InterviewLudwigsburger Stadtwerke-Chef setzt auf Wachstum „Das war schon ein Überraschungspaket“

Von  

Marode Stromleitungen, sanierungsbedürftige Bäder, harte Konkurrenz: die Stadtwerke Ludwigsburg und Kornwestheim stehen vor großen Herausforderungen. Unter Bodo Skaletz ist das Unternehmen enorm gewachsen, und an dieser Strategie will der Geschäftsführer festhalten.

Breitband, Strom, Gas, Parkplätze, Schwimmbäder: die Stadtwerke sind unter Bodo Skaletz stetig gewachsen. Foto: factum/Granville
Breitband, Strom, Gas, Parkplätze, Schwimmbäder: die Stadtwerke sind unter Bodo Skaletz stetig gewachsen. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Mehr als zehn Millionen Euro haben die Städte Kornwestheim und Ludwigsburg jüngst ihrem gemeinsamen Stadtwerk überlassen – und damit die Eigenkapitalquote erhöht. Im Interview erklärt der Stadtwerke-Chef Bodo Skaletz, warum das nötig war, er die Idee eines Kombibads zwischen den Kommunen noch immer für richtig hält und warum die Stadtwerke derzeit kräftig ins Strom- und Glasfasernetz investieren müssen.

Seit drei Jahren beitreiben die Stadtwerke die Stromnetze in Ludwigsburg und Kornwestheim. Wie viel Freude bereitet Ihnen der noch junge Geschäftszweig?
Wir sind auf einem guten Weg, auch wenn es einige spektakuläre Stromausfälle gab, von denen unter anderem das Krankenhaus Ludwigsburg betroffen war. Wir haben ein überaltertes Netz übernommen. So lag auf einer Länge von zwölf Kilometern ein störanfälliger Kabeltyp, der etwa in Bietigheim-Bissingen schon zehn Jahre nicht mehr im Einsatz ist. Die Kabel haben wir sukzessive ausgetauscht, im nächsten Jahr kommt die letzte Charge dran.
Wussten Sie, dass die EnBW ihnen so marode Kabel überlässt?
Das war schon ein Überraschungspaket. Aber uns war natürlich bewusst, dass die EnBW aus zwei Gründen nicht mehr viel investiert hat. Zum einen war sie sich nicht sicher, ob sie die Konzession für das Stromnetz bekommt, zum anderen muss die EnBW bekanntermaßen sparen und hat die Investitionen schon in den 1990er-Jahren zurückgefahren.
Wie sehen Ihre Geschäftszahlen in dem Bereich aus?
Die ersten zwei Jahre haben wir ein positives Ergebnis geschrieben, im Moment tun wir das nicht. Das war aber vorauszusehen. Wir durften für eine Übergangszeit, so sehen es die Vorschriften vor, in den ersten beiden Jahren die dauerhaft nicht beeinflussbaren Kostenanteile der EnBW übernehmen und mit den Durchleitungsentgelten abrechnen. Jetzt dürfen wir nur noch unsere eigenen Kosten ins Rechnungsergebnis einfließen lassen. Wir haben aber keinen eigenen Betriebskindergarten, ich habe keinen Fahrer, der mich fährt – das sind die Kosten, die man in den Netzentgelten verrechnen darf. Ab 2019 können wir die Vergangenheit hinter uns lassen, und ab diesem Zeitpunkt haben wir im Wirtschaftsplan einen Überschuss vorgesehen.
Wie hoch soll der werden?
Er liegt im Millionenbereich. Sie dürfen jedoch nicht übersehen, dass wir derzeit jährlich rund acht Millionen Euro in die Sparte investieren. Der Gesetzgeber hat genau vorgeschrieben, was wir verdienen dürfen – eine Rendite von zirka sieben Prozent auf das Eigenkapital, ab 2018 leider nur noch rund fünf Prozent. Das ist im Übrigen der Grund, dass wir die Eigenkapitalquote erhöht haben und Kornwestheim 2,4 Millionen Euro zusätzlich eingebracht hat. Ludwigsburg hat eine Rücklage umgewidmet und auf diesem Weg zusätzlich 8,9 Millionen Euro eingebracht. Letztlich sind die fünf Prozent Rendite eine gute Geldanlage.
Dann scheint so ein Stromnetz eine goldene Kuh zu sein, die man nur melken muss.
Das hört sich vielleicht so an, aber es ist definitiv nicht so. Der Gesetzgeber verlangt, dass die Infrastruktur erhalten bleibt und genehmigt deshalb nur eine kleine Rendite.
Sie haben zusammen mit den Stadtwerken Waiblingen auch das Netz in Remseck übernommen. Gibt es weitere Stromnetze, auf die Sie ein Auge geworfen haben?
Im Moment ist das Thema Strom durch, die Konzessionen sind alle vergeben. Beim Gas haben wir gerade die Konzession für das Netz in Tamm gewonnen, demnächst geht’s um Asperg und Kornwestheim, wo wir derzeit schon die Konzession innehaben.
Die sollten die Stadtwerke doch auch wieder erhalten, oder?
Es ist ein hochkomplexes Verfahren. Wir haben beispielsweise für Tamm einen fünfstelligen Betrag aufgewendet, um ein Betriebskonzept zu entwickeln. Es gibt Kriterienkataloge, nach denen die Anbieter starr bewertet werden. Die Gemeinderäte haben eigentlich keine großen Chancen einzugreifen.
Wie viele Kunden beziehen momentan Strom von den Stadtwerken?
Wir sind bei rund 15 500 Kunden. Im Jahr gewinnen wir rund zehn Prozent hinzu.
Wie wechselwillig sind die Kunden?
Es ist immer eine Herausforderung Kunden zu gewinnen. Mit 1500 Kunden Zuwachs pro Jahr sind wir ganz zufrieden, aber es ist nicht einfach, Kunden zu überzeugen, dass wir der richtige Partner sind.
An wievielter Stelle stehen die Stadtwerke in der Region mit ihren 15 500 Kunden?
In Ludwigsburg und Kornwestheim gibt es rund 60 000 Netzkunden, 15 500 davon beziehen ihren Strom von den Stadtwerken, 216 Anbieter werben allein in den beiden Städten um Kunden. Wir werden alles tun, um in diesem Bereich zu wachsen – allerdings nicht um jeden Preis. Die Marge wird immer geringer, wir haben durchaus auch schon Gewerbekunden ablehnen müssen, weil wir Strom unter Preis nicht anbieten. Es gibt mittlerweile Fälle, dass Stromanbieter auf eine Preissenkung spekulieren. Das sind dann die Firmen, die ab und zu auch mal in die Insolvenz gehen.
Wie groß ist das Interesse an Ökostrom?
Zehn Prozent der Kunden beziehen Ökostrom. Die Menge ist allerdings deutlich größer als zehn Prozent, weil sich die Städte Kornwestheim und Ludwigsburg entschieden haben, einen Großteil ihres Stroms als Ökostrom zu beziehen. Sie erfüllen damit eine gewisse Vorreiterrolle.
Wie viel Prozent des Stroms, den die Stadtwerke verkaufen, produzieren sie vor Ort?
Wir lagen im vergangenen Jahr bei knapp unter 40 Millionen Kilowattstunden, durch unser Netz fließen jährlich rund 540 Millionen Kilowattstunden. Wir sind aber guten Mutes, die zehn Prozent überschreiten zu können. Und mit unserem großen Blockheizkraftwerk in Pattonville erzeugen wir rund 12,5 Millionen Kilowattstunden – in etwa so viel, wie in Pattonville auch verbraucht wird. Dort haben wir also die Selbstversorgung schon realisiert. Wir sind insgesamt zufrieden. Es gibt Städte, die sind noch zu fast 100 Prozent abhängig von der Stromeinspeisung der Großen.
Lohnt es sich, selbst Strom zu produzieren? Und gibt’s eine Zielmarke?
Ja, es lohnt sich auf jeden Fall. Eine Zielgröße zu nennen ist schwierig, denn sie hängt auch vom Bedarf des jeweiligen Kunden ab. Wir realisieren in der Ludwigsburger Weststadt gerade ein tolles Energiekonzept, das auch für uns ein Modell des Smart Grids, des intelligenten Stromnetzes, darstellt. Wir haben ein Areal-Netz, das wir mit mehreren Erzeugungsanlagen versorgen wollen: sowohl strom- als auch wärme- und kälteseitig. Auf der anderen Seite haben wir mehrere Firmen, die uns Wärme, Kälte und Strom abnehmen. Wir werden zusätzlich einen Strom- und Wärmespeicher installieren und die Digitalisierung 4.0 realisieren. Sprich: Nicht mehr wir greifen ein, sondern die einzelnen Komponenten kommunizieren untereinander und miteinander.
Die Stadtwerke fungieren mittlerweile auch als Telekommunikationsanbieter. Wie viele Kunden haben Sie bisher gewonnen?
Wir sind bei 29 Gewerbekunden mit 32 Anschlüssen. Es ist für uns aber interessant zu beobachten: seit wir am Markt sind, bewegen sich die großen Anbieter fast schon dramatisch. Auch hier werden Leistungen durchaus unter Preis angeboten.
Ihr Ziel war sicher nicht, die großen Anbieter in Bewegung zu versetzen.
Das ist richtig. Allerdings war vor unserem Einstieg fast überhaupt kein Wettbewerb vorhanden. Es gab einen großen Bedarf von Unternehmen, die mit der Situation völlig unzufrieden waren und auf die Stadtverwaltungen in Ludwigsburg und Kornwestheim zugegangen sind. Das war ja auch der Grund, warum die Gesellschafter dann auf uns zugegangen sind.
Das heißt: Sie sind zwar nicht zufrieden, aber die Städte?
Ein funktionierendes Glasfasernetz ist eindeutig ein Standortvorteil. Wir wissen von einer Firma, die klar gesagt hat, dass sie sich nur in Kornwestheim ansiedelt, wenn ein Breitbandanschluss vorhanden ist.
Vor allem kleine Kommunen und kleine Gewerbegebiete werden von den Anbietern oft gemieden. Gehen Sie überall hin?
Wir haben uns die Versorgung mit Glasfasertechnik in beiden Städten angeschaut und uns fürs Erste drei Gewerbegebiete vorgenommen. Wir können nicht alles auf einmal realisieren, wir wollen mit der Sparte ja auch Geld verdienen.
Warum spielen bei der Glasfaserversorgung Privatkunden für Sie keine Rolle?
Lassen Sie uns den ersten Schritt machen, bevor wir über den zweiten nachdenken.
Anderes Thema. Sind Sie enttäuscht, dass Ihre Idee eines Kombibads zwischen Kornwestheim und Ludwigsburg nicht weiter verfolgt wird?
Nicht wirklich. Mir war klar, dass wir uns im politischen Raum bewegen – und es wäre schon einem kleinen Wunder gleichgekommen, wenn wir nach einem Jahr eine positive Entscheidung bekommen hätten. Ich bin sicher: das Projekt ist noch nicht tot. Wir werden das große Kombibad mit Wellness, Spaß- und Sportbad sicherlich nicht mehr realisieren. Es wäre ohnehin eine große Herausforderung für die Architekten gewesen, das so zu trennen, dass die Besucher im Wellnessbereich die Ruhe genießen können. Auch die Suche nach einem so großen Grundstück, der Transport des Wassers – all das hätte hohe Anforderungen gestellt. Aber an ein kleines Kombibad mit der Zusammenlegung aller Freizeit- und Spaßbäder wird man sich in einigen Jahren wieder erinnern, wenn der Spardruck groß genug ist. Bis dahin werden wir die Bäder aufrechterhalten. Wenn im Alfred-Kercher-Bad mittelfristig eine große Sanierung ansteht, wird man das Thema auch aus Kornwestheim aktiv angehen.
Welche Verluste machen die Stadtwerke mit den Bädern?
Im Moment liegen wir für die sechs Bäder bei 3,5 Millionen Euro im Jahr.
Ein weiterer wichtiger Geschäftszweig sind die Parkhäuser. In Ludwigsburg wird gerade über den Bau einer neuen Garage unter dem Schillerplatz nachgedacht. Wie sehen Sie die Chancen für das Projekt?
Mit der Frage beschäftige ich mich nicht. Für uns ist es nachher die Aufgabe, die Parkierung umzusetzen, wir werden auch im Laufe des Verfahrens unsere Anmerkungen machen. Wir werden Betreiber und Bauherr sein, jedoch nicht Entscheider.
Würden Sie denn an dieser Stelle eine Tiefgarage bauen? Der Standort ist umstritten.
Ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht. Es ist eine politische Entscheidung.
Eine letzte Frage: im Kornwestheimer Gemeinderat wurde unlängst die Forderung nach einer Doppelspitze für die Stadtwerke laut. Was halten Sie davon?
Ich denke, wir sind gut gefahren und die Bilanz spricht für sich. Es gibt Unternehmen mit zwei Personen an der Spitze, in denen bewegt sich nicht so viel wie bei uns.



Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie