Die pädagogisch-therapeutische Wohngruppe für Mädchen mit Suchtproblemen braucht mehr Platz.

Zuffenhausen - Seit Juli 2001 nutzt die Wohngruppe Jella ein Haus an der Vandalenstraße, um dort Mädchen mit Suchtproblemen pädagogisch und therapeutisch zu betreuen. Es ist die einzige derartige Einrichtung in Deutschland. Kein Wunder also, dass die Plätze sehr begehrt sind. Allerdings gibt es nur sechs Einzelzimmer für Mädchen. Die Raumnot ist der Hauptgrund dafür, dass nun ein größeres Gebäude gesucht wird. Dort soll Platz für mindestens zehn Mädchenzimmer sein.

„Wir möchten gerne im Stuttgarter Norden bleiben“, sagt Heidrun Neuwirth, die die Wohngruppe seit Juli 2001 leitet. Am liebsten wäre ihr auch künftig ein Standort in Zuffenhausen, aber auch Feuerbach käme in Frage. In den nördlichen Bezirken, das betont die Diplom-Pädagogin, sei Jella gut vernetzt. Grundsätzlich fuße das Konzept auf dem Standort Stuttgart: „Wir wollen keine Suchttherapie auf der grünen Wiese.“

Zuhause für Mädchen mit Suchtproblemen

Bei Jella wohnen Mädchen und junge Frauen mit Alkohol- und Drogenproblemen im Alter zwischen 14 und 21 Jahren – und zwar auf freiwilliger Basis. Wer dort einzieht, muss clean sein, also eine Entgiftung erfolgreich mitgemacht haben. Rund um die Uhr ist mindestens eine Betreuerin im Haus. Wie lange jemand bei Jella bleibt, ist offiziell nicht vorgeschrieben. Normalerweise liegt die Verweildauer bei circa einem Jahr. Was danach kommt, steht meistens in den Sternen. Auch das ist ein Grund dafür, dass ein neues Haus gesucht wird: Dort möchte man zwei bis drei sogenannte Verselbständigungsplätze anbieten. Das sind Zimmer, in denen die Mädchen zwar wohnen, aber nicht mehr rund um die Uhr betreut werden.

„Inhaltlich hat sich Jella seit 2001 entwickelt“, sagt Neuwirth. Standen anfangs die Suchtprobleme der Bewohnerinnen klar im Vordergrund, so würden seit einigen Jahren auch sogenannte Traumafolgestörungen wie beispielsweise Depressionen oder der Hang zu Selbstverletzungen therapeutisch behandelt. „Neun von zehn der Mädchen haben traumatische Erfahrungen“, sagt Neuwirth.

An der Zahl der Plätze hat sich seit 2001 nichts geändert, an der Fassade des Hauses leider auch nicht. Die hat – zurückhaltend formuliert – schon bessere Tage gesehen. Das Gebäude, so formuliert es Neuwirth diplomatisch, entspreche eigentlich nicht der Qualität der Arbeit. Das größte Problem ist und bleibt allerdings der begrenzte Platz. Es gibt zu wenig Zimmer; außerdem sind die Therapieräume zu klein. Mit diesen Rahmenbedingungen ist nach den Worten von Neuwirth keine konzeptionelle Weiterentwicklung möglich.

Die Warteliste ist lang

Rund ein halbes Jahr lang muss eine junge Frau warten, um einen Platz bei Jella zu bekommen. Allein 2014 gab es bislang 28 offizielle Anfragen. Dazu kamen noch zahlreiche inoffizielle Nachfragen per Telefon. Ist die Adresse der Einrichtung in der Anfangszeit noch geheim gehalten worden, so ist sie nun – nicht nur wegen des Internets – frei zugänglich. Was die Bewohnerinnen von Jella angeht, so ging der Altersdurchschnitt im Laufe der Jahre immer weiter nach unten, 2013 betrug er 15,8 Jahre. Laut Neuwirth war 2008 ein entscheidendes Jahr, damals sei das Phänomen des Rauschtrinkens aufgekommen, und zwar auch bei ganz jungen Mädchen.

Seit 2011 ist der baden-württembergische Landesverband für Prävention und Rehabilitation (BWLV) Träger von Jella; zuvor war es der Stuttgarter Verein Lagaya. Das Gebäude, in dem die Einrichtung untergebracht ist, gehört der SWSG. Schon seit einiger Zeit sucht Neuwirth nach einem neuen Zuhause: „Wir brauchen 300 bis 400 Quadratmeter Nutzfläche und mindestens 16 Zimmer.“ Angebote seitens der SWSG habe es zwar gegeben, allerdings sei kaum etwas Geeignetes dabei gewesen. Dazu käme noch, dass für die Unterbringung der Mädchengruppe viele bürokratische Hürden genommen werden müssten. Dies wiederum habe im einen oder anderen Fall dazu geführt, dass andere Interessenten schneller den Zuschlag hätten geben können. Neuwirth: „Lange können wir hier so nicht weiter machen.“