Luxusgüter in Gaza Schmuggel könnte auch Hamas dienen

Hier Hungersnot, dort Diamanten? Die Gegensätze im Gazastreifen sind massiv. Foto: AFP/Bashar Taleb

Smartphones, Pralinen, Autos: Die Berichte über Schmuggel in Gaza reißen nicht ab. Ein Verwandter des Geheimdienstchefs hat sich wohl auch bereichert.

Stolz hält der Mann ein brandneues Mobiltelefon in die Kamera: ein goldenes iPhone 17 Pro Max, „mit Diamanten besetzt“, wie der Mann behauptet, „zum ersten Mal im Gazastreifen“. Das kurze Video, vielfach in den sozialen Medien geteilt, ist vom Ende vergangenen Jahres, doch die Berichte über Luxusgüter in Gaza reißen seitdem nicht ab: Auch etablierte Medien wie die Nachrichtenagentur Reuters berichteten über teure Mobiltelefone, erlesene Pralinen und luxuriöse Autos, die seit Beginn des Waffenstillstands im Oktober den Weg in den zerstörten Gazastreifen finden.

 

Es scheint paradox: Auf der einen Seite klagen humanitäre Organisationen wie UNICEF oder Ärzte Ohne Grenzen, dass in weiten Teilen des Gazastreifens noch immer ein Mangel an grundlegenden Gütern wie Lebensmittel und Medikamenten herrsche. Zugleich legen Berichte, Fotos und Videos nahe, dass Luxusgüter in Gaza kursieren – und zumindest ein kleiner Teil der Bevölkerung sich diese Importe auch leisten kann.

Waren wohl auch an Hamas geliefert

Unter israelischen Sicherheitsexperten gilt der Schmuggel als Risiko für Israels Sicherheit: Der illegale Warenverkehr, heißt es, könne dazu beitragen, die Hamas in jenem Teil des Gazastreifens, den sie derzeit kontrolliert, ihre Macht festige. Denn ein Teil der geschmuggelten Waren wird offenbar direkt an die Terrororganisation geliefert – die sich anschließend am Verkauf der Güter bereichert. Zudem besteht der Verdacht, dass auch militärische Ausrüstung geschmuggelt wird, die die Hamas für den Kampf gegen Israel einsetzen könnte.

Doch es scheint israelische Staatsbürger zu geben, die sich eher für schnelles Geld interessieren als die Warnungen der Experten. Israels Armee geht Berichten zufolge davon aus, dass Subunternehmer des israelischen Verteidigungsministeriums, LKW-Fahrer, Bauarbeiter und sogar Soldaten von dem illegalen Handel profitieren.

Wer genau der Verwandte ist, bleibt vorerst geheim

Besonders brisant: Laut israelischen Medien wurde ausgerechnet ein naher Verwandter des Inlandsgeheimdienstchefs David Zini wegen Verdacht auf Schmuggel festgenommen. Der Inlandsgeheimdienst Shin Bet ist für Terrorbekämpfung unter anderem im Gazastreifen zuständig; andere Israelis, die wegen mutmaßlicher Beteiligung am Schmuggel verhaftet wurden, werden deshalb von Shin-Bet-Agenten verhört. Um einen potenziellen Interessenskonflikt zu vermeiden, wird der Verwandte Zinis dagegen von der Polizei befragt.

In den Berichten ist von einem ganzen Netzwerk die Rede, das Waren im Wert von mehreren Hunderttausend Schekel in den Gazastreifen schmuggelte. Der Verwandte Zinis wurde demnach zusammen mit zwölf weiteren Verdächtigen schon vor zwei Wochen festgenommen; anfangs galt jedoch eine Nachrichtensperre, die auf Klage der Zeitung Haaretz hin nun von dem zuständigen Amtsgericht aufgehoben wurde. Dem Verwandten Zinis wird vorgeworfen, seine militärische Position ausgenutzt zu haben, um Waren in den Gazastreifen zu schmuggeln, deren Einfuhr Israel verboten hat. Die Identität Mannes ist weiterhin unter Verschluss.

Forderungen nach Rücktritt von Zini

Dabei hatte ausgerechnet Zini selbst Berichten zufolge während einer Kabinettssitzung erst vergangene Woche gewarnt, der Schmuggel in den Gazastreifen sei ein „ernstes Problem“. Um diesen zu unterbinden, soll er anschließend schärfere Sicherheitsmaßnahmen gefordert haben.

Die Ernennung David Zinis zum Shin-Bet-Chef im vergangenen Herbst war von Anfang an umstritten: Er hat eine lange Militärkarriere hinter sich, diente zuletzt als Generalmajor, kannte den Shin Bet bis zu seiner Ernennung aber nur von außen. Zudem gilt er als ideologischer Hardliner mit Verbindungen ins nationalreligiöse Siedlermilieu.

Nun wird öffentlich über einen möglichen Rücktritt Zinis diskutiert, da die Vorwürfe gegen seinen Verwandten ihn in einen Interessenkonflikt bringen könnten. Zini selbst hat sich zu der Angelegenheit bislang nicht öffentlich geäußert. Sein Vater allerdings, Yosef Zini, hat in einer Pressemitteilung erklärt, was er von den Ermittlungen hält: Diese, behauptete er, seien nichts als „eine Intrige, die darauf abziele, ihm und seiner Familie zu schaden“.

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