündigte Knoß an – „manche auch nicht deswegen, weil ich bei den Grünen war, sondern obwohl ich bei den Grünen war“.
Für die Sitzverteilung im Ludwigsburger Gemeinderat bedeutet Knoß’ Austritt, dass die CDU nun alleinig die stärkste Fraktion ist. Bislang hatten Grüne und Christdemokraten jeweils neun Sitze gehabt. „Vermutlich wird sich mein Abstimmungsverhalten auch in Zukunft nicht gravierend von dem der Grünen unterscheiden“, schreibt Knoß in der Mitteilung. „Ich möchte mir aber in jedem Einzelfall völlig frei überlegen dürfen, wie ich eine Sache bewerte.“ Diese Freiheit sei innerhalb der bestehenden Fraktions- und Parteistrukturen nur eingeschränkt gegeben.
Im vergangenen November hatte sich Knoß beispielsweise gemeinsam mit Shoaleh bei der Abstimmung über die Stadtbahn gegen ihre Fraktion gestellt. Von der Jugendorganisation der Grünen waren die beiden daraufhin scharf kritisiert worden, Knoß sogar namentlich. Die Entscheidung sei in erster Linie eine Frage des Verantwortungsbewusstseins gewesen, erklärte Knoß damals. Sie finde es „traurig, wenn bei den Grünen keine abweichenden Meinungen und ehrliche Diskussionen erwünscht sind“.