Luftfahrt in der Krise Wenig Licht am Horizont

Kein unübliches Bild in diesen Zeiten: gähnende Leere am Stuttgarter Flughafen Foto: Horst Rudel

Die Luftfahrtbranche wird noch auf Jahre hinaus an den Folgen der Pandemie leiden. Den Gewerkschaften bleibt daher kein anderer Weg, als Pakte zur längerfristigen Jobsicherung abzuschließen, meint Matthias Schiermeyer.

Politik: Matthias Schiermeyer (ms)

Stuttgart - Die Luftfahrtbranche erlebt den freien Fall. Besonders betroffen ist die Lufthansa: Dort wurde jetzt bekannt, dass bis Jahresende 29 000 Stellen wegfallen sollen. Allerdings war schon vorher von 27 000 bedrohten Stellen die Rede; außerdem ist darin der Verkauf des Europageschäfts der Catering-Tochter LSG enthalten, der mit 7500 Mitarbeitern zu Buche schlägt. Ferner werden 20 000 dieser Jobs im Ausland gestrichen. Im neuen Jahr will die vom Staat mit einem Neun-Milliarden-Paket vor der Pleite gerettete Airline jedoch weitere 10 000 Stellen in Deutschland abbauen; betriebsbedingte Kündigungen werden nicht ausgeschlossen. Das Bedrohungsszenario für die Beschäftigten ist somit unverändert.

 

Der schwere Weg der Gewerkschaften

Somit müssen die Gewerkschaften Beschäftigungspakte aushandeln: Die Flugbegleiter-Organisation Ufo erwirkte eine Arbeitsplatzgarantie bis Ende 2023, Verdi für das Bodenpersonal bis März 2022. Die Pilotenvereinigung Cockpit wird sich diesem Trend nicht entziehen können und folgen. Es ist der schwere Weg, den die Gewerkschaften auch mit dem Notlagentarifvertrag für die Flughäfen gehen. Dort setzt sich die Krise mit unverminderter Schärfe fort und hat breite Auswirkungen bis in die lokale Wirtschaft hinein. Weil die Flughäfen geöffnet bleiben müssen, müssen sich Bund und Länder jetzt zu der angedachten Milliardenhilfe durchringen.

In den Randbereichen herrscht schon jetzt blanke Not

Für die Beschäftigten sind die Sparpakte jeweils mit schmerzhaftem Verzicht verbunden, doch der sichere Arbeitsplatz zählt. Nicht vergessen darf man daher Randbereiche wie die Servicedienstleister, die ein solches Netz nicht bieten. Für einen Teil der Airport-Beschäftigten ist die Lage schon prekär – entweder weil das reguläre Kurzarbeitergeld nicht reicht oder weil ihre befristete Anstellung ausgelaufen ist und sie ohne Arbeit dastehen.

Das Infame an der Pandemie ist, dass sie speziell der Luftfahrt keine Perspektive bietet. Es ist offen, wann das frühere Niveau wieder erreicht wird. So drohen der Branche noch massive Verwerfungen.

@stzn.de

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Kommentar Gewerkschaften Lufthansa