Luftreinhaltung in Stuttgart-Mitte Filtersäulen für die Hohenheimer Straße

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Das Land will mit Filtersäulen an 21 Standorten die Stickstoffdioxidbelastung an der Hohenheimer Straße senken. Kritiker sehen einen Zusammenhang mit dem Streit um ein Verbot für Euro-5-Diesel.

Die kubusförmigen Filteranlagen sollen an 21 Standorten entlang der Hohenheimer Straße aufgestellt werden. Foto:  
Die kubusförmigen Filteranlagen sollen an 21 Standorten entlang der Hohenheimer Straße aufgestellt werden. Foto:  

Stuttgart-Mitte - Die Säulen der Ludwigsburger Firma Mann + Hummel sehen mit etwas Fantasie so aus, als wären sie aus den in den 80er-Jahren beliebten Zauberwürfeln zusammengesetzt. Doch um Spielerei geht es bei der Erfindung des Luftfilterherstellers nicht. Die bis zu vier Meter hohen und einen Meter breiten kubusförmigen Module werden für einen siebenstelligen Betrag von der Landesregierung finanziert und ab Herbst an 21 Standorten an beiden Seiten der Hohenheimer Straße installiert. Die Messstation für Schadstoffe an der Ecke Schickstraße und Hohenheimer Straße soll die Mitte einer 240 Meter langen Passage mit den Filtersäulen markieren.

Sie saugen laut Hersteller Luft an und leiten es durch einen Filter. Aktivkohle bindet dabei Stickstoffdioxid. Heraus kommt Luft, die 80 Prozent weniger Gehalt an dem Gas und Feinstaub aufweist. Die gereinigte Luft vermischt sich wieder mit der übrigen Luft. Die Firma Mann + Hummel erwartet an der Hohenheimer Straße insgesamt eine Reduktion an Stickstoffdioxid um zehn bis 30 Prozent.

Verbote entzweien Stadtgesellschaft

Stickstoffdioxid ist nicht nur ein Reizstoff, sondern in Stuttgart in diesem Jahr auch ein Reizwort. Die Diskussion um überschrittene Grenzwerte des Schadstoffs treibt die Stadtgesellschaft um. Ein Fahrverbot für dieselbetriebene Autos der Abgasnorm 4 gilt seit dem 1. April diesen Jahres. Es formierte sich dagegen eine Protestbewegung in gelben Westen. Der heutige CDU-Gemeinderat Ioannis Sakkaros fungierte als Sprecher bei Kundgebungen der Stuttgarter Gelbwesten. Er zog auf einer Liste der Diesel-Verbots-Gegner im Mai in den Gemeinderat.

Auch die Gerichte befassten sich immer wieder mit Fahrverboten und Stickstoffdioxidgrenzwerten. Das Land will ein jüngst vom Verwaltungsgericht Mannheim verhängtes Zwangsgeld in Höhe von 10 000 Euro mit einer sogenannten Vollstreckungsabwehrklage abwenden. Es geht dabei um das von den Richtern geforderte Verbot von Euro-5-Dieseln. Der grün-schwarzen Landesregierung zufolge ist ein Verbot dieser Fahrzeugkategorie angesichts sinkender Belastungen großräumig nicht mehr notwendig.

Land will Säulen an drei Standorten

Die geplanten Säulen an der Hohenheimer Straße spielen eine Rolle in den Erwägungen der Landesregierung. Nach einer ersten Installation am Neckartor Ende vergangenen Jahres soll im Herbst nun an der Hohenheimer Straße eine weitere folgen. Standorte sind aber auch die Pragstraße in Bad Cannstatt sowie die Weinsberger Straße in Heilbronn.

Patrick Löffel, Sprecher von Mann + Hummel, spricht dann auch von einer „Brückentechnologie“. Sie soll Schadstoffe in der Luft reduzieren, bis die übrigen von der Landesregierung getroffenen Maßnahmen für eine sauberere Luft greifen, erläutert er. „Der Betrieb der Filtersäulen ist erst einmal auf zwei Jahre angelegt. Wenn die Stickstoffbelastung bis dahin unter die Grenzwerte gesunken ist, wird das Land die Lage neu bewerten“, sagt Löffel.

Unternehmen verspricht leise Bauarbeiten

Ob die Säulen genügen, damit künftig die Grenzwerte an der Hohenheimer Straße eingehalten werden, lässt der Unternehmenssprecher offen. Die durch die Filtersäulen bewirkte Reduktion an Stickstoffdioxid entspräche einer Abnahme des Verkehrs um 40 Prozent. Die Säulen sollten wesentlich zur Einhaltung der Grenzwerte beitragen, verspricht er. „Ob dies gelingt, ist aber abhängig von der Höhe der Ausgangskonzentration und weiteren Maßnahmen zur Luftreinhaltung“, erklärt Löffel. Er verspricht den Anwohnern, dass die circa zwei Wochen dauernden Bauarbeiten an der Hohenheimer Straße die Anwohner so wenig wie möglich tangieren sollen. Die Säulen würden auf dem Gehweg aufgesetzt und nicht eingegraben, erklärt er. Außerdem seien die Module in Anthrazit gehalten, um sich dem Farbton der sie umgebenden Hausfassaden anzupassen, erklärt der Firmensprecher.

Peter Erben vom Verein FUSS e. V. und der Bürgerinitiave Neckartor hat an einer Bürgerversammlung zu den Filtersäulen teilgenommen. Die Aufstellung der Module sei im Zusammenhang mit dem Widerstand des Landes gegen ein Fahrverbot für Euro-5-Diesel zu sehen. „Das ist ein Zeichen an die Gerichte“, meint er. Er glaubt nicht, dass die Säulen Schadstoffe ausreichend reduzieren können. Außerdem machten die Geräte Lärm, versperrten den Gehweg und schadeten wegen ihrem Stromverbrauch der Umwelt. Sein Urteil klingt vernichtend. „Das ist nichts als Show“, meint er.

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