Der Mädchengesundheitsladen feiert sein 30-jähriges Bestehen – und verbindet dies mit warnenden Worten. Die Auswirkungen von Pandemie und Lockdowns seien weiter spürbar. Man habe viele Anfragen wegen Depressionen, Angst- und Essstörungen.

Lokales: Viola Volland (vv)

Stuttgart - Der Mädchengesundheitsladen blickt auf eine lange Geschichte in Stuttgart zurück – und das Team fühlt sich aktuell gebraucht wie lange nicht. Dieser Tage hat die Einrichtung ihr 30-jähriges Bestehen gefeiert. In dem Zuge wurde auf die derzeitigen Nöte der Stuttgarter Mädchen und ihrer Eltern aufmerksam gemacht. Die Auswirkungen von Pandemie und Lockdown machten sich weiterhin stark bemerkbar. „Sie haben sich noch nicht erholt“, sagt Dagmar Preiß, die Geschäftsführerin vom übergeordneten Gesundheitsladen, die zudem dem Team des Mädchengesundheitsladens angehört. Auch in den Sommerferien seien die Anfragen bei ihnen nicht zurückgegangen.

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„Die Beratungsprozesse dauern länger“, ergänzt ihre Kollegin Isabel Mentor. Die zehn üblichen Beratungstermine reichten oft nicht aus. Angststörungen, Panikattacken, Essstörungen und selbstgefährdendes Verhalten – all das habe „sehr zugenommen“. Dagmar Preiß berichtet von einer Mutter, die diese Woche aus Sorge um ihre Tochter angerufen habe, weil die Jugendliche seit Tagen kein Wort mehr rausbekomme. Die Mutter habe sich schnelle Hilfe erhofft. Doch man habe erst im November ein Erstgespräch anbieten können. Die Wartezeiten schmerzen Preiß. Sie hätten eigentlich den Anspruch, dass Erstgespräche innerhalb von zwei Wochen stattfinden. Dagmar Preiß und Isabel Mentor berichten von Mädchen mit Depressionen. Diese hätten die Sommerferien eigentlich nur herumgelegen. Viele klagten in der Beratung über Konzentrationsschwierigkeiten in der Schule. Schon 2020 sei der Anteil bei den Beratungen pandemiebedingt um 25 Prozent gestiegen. Das konnte man stemmen, weil Präventionsveranstaltungen ausfielen.

Angefangen hat der Mädchengesundheitsladen als Modellprojekt des Landes im Herbst 1990, die Eröffnung war im Februar 1991. Die Anlaufstelle für mädchenspezifische Gesundheitsstörungen hatte laut Preiß auch das Ziel, Mädchen dabei zu unterstützen, ein positives Selbstbild und Körpergefühl zu entwickeln. Seit 1996 wird das Angebot, das in der Lindenspürstraße im Stuttgarter Westen angesiedelt ist, von der Stadt regelfinanziert. Heute gehören neben der Gesundheitsförderung die sexuelle Bildung sowie die Sucht- und Gewaltprävention zum Profil.