Machtkampf beim VfB Stuttgart Hoch brisantes Statement – Claus Vogt lädt nicht zur Mitgliederversammlung im März

Claus Vogt will erneut für das Amt des VfB-Präsidenten kandidieren. Foto: Baumann
Claus Vogt will erneut für das Amt des VfB-Präsidenten kandidieren. Foto: Baumann

Seit seiner Antwort auf die massive Kritik von Thomas Hitzlsperger an seiner Amtsführung hat Claus Vogt sich bedeckt gehalten. Nun prescht der Präsident des VfB Stuttgart vor – mit einem hoch brisanten Statement.

Stuttgart - Am Silvestertag hatte man zuletzt Ausführliches von Claus Vogt zu lesen bekommen. Der Präsident hatte damals in einem vierseitigen Statement auf die massive Kritik von Thomas Hitzlsperger geantwortet. Der Vorstandsvorsitzende der VfB Stuttgart AG hatte am Tag zuvor dem Präsidenten des VfB Stuttgart e.V. (der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der AG ist) die Eignung für das Amt des Vereinsbosses abgesprochen und war ihn in einem offenen Brief massiv angegangen. Seitdem tobt der Führungsstreit beim VfB, in dem die nach wie vor nicht abgeschlossene Aufklärung der Datenaffäre eine zentrale Rolle spielt.

Außer einem knappen Posting auf Twitter nach einem ersten Gespräch der Kontrahenten am 2. Januar war, wie gesagt, von Vogt nichts mehr zu hören gewesen in der Öffentlichkeit. Das hat sich nun geändert – und zwar ganz gewaltig.

Zentraler Punkt des Schreibens, das der Präsident am Mittwochvormittag auf der Homepage des VfB veröffentlichte: Er will die Mitgliederversammlung verschieben. Eigentlich sollte diese am 18. März 2021, vermutlich als rein digitale Variante, über die Bühne gehen. Auf dieser Versammlung soll unter anderem der Präsident für die kommenden vier Jahre gewählt werden. Vogt strebt diesen Posten erneut an, doch auch Thomas Hitzlsperger hatte seine Bewerbung eingereicht. Nun sagt Vogt: „Es bestehen berechtigte Interessen der Mitglieder, dass die Versammlung weder in der beabsichtigten Form als rein digitale Veranstaltung, noch zu dem beabsichtigten Termin bereits am 18.03.2021 stattfindet.“

Gegen den Willen der Präsidiumskollegen

Was Vogt auch betont: Er trifft diese Entscheidung gegen den Willen seiner Kollegen im Vereinspräsidium, Bernd Gaiser und Rainer Mutschler. Er müsse „hier aber meine Verantwortung als Präsident und meine Aufgabe nach unserer Satzung im Sinne der Vereinsinteressen wahrnehmen und kann deren Interessenlagen dabei nicht berücksichtigen“. Damit scheint eine weitere Eskalationsstufe im Führungsstreit erreicht.

Vogt setzt mit der Verschiebung auf die Möglichkeit einer Präsenz-Veranstaltung und verweist auf die aus seiner Sicht nur dann bestehenden Möglichkeiten zur Diskussion und Einordnung der zu wählenden Personen. Er bringt den Termin am 5. September ins Spiel, dann würde die nachzuholende Mitgliederversammlung 2020 mit der regulären von 2021 zusammenfallen. Brisant: Dann würden an einem Tag nicht nur der Vereinspräsident gewählt, sondern auch die Mitglieder des Vereinsbeirats und des übrigen Präsidiums. Andere Clubs, argumentiert Vogt, hätten auch auf rein digitale Versammlungen verzichtet.

Vogt beklagt in seinem Schreiben, innerhalb des Präsidiums und des Vereinsbeirats sei er mit seinen Argumenten auf weitestgehend taube Ohren gestoßen. „Ich musste jedoch feststellen, dass es ein sehr weitgehendes Desinteresse gab, überhaupt eine Diskussion der sehr guten Argumente gegen eine digitale Ausrichtung der Mitgliederversammlung aufzunehmen“, schreibt er. Stattdessen, so stellt es der Clubchef dar, sollte er sich festlegen auf den 18. März. Was er verweigert hat und weiter verweigert. Obwohl man ihm eine Deadline gesetzt habe, den 27. Januar, um 13.30 Uhr.

Keine Einberufung der Versammlung durch den Clubchef

Claus Vogt stellt klar: „Meine Person, als Präsident des VfB Stuttgart 1893 e.V., wird im Interesse des Vereins und seiner Mitglieder die zur Durchführung der digitalen Mitgliederversammlung förmlich notwendige Einberufung zum 18.03.2021 nicht vornehmen.“

Vogt verweist zudem auf die noch nicht angeschlossenen Untersuchungen rund um die Datenaffäre – und auf einen Zwischenbericht, der besage, „dass die Überprüfung durch die Esecon-Gruppe sowohl in unserem Verein als auch in unserer Tochtergesellschaft nicht von allen angesprochenen Personen konsequent und schnellstmöglich unterstützt worden sind“.

Ein Auftrag zur rechtlichen Bewertung des für Anfang Februar erwarteten Abschlussberichts sei nach wie vor nicht vergeben worden. Vogt favorisiert die Esecon-Anwälte, eine Einigung darüber sei aber bislang nicht möglich gewesen. Eine Bewertung bis zum 18. März stehe daher infrage. Zudem werde sich auch der Landesdatenschutzbeauftragte noch äußern – eventuell mit dann notwendigen personellen Konsequenzen in AG und/oder Verein.

Der Präsident berichtet vom Druck auf seine Person

Zudem solle auch die Daimler AG als Gesellschafter die Möglichkeit zur Bewertung der Ergebnisse – und zum Abgleich mit eigenen Richtlinien in diesem Zusammenhang – haben.

Am Ende seines Schreibens berichtet Vogt vom „Druck, den viele – ausdrücklich nicht alle – Mitglieder unserer Gremien auf mich als Präsidenten zur Einberufung ausgeübt haben“. Einen solchen erwartet er weiterhin, auch Drohungen zu Schadenersatzforderungen. Dazu sagt er: „Die wirtschaftlichen Folgen einer unsorgfältigen, intransparenten Aufklärungsarbeit und einer übereilten Bewertung dürften unserem Verein und der VfB AG weit teurer zu stehen kommen, als die Absage eines Druckauftrages für das Mitgliedermagazin. Abgesehen davon erspart die Durchführung nur einer Mitgliederversammlung im Jahr per se erhebliche Kosten.“




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