Beim Rennen um einen Spitzenplatz im Weltraum haben zuletzt eher Bayern und Nordrhein-Westfalen schlagzeilenträchtige Aktivitäten ins Schaufenster gestellt. Bayerns Regierungschef Markus Söder hat publikumswirksam den Namen „Bavaria One“ auf eine Rakete geschrieben und will in Oberpaffenhofen ein „bayerisches Houston“ aufbauen. Sein Kollege Hendrik Wüst ist überzeugt, dass der Weg zum Mond über Nordrhein-Westfalen führt, weil es dort ein gemeinsam mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt erbautes Astronauten-Trainingszentrum gibt.
Die Stuttgarter Landesregierung hat es nicht geschafft, ihr Förderprogramm für die Luft- und Raumfahrt so populär zu verpacken. Dazu ist der Name der Förderkampagne „The Aerospace Länd“ dann doch zu sperrig. Richtig aber ist es, dass Grün-Schwarz versucht, die Dynamik dieser Hightech-Branche zu stärken. Winfried Kretschmann und die zuständigen Minister – Nicole Hoffmeister-Kraut für die Wirtschaft, Petra Olschowski für Forschung und Winfried Hermann für Verkehr – hatten den richtigen Riecher, als sie die zersplitterten Aktivitäten vor zwei Jahren gebündelt haben. Dass die neue Bundesregierung erstmals ein Forschungsministerium konzipiert hat, das auch die Raumfahrt im Titel führt, geht in die gleiche Richtung.
Klar ist, dass die Branche seit den ersten Mondflügen nicht aufgehört hat, ein wichtiger Technologietreiber zu sein. Mit Digitalisierung und Satellitentechnik hat sich dieser Trend in den vergangenen Jahren noch verstärkt. Dabei ökonomisch und technologisch mitmischen zu wollen ist richtig – für Europa, für Deutschland und für Baden-Württemberg. Allerdings: Die Konkurrenz schläft nicht – weder im In- noch im Ausland.