Machtprobe am Golf Gesichtsverlust für Trump
Der Angriff auf saudisches Öl zeigt: Die Iran-Politik der USA ist völlig gescheitert, kommentiert Dieter Fuchs.
Der Angriff auf saudisches Öl zeigt: Die Iran-Politik der USA ist völlig gescheitert, kommentiert Dieter Fuchs.
Stuttgart - Wer Donald Trumps Tweets verfolgt, kann sich derzeit nur wundern. Der US-Präsident liebt starke Worte und schnelle Urteile. Doch auch mehr als 36 Stunden nach dem massiven Angriff auf einen seiner wichtigsten Verbündeten, Saudi-Arabien, vermeidet Trump sämtliche öffentliche Festlegungen. Entweder jemenitische oder iranische Kräfte haben das Herz der saudischen Ölindustrie bombardiert. Offenkundig braucht die Führung der USA Zeit, um diesen Schock zu verdauen. Womöglich hat sie erkannt, dass ihre Strategie des maximalen Drucks auf den Iran, um ihn in die Knie zu zwingen, ohne Krieg zu riskieren, gescheitert ist.
Der US-Präsident hat als sein wichtigstes außenpolitisches Ziel von Anfang an vorgegeben, den Iran in seine Schranken zu weisen. Die Mullahs sollten ein für alle mal daran gehindert werden, eine Atombombe zu bauen und als politischer Akteur die Interessen der USA zu unterlaufen. Mit massiven wirtschaftlichen Sanktionen und militärischen Drohungen sollte Teheran seine Handlungsfähigkeit verlieren. Doch die Rechnung ging nicht auf. Womöglich ahnte Donald Trump schon vor drei Wochen, dass er auf dem Holzweg war, als er ein Treffen mit dem iranischen Präsidenten in Aussicht stellte. Doch diese Volte ohne Vorbedingungen, ohne Sondierung, war sein zweiter Fehler. Und mit der Personalie Bolton sollte ein dritter folgen.
Zwar leidet der Iran enorm unter den Sanktionen. Seine Wirtschaft liegt weitgehend am Boden. Er ist aber offenkundig immer noch in der Lage, sein Atomprogramm wieder auszuweiten, selbst militärisch zu agieren und seine Verbündeten gegen das US-Lager in Stellung zu bringen. Jüngstes Beispiel ist der Angriff auf die Erdölanlagen in Saudi-Arabien.
Die militärischen Drohungen der USA waren nie besonders glaubhaft. Erstens, weil Trump seinen Anhängern weniger, nicht mehr Krieg versprochen hat. Und zweitens, weil der Iran mit kleinen militärischen Attacken die Entschlossenheit der USA getestet hat – und Washington zögerlich reagierte. Als Trump sich schließlich bereit erklärte, Irans Präsidenten ohne Vorbedingungen zu treffen – ein überraschendes Entgegenkommen –, wurde wahrscheinlich, dass für ihn die militärische Option vom Tisch war. Noch klarer zeigte sich dies, als er seinen Sicherheitsberater John Bolton vor sechs Tagen entließ. Bolton, der seit Jahren für eine Bombardierung Irans eintritt, stand für die Glaubwürdigkeit der militärischen Drohung. Sein Abgang hat Teheran offenbar dazu ermutigt, die USA herauszufordern.
Es macht in seiner Wirkung keinen Unterschied, ob nun jemenitische Verbündete oder der Iran selbst hinter der Attacke stecken. Die USA sind politisch und militärisch blamiert – und, noch schlimmer, der starke Mann Saudi-Arabiens, Mohammed bin Salman, Kronprinz und amtierender Verteidigungsminister, steht mit heruntergelassenen Hosen da. Der Iran hat, nicht zum ersten Mal, aber so massiv wie nie, gezeigt, dass er mit einfachen militärischen Mitteln sowohl die Erdölversorgung der Welt als auch die Weltwirtschaft selbst empfindlich stören kann – und dass im Falle eines umfassenden Angriffs auf sein Territorium der benachbarte Rivale Saudi-Arabien höchst verwundbar ist.
Doch wahrscheinlich haben die Mullahs damit den Bogen überspannt. Dass Teheran am Montag von sich aus das Treffen mit Trump abgesagt hat, setzt dem Ganzen die Krone auf. Doch die geradezu pubertäre Demonstration der Kraft wird Konsequenzen haben. Saudi-Arabien und die USA müssen eigentlich militärisch reagieren, um ihre sicherheitspolitische Autorität zu retten. Und wer sein Gesicht verliert, neigt zu einer überschäumenden Reaktion. Der Krieg rückt näher.