Männergedeck im Wizemann Stuttgart Mit begnadeter Schlabbergosch

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Laura Larsson und Ariana Baborie wurden mit ihrem Podcast „Herrengedeck“ bekannt und haben schon viele Preise eingeheimst. In Stuttgart haben sie jetzt bewiesen: Sie sind auch live großartig.

Zum Kreischen: Ariana Baborie und Laura Larsson Foto: Promo
Zum Kreischen: Ariana Baborie und Laura Larsson Foto: Promo

Stuttgart - Am Ende des Abends haben die beiden kräftig was intus. Bier haben sie gekippt, dazwischen auch reichlich Korn – oder was auch immer in den Flachmännern drin war. „Ich bin betrunken“, japst Laura und kichert. „Ich doch auch“, meint Ariana, sodass man sich schon fragen kann, wie es weitergehen soll mit diesen beiden jungen Frauen, die derzeit auf Deutschlandtournee sind und sich – angeblich - jeden Abend die Hucke vollsaufen, um ihr Publikum zu unterhalten. Da könnte die Leber bald maunzen.

Dabei brauchen Ariana Baborie und Laura Larsson alias „Herrengedeck“ definitiv keinen Alkohol, um lustig zu sein. Selbst in trockenem Zustand sind sie so unterhaltsam, dass sie in kurzer Zeit zu „Influencern“ geworden sind, was konkret bedeutet, dass hunderte junge Menschen ins Wizemann gekommen sind, um die beiden Internetstars zu feiern. Die Nachfrage war so groß, dass gleich noch eine Zusatzvorstellung eingeschoben wurde. Ihr erstes Buch „Herrengedeck“ ist noch keine zwei Wochen heraus und steht bereits auf Platz acht der „Spiegel“-Bestsellerliste. Keine Frage: die Damen sind Kult.

Der Podcast „Herrengedeck“ hat die beiden bekannt gemacht

So ist nun auf der Bühne und in den Buchhandlungen angekommen, was im Internet begann: Denn „Herrengedeck“ ist ein Podcast. Vor drei Jahren haben die Moderatorinnen, die sich bei einem Berliner Radiosender kennengelernt haben, sich hingesetzt, herumgeblödelt, ihren aufgekratzten Schlagabtausch aufgenommen und ins Internet gestellt. Alle zwei Wochen kommt seither ein Podcast heraus. Nun also auch noch eine Bühnenshow, bei der die beiden, wie immer, nur über sich sprechen und ihr Leben Revue passieren lassen. Hierzu haben sie in alten Fotokisten gewühlt oder auch Zeugnisse herausgezogen, in denen Ariana Erfolge in der „Nass-in-Nass-Technik“ und in der Beschäftigung mit Elefanten bescheinigt werden. Frech durchleuchten sie ihren Lebensweg, fragen sich, warum die Eltern auf der Geburtsanzeige geschrieben haben, dass Ariana um „circa 10 Uhr geboren wurde“ und warum Laura als Kleinkind vor Papas Kamera immer zeigen sollte: „Wo ist die Lampe?“

Vollständig unspektakuläre Momentaufnahmen, die jeder kennt

Ariana Baborie und Laura Larsson spießen alltägliche Kuriositäten auf und präsentieren im Wizemann zweieinhalb Stunden vollständig unspektakuläre Momentaufnahmen aus ihrem Leben, die aber letztlich jeder kennt und selbst so ähnlich erlebt hat: alberne Kinderfotos und pubertäre Frisuren, vermurkste Beziehungen und immer wieder der jugendliche Größenwahn, berühmt zu werden. „Ich will wieder tanzen“, beschließt Laura denn auch, wirft die Beine in die Luft wie einst, als sie als Funkenmariechen beim Karneval auf der Bühne stand. Sie ist in Parchim in Mecklenburg-Vorpommern aufgewachsen und hatte einen Freund, der, natürlich, Kevin hieß. Sie gehört zur Generation Tamagotchi und musste die Schule schwänzen, um das Elektroküken zu Hause zu versorgen. Und sie hat im Wohnzimmer mit dem Mikrofon posiert, um eines Tages Star oder besser „Promqueen“ zu werden.

Diese Anekdötchen aus Deutschlands kollektivem Gedächtnis liefern den Stoff, der aber nur zündet, weil die beiden reichlich komödiantisches Talent und Selbstironie mitbringen sowie eine begnadete Schlabbergosch. Ihr Tempo ist enorm, ständig fallen sie sich ins Wort oder machen sich gegenseitig lächerlich: „Du bist soviel mehr Dorf als ich dachte.“ Sie parodieren, spielen mit der Sprache oder kommentieren einen schlechten Witz mit „Guck mal, eine Person freut sich mega“.

Mainstream ist selten so sympathisch

Selten ist massentaugliches Entertainment so sympathisch wie bei „Herrengedeck“, weil die beiden Frauen bei aller Blödelei vermitteln, dass es letztlich die Macken und Marotten sind, die Menschen liebenswert machen. Alles halb so wild, selbst wenn man wie Laura nicht weiß, wie man „Mc Paper“ ausspricht – oder wie Ariana Geburtstagskarten abheftet. Podcasts werden wie alle Moden sicher wieder verschwinden. Von den beiden Damen von „Herrengedeck“ aber wird man sicher noch viel an anderen Stellen hören.