Luftbelastung in Stuttgart-Sillenbuch Privatmann misst Stickoxidbelastung

Von Caroline Holowiecki 

Seit Monaten fragen Lokalpolitiker in Sillenbuch immer wieder nach Zahlen zur Schadstoffbelastung der Luft in Stuttgart-Sillenbuch. Eckard Philipsen hat jetzt einfach selbst gemessen. Auch aus eigener Betroffenheit heraus, denn sein Auto könnte irgendwann vor Fahrverboten betroffen sein.

Sein neues Auto sollte besonders umweltfreundlich sein, sagt Eckhard Philipsen. Foto: Holowiecki
Sein neues Auto sollte besonders umweltfreundlich sein, sagt Eckhard Philipsen. Foto: Holowiecki

Sillenbuch - Seit Monaten schon bemühen sich diverse Fraktionen im Sillenbucher Bezirksbeirat darum, aussagekräftige Zahlen über die Schadstoffbelastung der Luft im Bezirk zu erhalten. Es geht um den Feinstaub, aber auch um Stickoxide. Bislang sind Behörden und Ämter dem Gremium die Zahlen weitgehend schuldig geblieben. Und dann kam einer, der hat es einfach selbst gemacht: Eckhard Philipsen, Bürger aus Heumaden und Sprecher der Lokalen Agenda.

Er hat sich bei der Deutschen Umwelthilfe gemeldet und wurde just für einen neuen Messzyklus ausgewählt. Zwei Messröhrchen, so genannte Passivsammler, hat der 74-Jährige per Post erhalten, sich daraufhin eine Leiter geschnappt und die kleine Apparatur hoch oben an einem Mast an der Hauptverkehrsroute, der Kirchheimer Straße, mit Kabelbindern angebracht. Fertig. Vom 1. Juni bis zum 1. Juli wurden so die Stickoxidmengen in der Sillenbucher Luft erfasst, die Röhrchen samt Dokumentation hat Eckhard Philipsen dieser Tage eingeschickt – und wartet nun auf die Auswertung.

Die Messung ist nicht ganz uneigennützig

Ganz uneigennützig hat er das Ganze nicht angeleiert. Eckhard Philipsen ist nämlich „saumäßig narret“. Der Grund für seinen Ärger ist sein recht neuer Mercedes, Modell C-Klasse. Ein Euro-5-Diesel – also einer, der zwar nach den jüngsten Entwicklungen erst mal nicht von Fahrverboten betroffen sein wird, doch wer weiß, was irgendwann noch kommt. 2011 hat er den Neuwagen gekauft und darauf bestanden, ein besonders sauberes Auto haben zu wollen. Zum einen, weil er sich als Mitglied in der Agenda-Arbeitsgruppe „Umweltfreundliche Energie“ engagiert, zum anderen, weil er ein gebranntes Kind ist. Sein Auto davor war mit einer roten Umweltzonen-Plakette stillgelegt worden. „Das sollte mir nicht noch einmal passieren“, erklärt Eckhard Philipsen. Nicht zuletzt deswegen ist er daran interessiert zu erfahren, wie hoch die Stickstoffbelastung in Sillenbuch tatsächlich ist, auch, um einen Vergleich mit der Luft im Kessel zu haben. Die Zahlen wird die Deutsche Umwelthilfe veröffentlichen. Und Eckhard Philipsen wird die Sillenbucher Daten dem Bezirksbeirat zur Verfügung stellen.

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