Luftschadstoffbelastung in Stuttgart-Vaihingen Schadstoffwerte wie am Neckartor

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Der Bezirksbeirat fordert Luftschadstoffmessungen in Stuttgart-Vaihingen. Die Stadt lehnt das allerdings ab. Man habe weder das Geld noch das Personal für zusätzliche Messstationen.

Nicht nur am Neckartor, sondern auch in Vaihingen ist die Luftschadstoffbelastung hoch, sagen die Bezirksbeiräte und fordern Messungen im Stadtbezirk. Foto: dpa
Nicht nur am Neckartor, sondern auch in Vaihingen ist die Luftschadstoffbelastung hoch, sagen die Bezirksbeiräte und fordern Messungen im Stadtbezirk. Foto: dpa

Vaihingen - Im April 2016 hat die Fraktion SÖS/Linke-plus im Bezirksbeirat einen Antrag gestellt, in dem sie die Stadt unter anderem aufforderte, Schadstoffmessungen in Stuttgart-Vaihingen durchzuführen. Nun, fast ein Jahr später, liegt die Antwort der Stadt vor. Derzeit sei es weder der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) noch dem städtischen Amt für Umweltschutz (AfU) möglich, Luftschadstoffmessungen in Vaihingen durchzuführen. „Weder sind das notwendige Equipment noch die finanziellen und personellen Ressourcen verfügbar“, heißt es in dem Antwortschreiben des Amts für Umweltschutz. Bis zu 100 000 Euro würde der Betrieb einer Messstation zur kontinuierlichen Messung der Feinstaub- und Stickoxidbelastung demnach kosten, Kalibrierung und Wartung der Stationen nicht eingerechnet.

„Der LUBW und dem AfU stehen aber Ergebnisse von Modellrechnungen zu den Belastungen der wichtigsten Luftschadstoffe für das gesamte Stadtgebiet zur Verfügung, auch in Stuttgart-Vaihingen, die eine Beurteilung der Belastungssituation erlauben“, schreibt die Stadt. Nach diesen Modellrechnungen seien in Vaihingen „keine sehr stark belasteten Orte bekannt, die zusätzliche Messungen begründen würden“.

An manchen Straßen werden die Grenzwerte überschritten

Es gibt allerdings Straßenabschnitte, die durchaus eine erhöhte Belastung aufweisen. So wurden im Jahr 2015 an Abschnitten der Hauptstraße und Möhringer Landstraße Stickstoffdioxid-Jahresmittelwerte von bis zu 65 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. An der Robert-Koch-Straße war es ein Stickstoffdioxid-Jahresmittelwert von bis zu 60 Mikrogramm pro Kubikmeter, an der Böblinger Straße ein Wert von bis zu 65 Mikrogramm pro Kubikmeter. „An diesen Straßen wird der Grenzwert für die Stickstoffdioxid-Jahresbelastung von maximal zulässigen 40 Mikrogramm pro Kubikmeter überschritten“, so das Umweltamt. Dafür werde aber der Grenzwert für die Stockstoffdioxid-Kurzzeitbelastung von maximal zulässigen 18 Stunden mit einer Belastung von mehr als 200 Mikrogramm pro Kubikmeter und Stunde im gesamten Stadtbezirk eingehalten.

Ebenso würden die Grenzwerte für die Feinstaublangzeit- und Feinstaubkurzzeitbelastung eingehalten. Diese liegen bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel für die Langzeitbelastung und maximal zulässigen 35 Tagen mit einer Feinstaubtagesbelastung von mehr als 50 Mikrogramm pro Kubikmeter für den Kurzzeitgrenzwert.

Bezirksbeiräte sind nicht zufrieden mit der Antwort der Stadt

„Die im Antrag erwähnte deutliche Verschlechterung der Belastungssituation in Stuttgart im Jahr 2015 können wir nicht bestätigen“, schreibt das Umweltamt. Im Gegenteil: „Die Auswertungen der Daten der LUBW-Messstationen zeigen eine deutliche Verbesserung der Belastungssituation hinsichtlich Feinstaubpartikeln und Stickstoffdioxid seit dem Jahr 2006 im gesamten Stadtgebiet.“ Dem Antwortschreiben angehängt sind Tabellen mit Messwerten der Stationen Am Neckartor, Hohenheimer Straße und Arnulf-Klett-Platz, die diese These unterstützen.

Die Bezirksbeiräte sind mit der Antwort der Stadt nicht zufrieden. „Wir erwarten mit diversen Bauprojekten mehr Verkehr in Vaihingen und sollten die Schadstoffbelastung erheben, noch bevor der Verkehrsstrukturplan erstellt wird“, sagte Gerhard Wick (SÖS/Linke-plus) in der jüngsten Sitzung. Die angegebenen Kosten für die Messstationen mit 100 000 Euro lägen „jenseits von gut und böse“, ergänzte Ulrich Bayer (CDU) und regte an, die Messungen im nächsten Doppelhaushalt zu beantragen.

Klaus Spieske (Grüne) merkte an, dass die Luftqualität in Stuttgart nicht so gut sei, wie die Zahlen behaupten. Er habe nach einer Internetanleitung selbst einen Feinstaubsensor zusammengebaut und auf seinem Balkon aufgestellt. „Letzte Woche hatte ich an der Heerstraße Feinstaubwerte wie am Neckartor“, sagte Spieske.

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