Lufthansa-Streik Ufo droht mit zweiter Streikwelle

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Vor den Verhandlungen am Wochenende erhöht die Flugbegleiter-Gewerkschaft den Druck auf das Lufthansa-Management. Die Folgen des aktuellen Arbeitskampfs werden Reisende auch am Samstag noch zu spüren bekommen.

An vielen  Check-in-Schaltern der Lufthansa herrschte am Freitag gähnende Leere. Viele Flüge der Kranich-Linie wurden wegen des Flugbegleiter-Streiks gestrichen. Daher kamen einige Reisende – wie am Hamburger Helmut-Schmidt-Airport – vergeblich zum Flughafen. Foto: AFP/Christof Stache, dpa/Bodo Marks/Silas Stein
An vielen Check-in-Schaltern der Lufthansa herrschte am Freitag gähnende Leere. Viele Flüge der Kranich-Linie wurden wegen des Flugbegleiter-Streiks gestrichen. Daher kamen einige Reisende – wie am Hamburger Helmut-Schmidt-Airport – vergeblich zum Flughafen. Foto: AFP/Christof Stache, dpa/Bodo Marks/Silas Stein

Frankfurt - Flugreisende müssen sich nach dem 48-Stunden-Streik bei Lufthansa auf weiteres Un­gemach einstellen. Einzelne Flüge könnten auch am ­Samstag noch ausfallen, weil sich Maschinen und Besatzungen nach dem Arbeitskampf am falschen Stand­ort befänden, teilte ein Airline-Sprecher am Freitag mit. Obendrein droht die Flugbegleiter­gewerkschaft Ufo für nächste Woche mit neuen Streiks, falls bei den Verhandlungen am Wochenende keine ­Vereinbarung über eine Schlichtung zustande kommen sollte.

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Bei einem Scheitern der Gespräche sei eine „massive Ausweitung“ der Streiks zu erwarten, sagte Ufo-Sprecher Nicoley Baublies nach einer Protestkundgebung vor der Lufthansa-Konzernzentrale in Frankfurt. Auch Flugbegleiter von Lufthan­sa-Töchtern wie Eurowings könnten dann in den Ausstand gehen.

Rund 500 Stewardessen und Stewards waren Freitagvormittag von einem Parkplatz in der Nähe des Flughafens vor den Unternehmenssitz gezogen, um ihrem Unmut Luft zu machen. Insgesamt beteiligten sich nach Einschätzung Baublies’ mehrere Tausend Flugbegleiter an dem zweitägigen Streik. Die Lufthansa sagte bis Freitagnachmittag rund 1500 Flüge ab, darunter 20 Verbindungen zwischen Stuttgart und Frankfurt. Zusätzlich fielen am Freitag auch zwei Lufthansa-Flüge zwischen Stuttgart und München aus, dies hatte nach Angaben einer Flughafensprecherin aber nichts mit dem Streik zu tun.

Weltweit waren 200 000 Passagiere betroffen. Lufthansa-Manager Klaus ­Froese bedauerte in einer kurzen Ansprache vor den streikenden Flugbegleitern, „dass wir es nicht geschafft haben, die Erwartungen von Tausenden unserer Gäste zu erfüllen“.

Gewerkschaft sieht die Schuld beim Management

Ufo machte für den Arbeitskampf den Lufthansa-Vorstand verantwortlich. Konzernchef Carsten Spohr hatte zwar noch für Mittwochabend zu einem Gespräch eingeladen, um den Streik abzuwenden. Da die Fluggesellschaft aber gleichzeitig vor dem Arbeitsgericht ein Eilverfahren gegen Ufo sowie deren Vorstandsmitglieder angestrengt hatte, sagten Letztere ihre Teilnahme an dem Treffen ab. Lufthansa hält den amtierenden Ufo-Vorstand nicht für vertretungsberechtigt und zweifelt deshalb an, ob die Gewerkschaft überhaupt Tarifverhandlungen führen darf.

„Hören Sie endlich auf, sich in unsere Angelegenheiten einzumischen“, appellierte die Ufo-Vorsitzende Sylvia De la Cruz an das Lufthansa-Management. Wenn die Verhandlungen am Wochenende keine „Kehrtwende“ brächten, „dann kommen wir wieder“, drohte sie auf der Protestkundgebung vor der Konzernzentrale. Ob es tatsächlich zu weiteren Streiks kommt, will die Gewerkschaft im Lichte der ­Verhandlungsergebnisse am Montag entscheiden.

Die Flugbegleiter wollen mehr Geld

Der stellvertretende Ufo-Vorsitzende Daniel Flohr bekräftigte die Forderung nach höheren Spesen für die Flugbegleiter. Selbst das Finanzamt habe die Sätze für Verpflegungspauschalen auf Dienstreisen erhöht, die Lufthansa aber seit zehn Jahren nicht, kritisierte Flohr. Zudem müsse die Bezahlung saisonaler Arbeitskräfte verbessert werden.

Erst im Oktober hatte nach einem Streikaufruf von Ufo ein Teil des Kabinenpersonals bei den Lufthansa-Töchtern Eurowings, Cityline, Germanwings und Sunexpress die Arbeit niedergelegt. Allein am Flughafen Stuttgart wurden damals 36 Starts und Landungen gestrichen, bundesweit waren die Auswirkungen aber geringer als beim jetzigen Streik. Das liegt einerseits daran, dass der Arbeitskampf der Lufthansa-Flugbegleiter die hauptsächlich von der Kranich-Airline bestrittenen Interkontinentalverbindungen ab Frankfurt und München trifft. Zum anderen ist bei der Kernmarke Lufthansa der Einfluss der Ufo besonders groß. Bei Eurowings gehören viele Flugbegleiter der konkurrierenden Gewerkschaft Verdi an. Baublies warf dem Konzernvorstand vor, er versuche, die verschiedenen Gewerkschaften gegeneinander auszuspielen.

Verdi kritisiert den von Ufo organisierten Streik und wirft der Berufsgewerkschaft vor, sich in einem Schlichtungsverfahren 2016 auf einen Kompromiss eingelassen zu haben, der für die Beschäftigten nachteilig ist. Der Vereinbarung 2016 war im Oktober 2015 ein einwöchiger Streik vorausgegangen, der längste in der Geschichte der Lufthansa.