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Ludwigsburgerin Sally Grayson singt bei „The Voice“ Nicht ohne meinen Rock'n'Roll

Von Björn Springorum 

Eine Amerikanerin in Deutschland: Black-Swift-Frontfrau und Blues-Fanatikerin Sally Grayson mischt bei der neuen Staffel von „The Voice of Germany“ mit. Wir haben vor der Ausstrahlung ihres großen Fernsehauftritts mit ihr gesprochen.

Ohne Gitarre läuft bei Sally Grayson nichts. Foto: The Voice of Germany 3 Bilder
Ohne Gitarre läuft bei Sally Grayson nichts. Foto: The Voice of Germany

Stuttgart - In Stuttgart ist Sally Grayson (40) ja längst keine Unbekannte mehr. Die quirlige, stets strahlende US-Amerikanerin mit diesem unverwüstlichen Optimismus lebt seit vielen Jahren hier, hat solo oder mit ihrer Indie/Blues-Kombo Black Swift vom Wohnzimmerkonzert über Zwölfzehn und Merlin bis hin zur Kiste so ziemlich alles durch. Jetzt wagt sie ein neues Abenteuer: Diesen Samstag ist sie in den „Blind Auditions“ der Casting-Show „The Voice of Germany“ zu sehen. Dem Stadtkind hat sie unter anderem verraten, warum sie sich am liebsten von Smudo und Michi Beck coachen lassen würde...

 

Sally, du kommst aus Michigan, eine der Brutstätten des Blues schlechthin. Ist das Grund genug, wieso auch du dieser Musik verfallen bist?

 

"Ich denke schon, ja. Diese Musik habe ich wohl einfach im Blut. Ich liebe diese rohe Aura der Songs von Leadbelly oder Muddy Waters – irgendetwas an der Art und Weise, wie sie Mühsal ausdrücken, trägt eine große Freiheit in sich."

 

Du bist Mutter von siebenjährigen Zwillingen. Hast du sie eigentlich mit amerikanischen oder deutschen Liedern in den Schlaf gesungen?

 

"Ich spreche (und singe) zuhause nur Englisch, mittlerweile sind die zwei komplett bilingual. Als „The Voice of Germany“ die Homestory bei uns filmten, fragte mich das Filmteam, ob ich nicht deutsch mit ihnen sprechen könnte. Das fühlte sich total schräg an, ich glaube sogar, es war das erste Mal überhaupt, dass ich deutsch mit ihnen gesprochen habe."

 

Wenn du es schon angesprochen hast: Wie kommt eine Künstlerin wie du, die schon viele Jahre Musik macht, plötzlich auf die Idee, bei einer Show wie dieser mitzumachen?

 

"Das ist einem Talentscout zu verdanken, der meine Band Black Swift auf Youtube entdeckte und mich fragte, ob ich nicht bei „The Voice“ vorsingen möchte. Um ehrlich zu sein, war ich anfangs sehr skeptisch. Ich bin keine Pop-Sängerin, sehe mich eher als Indie-Künstlerin. Außerdem mag ich herkömmliche Radiomusik nicht und fühle nicht den Hauch eines Interesses daran, selbst solche Songs zu singen. Authentizität ist mir sehr wichtig – insbesondere, wenn ich auf einer Bühne stehe und mich Millionen Fernsehzuschauern präsentiere. All diese Bedenken äußerte ich also gegenüber dem Talentscout und der betonte, dass Authentizität ja gerade das Prinzip der Show sei. Alles, was er nicht garantieren konnte, war die Qualität des Songs, den ich in den „Blind Auditions“ singen würde. Doch mit dem hatte ich riesiges Glück."

 

Es ist „Love Cats“ von The Cure...

 

"Ja, und zwar in der deutlich rockigeren Version von Hot Rats. Ich liebe The Cure und ich liebe Rock'n'Roll, eine Kombination dieser beiden Vorlieben könnte also gar nicht besser passen."

 

Du wirst dir The Cure also auch demnächst in der Schleyer-Halle ansehen?

 

"Und ob! The Cure waren eines meiner ersten Konzerte überhaupt, und ich wüsste gern, was mein Teenager-Ich sagen würde, wenn sie gewusst hätte, dass sie diese Band viele Jahre später live in Deutschland sehen würde, nachdem sie einen ihrer Songs im Fernsehen gesungen hat."

 

 

Noch mal zurück zu „The Voice“: Was willst du erreichen?

 

"Im Grunde geht es mir darum, meine Fanbase zu erweitern. Ich befinde mich so langsam an einem Punkt in meiner Karriere, an dem ich einsehen muss, dass ich mir etwas anderes überlegen muss, um meine Miete und meine Lebensmittel zu bezahlen, wenn es nicht mit der Karriere vorwärts geht. Doch die Musik ist es nun mal, was ich liebe. Ich muss erschaffen, ich muss singen. Sie ist ein Teil von mir, deswegen bin ich hier. Die Möglichkeit einer Show wie dieser ist deswegen eine gewaltige und führt hoffentlich dazu, dass ich mehr Platten verkaufe und höhere Gagen bekomme, um meine Familie durch meine Musik zu versorgen."

 

Dennoch ist selbst eine einigermaßen authentische Show wie „The Voice“ nicht gerade dafür bekannt, dass ihre Gewinner eine lange und glorreiche Karriere beginnen.

 

"Das ist mir bewusst. Und dann ist da noch ein anderer kniffliger Part an der ganzen Sache. Natürlich wäre es der Oberwahnsinn, die Show zu gewinnen. Ich könnte ein Team um mich aufbauen, das mir die ganzen Sachen abnimmt, die ich derzeit noch selbst mache – Management, Promo, Werbung, Booking. Was mich nervös daran macht, ist, dass ein Sieg natürlich bedeuten würde, viel Zeit ohne meine Familie zu verbringen. Das ist ein ziemlich großes Opfer – mal ganz zu schweigen von der künstlerischen Freiheit."

 

In deinem Vorstellungsvideo lässt du keinen Zweifel daran, dass du am liebsten von den Fantastischen Vier gecoacht werden würdest...

 

"Na klar! Stuttgart represent!" [lacht]

 

Was versprichst du dir von ihnen?

 

"Ich will mich stetig verbessern, will als Musikerin, Sängerin, Songwriterin und Performerin wachsen. Michi und Smudo sind Vollblutperformer durch und durch, und falls sie sich für mich entscheiden, können sie mir in dieser Hinsicht bestimmt eine Menge beibringen."

 

The Voice of Germany: Sonntag, 30.10., 20:15 Uhr, Sat.1.