Ludwigstafel feiert 20. Geburtstag Brot und Obst für die Armen der Überflussgesellschaft

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Als kurzzeitige Hilfe gestartet, aber immer noch da: Die Ludwigstafel feiert 20-jähriges Bestehen. „Wir bekämpfen nicht den Hunger“, sagt die Geschäftsführerin, „aber wir machen die Armut sichtbar.“

Das Tafel-Team kurz vor der Ladenöffnung Foto: factum/ 10 Bilder
Das Tafel-Team kurz vor der Ladenöffnung Foto: factum/

Ludwigsburg - Schon vor zehn Jahren hieß es: Eigentlich sollte es sie gar nicht mehr geben. An diesem Freitag feiert die Ludwigstafel 20-jähriges Bestehen. Die 1999 als Überbrückungshilfe gegründete Anlaufstelle ist zum Dauerläufer geworden. Täglich holen sich dort 130 Menschen preisgünstig Brot, Obst, Wurst, Milch und Joghurt. Inzwischen ist die Ludwigsburger Ausgabestelle sogar Logistikzentrum für 21 Tafeln in den Kreisen Ludwigsburg, Rems-Murr und Heilbronn.

Überfluss und Mangel

Lebensmittel retten, Menschen helfen“, so lautet das Motto der 940 Tafeln in der Bundesrepublik. Der darin zum Ausdruck gebrachte Widerspruch bestehe noch immer, sagt Horst Krank: „Auf der einen Seite gibt es den Mangel“, sagt der Vorsitzende der Ludwigsburger Tafel, „auf der anderen eine riesige Verschwendung von Lebensmitteln.“

Die Tafeln sind gemeinnützige Vereine, die einen Ausgleich herstellen wollen. Etwas vom Überfluss soll dahin kommen, wo Mangel herrscht. Die meisten Lebensmittel kommen von Supermärkten, wo sie nicht mehr verkauft werden dürfen, weil das Haltbarkeitsdatum überschritten ist. In den Tafeln werden sie günstig an Bedürftige zu kleinen Preisen abgegeben.

„In Deutschland muss zwar niemand Hunger leiden“, sagt die Geschäftsführerin Anne Schneider-Müller, „aber es gibt Arme.“ Und wenn diese für ihre Lebensmittel weniger Geld ausgeben müssten, bliebe auch einmal etwas für einen Kino- oder einen Freibadbesuch übrig.

Neue Armut

Als die Tafelläden gegründet wurden – – der erste öffnete 1993 in Berlin – wollten die Initiatoren auf eine vermeintlich kurzfristige Krise reagieren. Damals sprach man von der Neuen Armut, weil erstmals Bürger aus der Mittelschicht nicht mehr genug zum Leben hatten, nachdem sie den Job oder die Wohnung verloren hatten. Anfangs kamen im Schnitt gerade mal 15 Personen pro Tag in den Laden an der Lindenstraße. Da die Kehrtwende ausblieb, gibt es die Hilfsangebot noch immer.

Im Gegenteil: Bundesweit ist die Zahl der Tafeln gestiegen und damit die Masse der Lebensmittel, die dort über die Theken gehen. In Ludwigsburg sind neben den sieben hauptamtlichen Mitarbeitern, die sich 3,4 Stellen teilen, insgesamt 80 Ehrenamtliche regelmäßig im Einsatz. Zur Ludwigstafel gehören neben der Hauptstelle an der Saarstraße drei Filialen in Kornwestheim sowie den Stadtteilen Eglosheim und Grünbühl.

Neues Domizil in der Weststadt

Bis 2016 haben Mitarbeiter und Kunden in den 250 Quadratmeter großen Räumen an der Lindenstraße zurecht kommen müssen. Zur Enge kamen regelmäßige Klagen von Anwohnern, die sich durch die Anwesenheit von im Hof oder auf dem Gehweg davor wartenden Kunden gestört fühlten. Dann endlich fand der Verein in der Weststadt eine neue Bleibe, die mit einer Fläche von 400 Quadratmeter nicht nur genug Platz für Lager und Verkauf bot, sondern auch einen überdachten Wartebereich für Kunden und einen Aufenthaltsraum für Mitarbeiter hat. „Inzwischen denken wir wieder an Expansion“, sagt Schneider-Müller. Die Tafel will noch einmal 70 Quadratmeter dazu mieten.