Luftreinhaltung in Stuttgart Die Talstraße hängt das Neckartor als Sorgenkind ab

Auf dem unteren Teil der Talstraße steht kurz vor der Kreuzung mit der Landhausstraße die Messstation. Foto: Elke/Elke Rutschmann
Auf dem unteren Teil der Talstraße steht kurz vor der Kreuzung mit der Landhausstraße die Messstation. Foto: Elke/Elke Rutschmann

Die Stadt stellt zwei mögliche Varianten vor, um Emissionen im Bereich Talstraße, Wagenburgstraße und Wagenburgtunnel zu reduzieren. Allerdings fallen Parkplätze weg, was nicht jedem gefällt.

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Stuttgart - Auf den ersten Blick sind die beiden Mess-Stationen in der Talstraße 43 und 47 kaum als solche zu erkennen, hängen sie doch an zwei Eisenmasten in rund 2,50 Meter Höhe, der sogenannten Atemzone, dort wo der Verkehr die Luftqualität unmittelbar beeinflusst. Es sind leider nach wie vor keine guten Werte, die von den beiden gemessen werden. Der Stickstoffdioxid-Mittelwert liegt dort immer noch bei 43 bis 49 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft und damit über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm. Zum Vergleich: Am Neckartor, das lange als schmutzigste Kreuzung Deutschlands galt, liegt der Wert mittlerweile nur noch bei 28 bis 35 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Die Talstraße bleibt also das Sorgenkind und war zum wiederholten Male auch Thema im Bezirksbeirat Ost.

Veränderte Busspur brachte bisher nicht viel

Vor allem der Bereich zwischen Talstraße-Wagenburgstraße und Wagenburgtunnel ist vom Durchfahrtsverkehr stark belastet. Die Stadt hat bislang schon einige Maßnahmen aus dem Luftreinhalteplan ergriffen, um die Werte zu senken: So wurde die in Richtung Stadt verlaufende Busspur in der Talstraße um etwa 80 Meter bis zur Tal-/Landhausstraße verlängert. Dadurch kann die Buslinie 45 besser und schneller passieren. Außerdem wurden bisher kritische Einfädelvorgänge des weiteren Verkehrs in diesem Gebiet verbessert. „Trotz dieser Maßnahmen hat sich die Luftqualität dort kaum verändert“, sagt Roland Wallisch vom Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung. Ziel sei es deshalb, den Verkehr in der Talstraße auf ein verträglicheres Maß zu reduzieren und gleichzeitig dem Radverkehr ein Angebot zu machen.

Bei einer Variante fallen 45 Parkplätze weg

Wallisch stellte dem Bezirksbeirat zwei möglich Varianten vor – mal mit einem und einmal mit zwei Fahrradwegen. Das erste Modell sieht Radstreifen in beiden Richtungen ohne Begrünung vor und auch für die Gehwege gäbe es keine Veränderung. Von aktuell 45 Parkplätzen würden allerdings nur fünf verbleiben. Modell zwei arbeitet mit einem Radstreifen nur bergauf. Bergab soll dafür auf der anderen Seite ein kombinierter Park-Baumstreifen entstehen mit zehn neuen Bäumen und verbleibenden 33 Parkplätzen. Angedacht ist auch, die Buslinie 45 von der Talstraße über die Landhausstraße an den Ostendplatz fahren zu lassen. Die Stadtplaner präferieren aktuell Variante zwei und auch die meisten Fraktionen im Bezirksbeirat könnten sich damit anfreunden, weil der enorme Wegfall von 40 Parkplätzen in Modell eins den Anwohnern nicht zuzumuten sei. Jörg Trüdinger (SPD) drängt jedoch auf eine schnelle Umsetzung. Man dürfe das Heft des Handelns nicht aus der Hand geben. „Sonst sind wir auf Dauer nur noch Getriebene des Regierungspräsidiums“, sagt Trüdinger. Für die CDU ist die Variante eins laut Bernhard Herp „völlig indiskutabel“ und auch mit dem anderen Modell habe man „Bauchschmerzen“. Für Ingrid Schwerdtfeger (Bündnis 90/Grüne) ist keines der Modelle weit genug entwickelt. Und dann gab sie Rainer Wallisch noch mit auf den Weg, dass endlich einmal das Thema Quartiersgarage von der Stadt angegangen werden muss. Eine Abstimmung fand nicht statt. Im Gemeinderat muss jetzt entschieden werden, ob das Projekt in den neuen Doppelhaushalt aufgenommen wird.




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