Lutz Siebrecht von den Stuttgarter Kickers Das Manager-Leben in der Corona-Krise

Von Jürgen Frey 

Für viele in der Sportbranche dreht sich während der Coronakrise das Rad nicht mehr so schnell wie früher. Bei Lutz Siebrecht, dem Sportlichen Leiter von Fußball-Oberligist Stuttgarter Kickers, ist das nicht der Fall. Ein Einblick in seine Arbeit.

Schwierige Zeiten mit vielen Fragezeichen – auch für die Stuttgarter Kickers. Doch der Sportliche Leiter  Lutz Siebrecht bleibt optimistisch. Foto: Baumann 9 Bilder
Schwierige Zeiten mit vielen Fragezeichen – auch für die Stuttgarter Kickers. Doch der Sportliche Leiter Lutz Siebrecht bleibt optimistisch. Foto: Baumann

Stuttgart - In Zeiten, wenn der Ball rollt, lässt sich Lutz Siebrecht kaum eine Trainingseinheit im ADM-Sportpark entgehen. Es ist ihm wichtig, die Arbeit auf dem Platz zu sehen, ein Gefühl dafür zu bekommen, wie jeder einzelne Spieler sich präsentiert. Derzeit ist das nicht möglich. Deshalb ist der Sportliche Leiter der Stuttgarter Kickers auch nicht so häufig vor Ort in Degerloch wie zu Trainingszeiten. Doch langweilig wird dem 52-Jährigen deshalb nicht. Er führt täglich zahlreiche Telefonate. Mit der Vereinsführung, mit dem Trainerteam, mit Beratern, mit der Mannschaft, Er erkundigt sich nach den Sorgen und Nöten der Spieler, bittet um Rückmeldungen auf die individuellen Trainingspläne, fragt nach Verbesserungsvorschlägen.

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Das alles macht er ab dem späten Vormittag. Um 1.30 Uhr klingelt derzeit der Wecker zuhause in Bad Überkingen. Ab 3 Uhr steht er bereits in seiner Firma für Obst, Gemüse und Import von Südfrüchten auf dem Stuttgarter Großmarkt auf der Matte. Früher als sonst. „Es gibt derzeit eher mehr zu tun, als in normalen Zeiten“, begründet Siebrecht. „Der Bedarf nach Zitrusfrüchten ist für diese Jahreszeit überproportional hoch, da die Vitamine eben auch gut fürs Immunsystem sind. Normalerweise werden jetzt eher Beeren nachgefragt.“ Der Job hält Siebrecht auch körperlich fit. Auf dem Weg zu Kunden, zum Be- und Entladen und ins Lager legt er am Tag acht bis zehn Kilometer zu Fuß zurück. Kein Wunder, dass er sich meistens ein kurzes Mittagsschläfchen gönnt, eher er sich für die Kickers ins Zeug legt.

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Auf Kommunikation legt Siebrecht großen Wert. So pflegt er auch zum Funktionsteam der Blauen einen engen Kontakt. Zeugwart Dieter Kerschbaum muss sich derzeit zwar nicht um die Wäsche kümmern, dafür hat er den Kabinentrakt neu gestrichen. Platzwart Falk Hartmann pflegt die Plätze bis hin zum letzten Grashalm. „Die beiden Jungs sind sehr aktiv“, freut sich Siebrecht. Genauso wie Geschäftsführer Marc-Nicolai Pfeifer, der die wirtschaftlichen Themen beackert – zumeist im Homeoffice. Geschäftsstellenleiter Kim Stehle hält mit einem Mitarbeiter und zwei Praktikanten in der Geschäftsstelle im ADM-Sportpark die Stellung. „Wir sind auch im administrativen Bereich sehr fleißig und ideenreich“, lobt Siebrecht die Kollegen.

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Was die Arbeit für die Kickers betrifft, kann auch Siebrecht derzeit viel von zu Hause aus erledigen, ehe er zwischen 20 und 21 Uhr ins Bett geht. „Bei sämtlichen Vereinen liegt derzeit vieles auf Eis, aber meine Gedanken kreisen um die Planung unseres künftigen Kaders. Wo müssen wir besser werden? Auf welchen Positionen sollten wir uns verstärken?“, sagt der ehemalige Profi. Die Ligazugehörigkeit ist aktuell völlig offen. „Doch Planungssicherheit hätten wir auch nicht, wenn der Spielbetrieb derzeit laufen würde“, entgegnet Siebrecht.

Zusammenhalt ist da

Hinzu kommen die Fragezeichen um die finanzielle Situation. Der gebürtige Geislinger ist überzeugt davon, dass die Blauen aus der Coronakrise mit einem blauen Auge davonkommen werden. Natürlich ist die Lage angespannt. Aber das sei sie überall, meint Siebrecht. Alle Vereine hätten derzeit zu kämpfen, dass es kaum Einnahmen, aber weiterhin laufende Kosten gibt. „Wir werden das aber überstehen, weil die Kickers gerade in dieser schwierigen Phase eindrucksvoll zeigen, dass sie eine Familie sind“, betont Siebrecht.

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Alle Spieler, Trainer und Mitarbeiten verzichten auf Teile ihres Gehalts – natürlich auch Siebrecht selbst. „Alle halten zusammen. Besonders freut mich, dass sich in dieser schweren Zeit Leute zu den Stuttgarter Kickers bekennen – durch Verlängerung der Sponsorenverträge, durch persönliche Mitgliedschaften, Spenden oder den Erwerb von Geistertickets. Diese große Solidarität, die Loyalität zum Verein macht mich stolz.“ Und bestätigt ihn in seiner Entscheidung, vergangenen Sommer den Job bei den Kickers angetreten zu haben.

In unserer Bildergalerie zeigen wir Fotos von Lutz Siebrecht als Sportlicher Leiter und aus seiner aktiven Zeit.