Maeckes im Wizemann Ein Orson alleine und seine Gitarre

Flotter Anzug, kesse Lippe: Maeckes im Wizemann Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Der Rapper Maeckes kann es auch solo: so zeigt er’s bei seinem Gastspiel im bestuhlten kleinen Raum des Wizemann.

Stuttgart - Niemand kann Maeckes vorwerfen, er habe keinen Respekt vor der Gitarre. Ehe der 37-jährige selber nach dem Instrument greift, stellt er einen echten Könner vor, einen der vorführt, wie sie klingen kann, wenn sie perfekt gespielt wird. Jonas Khalil heißt er, klassisch ausgebildet, aktiv im Duo oder am Staatstheater, aus Stuttgart wie Maeckes und ebenso alt wie er. Khalil spielt unter anderem eine Hommage an Philip Glass, aus eigener Feder, und der kleine Saal des Wizemann lauscht. Dann kommt Maeckes und bringt eine ganz andere Art von Minimalismus auf die Bühne.

 

Populäre Anti-Kunst

Maeckes heißt eigentlich Markus Winter und ist Teil der Hip-Hop-Gruppe Die Orsons. Die Orsons haben ein neues Album veröffentlicht, wollen wieder auf Tour gehen – zuvor jedoch lässt Maeckes die Reihe seiner Gitarrenkonzerte wiederaufleben. Als wahrer Nicht-Könner mit der Akustischen unterhielt er zuletzt vor vier Jahren, damals zum Beispiel im großen Saal des Theaterhauses. Am Donnerstag freut er sich sehr darüber, dass sein Comeback-Konzert als begnadeter Dilettant in Stuttgart blitzschnell ausverkauft war; auch für seinen folgenden Auftritt am Freitag in München gab es längst keine Karten mehr.

Maeckes’ smarte Anti-Kunst ist also populär; die Orsons sind es auch – und immer dann, wenn Maeckes an diesem Abend doch einen Beat einspielt, springen im bestuhlten Saal einige Zuschauer auf und steigen ein. Erst trägt er noch sehr weite Kleider, eine Basecap auf dem Kopf, hockt, listig nickend – aber bald schon schält er sich aus dieser Kluft, steht da, im kunterbunten Anzug, zupft sich noch das Beinkleid zurecht und hat sich verwandelt – vom grauen Reimer in den schillernden Entertainer, dem der Schalk in den Mundwinkeln sitzt, absurd, ironisch, manchmal reichlich böse und immer gut gelaunt.

Maeckes beginnt sein Konzert mit einem nachdenklich tristen Liebeskummermonolog, gewidmet einer Person, die er einst im Publikum erblickte, in Stuttgart, denkt an die „kleinen dummen, sich um mich selbst drehenden Lieder“, die er damals sang – „Jetzt bin ich umgeben von Leid und Tod.“ Dann schaltet er seinen Laptop ein, Stephan Remmler raunt im Sample „Ja Ja Ja“. Und schließlich verknüpft Maeckes wunderbar ungeschickt seine beiden Lieblingslieder („Hallelujah“ von Leonard Cohen und „Bamboléo“ von den Gypsy Kings.

Alle haben dazugelernt

So ist Maeckes’ Gitarrenkunst wirklich: eine Handvoll Akkorde, ein leises Klimpern, das vielleicht sogar an einem Lagerfeuer untergehen würde, ein halber Tanz auf der tiefsten Saite. Dazu die verrückten Monologe, die Stimme, die mal Unsinn singt, mal rotzig drauflosrappt: „Donald Trump putzt sich auch die Zähne und wischt sich den Arsch mit der Hand.“

Maeckes pfeift fröhlich auf Könnertum und Kohärenz, lässt sich von der Stimme seiner Künstlichen Intelligenz widerwillig in kommerzielleres Fahrwasser drängen, findet aber immer wieder zurück zum Wildwuchs seiner anarchischen Performance. So sehr er mit seiner Inkompetenz als Gitarrist kokettiert – ein wenig gelernt hat er doch in den letzten Jahren, das Fingerpicking zum meistgeklickten Song der Orsons zum Beispiel. Er singt ihn, spielt ihn – und findet im Publikum prompt eine junge Frau, die das ebenso gut kann wie er. Andere Fans beherrschen die Parts von Bartek, Tua und Kaas, kommen auf die Bühne, rappen was, die Orsons sind komplett – Maeckes schaut zu und freut sich.

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