Es klingt wie eine Szene aus einem Horrorfilm, was eine 34-jährige Böblingerin am Tag vor Heiligabend erlebt hat. Nachdem ein Mann wiederholt an ihre und die Privatadresse ihres Freundes gefahren sein und sie dort bedroht haben soll, wollten die beiden im Beisein eines weiteren Freundes den Mann am Montagmittag gegen 13.45 Uhr in Altdorf zur Rede stellen und nach seinem Motiv für die ungebetenen Besuche fragen.
Doch statt eines konstruktiven Dialogs schaut die 34-Jährige plötzlich auf die zentimeterlange Klinge eines großen Messers – einer Machete, wie die Frau gegenüber unserer Zeitung erklärt: „Der Mann ging auf einmal auf uns los. Während ich weglief, rief ich die Polizei.“ Erst als der mutmaßliche Täter einen seiner Badeschlappen verloren habe und Nachbarn auf die eskalierende Situation aufmerksam wurden und intervenierten, konnte der Altdorfer gestoppt werden. „Es lagen vielleicht noch zwei Meter zwischen uns“, schildert die Böblingerin.
Kein Motiv des Mannes erkennbar
Der mutmaßliche Täter – ein ehemaliger Arbeitskollege ihres Freundes – sei „nicht mehr ansprechbar“ gewesen, wie die 34-jährige Böblingerin sagt: „Wir wissen nicht, welches Problem er mit uns haben könnte. Es ist uns völlig unerklärlich. Am Montag schien er in einem psychischem Ausnahmezustand.“ Das Polizeipräsidium Ludwigsburg bestätigt den Vorfall auf Anfrage: „Wir wurden am 23. Dezember um 13.47 Uhr per Notruf in die Laienstraße nach Altdorf gerufen. Die Anruferin teilte mit, dass sie mit einem großen Messer angegriffen werde.“
Mit fünf bis acht Streifenwagen mit je zwei Beamten pro Fahrzeug fuhr die Polizei nach Altdorf. Den Eindruck der Geschädigten, die Polizei habe erst nach 30 Minuten aktiv eingegriffen, obwohl sie bereits vor Ort war, kann der Polizeipressesprecher nicht bestätigen: „Die erste Streife erreichte den Notfallort zehn Minuten, die zweite zwölf Minuten nach dem Anruf.“ Hinsichtlich der Beobachtung der 34-Jährigen, wonach die Polizei mit dem mutmaßlichen Täter am Telefon sprach, sagt der Polizeisprecher: „Es ist richtig, dass wir telefonisch kommunizierten, um deeskalierend einzuwirken.“
Der Tatverdächtige wurde in eine psychiatrische Klinik verbracht
Diese Taktik funktionierte offenbar, denn wie die Polizei erklärt, habe sich der Altdorfer „widerstandslos vorläufig festnehmen lassen“ für weitere polizeiliche Maßnahmen. Weiter sagt die Polizei: „Der Mann war sicher in einer psychischen Ausnahmelage. Er ist nach Prüfung der diensthabenden Ärzte einer psychiatrischen Einrichtung an jenem Montag dort behalten worden. Der zuständige Polizeiposten in Holzgerlingen wird die Ermittlungen führen und bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart anbringen.“
Ob der Mann nach seinem mutmaßlichen Macheten-Angriff mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist oder weiterhin psychiatrisch untergebracht ist, konnte die Polizei Stand Freitagnachmittag nicht sagen. Die Geschädigte jedenfalls fürchtet einen neuen Besuch: „Er kennt mein Auto und unsere Adresse. Ich hoffe, es wird nun etwas getan.“