Luftfahrt Lufthansa hofft noch auf einen Reisesommer

Noch sind die meisten Flieger geparkt, doch sie sind startbereit Foto: AFP/Christof Stache

Die Ausweitung des touristischen Angebots soll die Lufthansa in die Gewinnzone zurückführen – wenn denn das Reisen bald wieder möglich wird. Noch stehen die meisten Flieger auf dem Boden.

Frankfurt - Die Lufthansa bereitet sich nach dem „historischen Einbruch“ im vergangenen Jahr auf den Neustart vor, rechnet aber frühestens im Sommer mit einer spürbaren Belebung. „Wir sind unverschuldet in diese Krise geraten und sind auch jetzt noch abhängig von der Entwicklung der Pandemie“, sagte Vorstandschef Carsten Spohr auf der digitalen Bilanzpressekonferenz.

 

Die jüngsten Beschlüsse der Ministerpräsidentenkonferenz hätten noch keine Perspektive für die Reisebranche aufgezeigt, man hoffe aber auf klare Signale bei der nächsten Sitzung am 22. März. Voraussetzung für eine Erholung seien Fortschritte beim Impfen und Testen.

Spohr verlangte ein einheitliches Vorgehen: „International anerkannte, digitale Impfnachweise und Testzertifikate müssen an die Stelle von Reiseverboten und Quarantäne treten.“ Quarantänevorschriften seien der eigentliche Grund, warum Menschen auf Reisen verzichteten. In anderen Weltregionen sei man da bereits weiter als in Europa.

Vor-Pandemie-Niveau erst 2024 realistisch

Die ursprünglichen Hoffnungen auf eine Wiederbelebung der Nachfrage hat der Lufthansa-Vorstand nun weiter nach hinten verschoben. Von Sommer an hoffe man, schrittweise auf 50 bis 60 Prozent des Normalbetriebs kommen zu können. Ein Niveau wie vor der Pandemie hält Spohr aber jetzt erst für 2024 für realistisch, anfangs war er von 2023 ausgegangen. Kurz- und Mittelstreckenziele würden dabei wohl eher wieder nachgefragt werden als Langstreckenflüge.

Und Spohr setzt darauf, dass das verstärkte Angebot an Ferienzielen durch die Lufthansa direkt dabei helfen wird, die Auslastung wieder hochfahren zu können. Schon vor der Pandemie waren rund 70 Prozent der rund 150 Millionen Fluggäste des Konzerns Privatreisende. Bei den 30 Prozent Geschäftsreisenden erwartet Spohr eine spätere Belebung und zudem auch einen nachhaltigen Rückgang um zehn bis 20 Prozent.

Das wird sich auch in der Umsatzentwicklung bemerkbar machen, denn die Geschäftsreisenden haben früher rund 45 Prozent des Umsatzes beigesteuert – und waren dank eines höheren Anteils bei den Premiumklassen auch stärker an der Gewinnerzielung beteiligt.

Unterm Strich stehen Milliardenverluste

2020 war aber alles anders – drei Viertel der Fluggäste sind ausgeblieben, der Umsatz sackte um fast zwei Drittel auf 13,6 Milliarden Euro, und der Gewinn des Vorjahres von 1,2 Milliarden Euro verwandelte sich unterm Strich in ein Minus von 6,7 Milliarden Euro. Operativ betrug der Verlust noch 5,5 Milliarden Euro, in diesem Jahr soll er geringer ausfallen und für das kommende Jahr strebt Spohr zumindest die Rückkehr in die Profitabilität an.

Durch „konsequentes Gegensteuern“ sei es gelungen, die Kosten in den Griff zu bekommen, so dass die Lufthansa nicht mehr wie anfangs eine Million Euro pro Stunde an Liquidität verliert, sondern aktuell „nur“ noch zehn Millionen am Tag. Spohr ist daher zuversichtlich, dass die im vergangenen Jahr erhaltenen beziehungsweise zugesagten Staatshilfen ausreichen werden, um den Konzern liquide zu halten – eine Milliarde Euro seien bereits an die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) zurückgezahlt worden.

Zur Abfederung des Einbruchs hat die Lufthansa Cargo beigetragen, die aufgrund der hohen Nachfrage nach Frachtflügen sogar ein Rekordergebnis von 772 Millionen Euro abliefern konnte.

Möglichst viele Mitarbeiter an Bord halten

Neben der Einschränkung des Angebots, für die derzeit rund 500 der über 800 Maschinen am Boden stehen, tragen auch die Mitarbeiter einen großen Teil zu den Einsparungen bei. 20 000 Arbeitsplätze sind bereits abgebaut worden, weitere rund 10 000 müssen noch folgen. Er hoffe aber, 100 000 Lufthanseatinnen und Lufthanseaten in der Krise halten zu können, sagte Spohr. Nicht allen könne er zwar einen Vollzeitarbeitsplatz anbieten, aber durch intelligente Teilzeitarbeitsmodelle wolle man möglichst viele Menschen an Bord halten.

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