Lufthansa Spohrs riskantes Manöver

In der Coronakrise blieben zahlreiche Lufthansa-Maschinen am Boden. Foto: dpa/Boris Roessler

Der Lufthansa-Chef will noch in diesem Jahr einen Großteil der in der Krise gewährten Staatshilfen zurückzahlen. Das ist ehrenvoll, aber gewagt, meint Barbara Schäder.

Frankfurt - Wer hätte das gedacht: Die Lufthansa, die in der Coronakrise zeitweise fast alle Maschinen am Boden lassen musste, will noch vor Überwindung der Pandemie die milliardenschweren Staatshilfen zurückzahlen. Nach einem harten Sparkurs – die Belegschaft ist um ein Fünftel geschrumpft – und einer Belebung des Geschäfts in den Sommermonaten soll der Kranich wieder alleine fliegen.

 

Das Manöver ist riskant. Zwar wird die Ausgabe neuer Aktien der Lufthansa 2,1 Milliarden Euro in die Kasse spülen, das ist wegen der Abnahmegarantien eines großen Bankenkonsortiums sicher. Doch wenn die Coronakrise im Winter doch wieder Reisebeschränkungen bringen sollte und sich die Geschäfte nicht so entwickeln wie erhofft, könnte es für die Lufthansa schwierig werden, den Kapitalmarkt noch einmal anzuzapfen.

Viele Firmen wollen bei Geschäftsreisen weiter sparen

Selbst wenn derartige Rückschläge ausbleiben und auch die USA und China die Hürden für Reisende aus Europa abschaffen: Wie sich das für Lufthansa so wichtige Segment der Geschäftsreisen entwickelt, steht noch in den Sternen. Klar: Nach monatelangem Verzicht besteht aktuell wieder Bedarf an Präsenztreffen. Aber die Coronakrise hat gezeigt, dass sich vieles auch in Online-Konferenzen regeln lässt. Zumal Fliegen wegen der anziehenden Klimaschutzauflagen teurer werden dürfte.

Nun darf der Strukturwandel in der Luftfahrtbranche kein Grund sein, sich dauerhaft vom Staat unterstützen zu lassen. Doch der Gegenwind, der auch aus dieser Richtung bläst, könnte eben dazu führen, dass sich bei neuerlichen pandemiebedingten Turbulenzen keine privaten Investoren oder Kreditgeber finden.

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Lufthansa Carsten Spohr Kommentar