Lutz Ackermann in Gäufelden Im Künstlerschrein fehlt nur noch das Licht

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Die Galerie des Bildhauers Lutz Ackermann in Gäufelden ist fast fertig. Wer den Künstlerschrein betritt, stößt auch auf ein altes Fahrzeug, das aus einem Stein herauszuwachsen scheint. Es ist eine Oldtimer-Limousine der Marke Buick, Baujahr 1956.

Das Galeriehaus  besteht aus einstigen  Containerwänden, Skulpturen aus Schrott und  alten Brückenpfeilern. Foto: factum/Granville 3 Bilder
Das Galeriehaus besteht aus einstigen Containerwänden, Skulpturen aus Schrott und alten Brückenpfeilern. Foto: factum/Granville

Böblingen - Fünf riesige, rostige Stahlsäulen künden am Ortseingang vom monumentalen Schaffen des Künstlers. Dort, wo sich einst ein römischer mit einem alemannischen Handelsweg kreuzte. Heute befindet sich dort ein Kreisverkehr, der ­sogenannte Ackermann-Kreisel. Benannt nach dem Bildhauer, der in Gäufelden-Nebringen in seinem Skulpturengarten, der sich über etwa einen Hektar erstreckt, eine Kunstgalerie errichtet hat. Der 77 Jahre alte Künstler wollte sie in diesem Jahr einweihen. Sie ist fertig – bis auf die noch notwendige Elektrik. Damit das Gesamtkunstwerk illuminiert werden kann.

Tausende von Besuchern strömen inzwischen Jahr für Jahr auf das Gelände an der Bahnlinie bei Gäufelden mit dem ehemaligen Bahnwärterhaus, das die Familie Ackermann im Jahr 1972 erwarb. Acht Ar waren das damals, nach und nach kamen weitere Flächen dazu. Am Briefkasten mit der Klingel prangt das Logo von Lutz Ackermann: ein halber Käfer, der auf dem Rücken liegt. Es rührt von seiner Arbeit für die Aktion des Verbandes Bildender Künstler Baden-Württembergs her, der das Motto „Waldmalen“ ausgegeben hatte. Die Künstler sollten sich Gedanken über den Zustand des Waldes machen. Ackermann hatte es der Borkenkäfer angetan und der Kampf gegen den Schädling, der schon ganze Wälder absterben ließ.

Kunstwerk mit Plastikmüll

Nein, der Nebringer macht nicht Kunst um der Kunst willen. Seine teils gigantisch anmutenden Konstrukte haben eine umwelt- und gesellschaftspolitische Reichweite. Und sie bieten Reminiszenzen an die Kultur- und Wirtschaftsgeschichte. So deuten die fünf abgebrochenen Säulen in der Mitte des Kreisverkehrs auf feindliche Auseinandersetzungen der Vorfahren hin.

An einer Seite des neuen Galeriebaus, den er mit Containerwänden einstiger Asylbewerberunterkünfte geschaffen hat, setzt er zurzeit die Skulptur wieder instand, die 25 Jahre lang vor dem Restmüllheizkraftwerk im Böblinger Forst stand. In die beiden stilisierten Flügeln mit durchsichtigem Acryl war Wasser eingedrungen. In das Innere hat er Plastikmüll gestopft, darunter sind Kindertrompeten aus Kunststoff und alles Mögliche an Playmobil-Spielzeug. Wer Ackermann bei der Arbeit zuschauen oder einfach über die Aussagen des Künstlers nachdenken möchte, kann sich unter einem Haselnussbaum niederlassen. Um ihn herum baute Ackermann eine Bank aus Ulmenholz.

Tischbeine und die Tragfläche bestehen aus Eisengussgestellen

Daneben befindet sich das neue Gebäude mit einer überdimensional großen Eingangstüre, deren Pfeiler aus Resten einer Eisenbahnbrücke aus dem Jahr 1873 stammen. Gastlichkeit in dem zehn mal 20 Meter messenden Innenraum drückt ein riesiger Tisch aus. Er steht unter einem schrägen Industrieblechdach, etwa zehn Meter hoch. Zwei Eichenplatten hat Ackermann in der Mitte des Tisches mit einem etwa 500 Jahre alten Eichenbalken zusammengefügt, den er beim Abbruch eines Altstadthauses in Sindelfingen gefunden hat. Die Tischbeine und die Tragfläche bestehen aus Eisengussgestellen, die aus einer einstigen Maschinenfabrik stammen.

Wer den Künstlerschrein betritt, stößt auch auf ein altes Fahrzeug, das aus einem Stein herauszuwachsen scheint. Es ist eine Oldtimer-Limousine der Marke Buick, Baujahr 1956, die Ackermann selbst in seinen Skulpturengarten gefahren hat. Der einstige Besitzer wollte lediglich den fahrbaren Untersatz behalten. Das Chassis überließ er dem Künstler.

20.000 Euro fehlen noch bis zur Vollendung

Hier sollen Skulpturen Platz finden, die Ackermann nicht Wind und Wetter aussetzen möchte. Wie etwa eine Kugel aus Schaltplatten einstiger Automatikgetriebe der Firma Daimler. Oder auch zwei übereinandergelegte hölzerne Schlittenkufen, auf denen sich zwei metallene Köpfe befinden, aus deren Mündern Blasen quillen.

Hunderte von Stunden hat Ackermann damit verbracht, das Gebäude zu errichten und mit Kunstwerken auszustatten. 20.000 Euro, schätzt er, fehlen ihm noch bis zur Vollendung. Etwa zehnmal so viel hat ihn das Projekt bisher gekostet. „Ich möchte hier etwas schaffen, was mich überdauern wird“, erklärt Lutz Ackermann, der für den Skulpturengarten weitere Pläne hat. Auf einer Seite hat er ein großes Plateau freigelegt, vor das er eine Treppe bauen will. Es soll als eine Art Bühne dienen, auf der eines Tages Konzerte stattfinden können.




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