Luisa Smaxwil im Interview "Ein Krankenhaus ist eine eigene kleine Welt"

Von Theresa Schäfer 

Ein Stelldichein im Bereitschaftsraum und täglich ein medizinisches Wunder auf dem OP-Tisch - Krankenhausserien prägen die Vorstellung, die wir uns vom Arztberuf machen. Doch wie realistisch ist dieses Bild eigentlich? Wir haben eine Berufsanfängerin gefragt.

Ein Stelldichein im Bereitschaftsraum und täglich ein medizinisches Wunder auf dem OP-Tisch - Krankenhausserien wie Greys Anatomy (Foto) prägen die Vorstellung, die wir uns vom Arztberuf machen. Doch wie realistisch ist dieses Bild eigentlich? Foto: © ABC Studios
Ein Stelldichein im Bereitschaftsraum und täglich ein medizinisches Wunder auf dem OP-Tisch - Krankenhausserien wie "Grey's Anatomy" (Foto) prägen die Vorstellung, die wir uns vom Arztberuf machen. Doch wie realistisch ist dieses Bild eigentlich? Foto: © ABC Studios

Stuttgart - Ein Stelldichein im Bereitschaftsraum und täglich ein medizinisches Wunder auf dem OP-Tisch - Krankenhausserien prägen die Vorstellung, die wir uns vom Arztberuf machen. Bei „Grey’s Anatomy“ oder „Scrubs“ schauen wir Berufsanfängern bei der Arbeit zu. Doch wie realistisch ist dieses Bild eigentlich?

Dr. Luisa Smaxwil (29) aus Gerlingen hat ein Medizinstudium, Examen und Promotion hinter sich. Wir haben mit ihr über den Berufsalltag des medizinischen Nachwuchses im Krankenhaus gesprochen.

Arztserien wie „Grey’s Anatomy“ oder „Scrubs“ prägen das Bild, das sich viele von jungen Ärzten im Krankenhaus machen. Stimmt es mit der Realität überein?

Dr. Luisa Smaxwil (lacht): Nicht so ganz. Der medizinische Bereich ist zwar korrekt dargestellt, aber so ausgefallen sind die Fälle im Krankenhausalltag selten. Der Druck und der Stress, den die Berufsanfänger in diesen Serien haben, sind aber ziemlich real. Ein Krankenhaus ist eine eigene kleine Welt, man verbringt dort den Großteil seiner Zeit - für viele junge Ärzte werden die Kollegen fast zu einer Familie. Aber Schäferstündchen im Bereitschaftsraum? Das ist wohl eher Fiktion.

Und was ist mit der viel zitierten Hackordnung in Kliniken?

In Krankenhäusern geht es sicherlich hierarchischer zu als an vielen anderen Arbeitsplätzen. Man kann sich fachlich austauschen, aber grundsätzlich hat der Chefarzt das letzte Wort. Aber natürlich hängt das Arbeitsklima immer auch von einzelnen Persönlichkeiten ab.

Warum wollten Sie Ärztin werden?

Die Abläufe im menschlichen Körper haben mich schon immer interessiert. Nach dem Abitur habe ich ein Praktikum in einem Krankenhaus gemacht. Das hat mich darin bestärkt, dass Medizin das Richtige für mich sein könnte. Der Beruf ist sehr abwechslungsreich, man hat mit Menschen zu tun und sitzt nicht den ganzen Tag am Schreibtisch. Manchmal wird es hektisch und spannend. Ich mag das.

Sie haben in Ungarn mit dem Studium begonnen…

Genau. Auf Anhieb hätte ich den Numerus Clausus für ein Medizinstudium in Deutschland nicht erreicht. Ich hatte die Wahl, auf einen Studienplatz zu warten oder nach Budapest zu gehen. Dort gibt es schon seit 1983 an der Semmelweis-Universität einen deutschsprachigen Medizinstudiengang. Nach dem Physikum wechselte ich dann nach Tübingen.

Leichen sezieren - für viele der Albtraum schlechthin…

Wer damit nicht umgehen kann, wählt einen solchen Beruf nicht. Natürlich ist es am Anfang gewöhnungsbedürftig. Aber nach einer Weile gehört es zum Alltag. Außerdem ist es auch faszinierend, wie perfekt der menschliche Körper arbeitet.

Ein Medizinstudium ist hart. Wie hält man durch?

Die Zeit vor dem Physikum und das Physikum selber ist eine sehr anstrengende Zeit. Anatomie, Biochemie, Chemie, Physik, Biologie und Physiologie ist einfach auch eine Menge zum Auswendiglernen. Da hören einige auf. Das Physikum ist eine der größten Hürden, die man nehmen muss. Danach wird es praktischer, man lernt am Patienten und kann das Gelernte auch anwenden.