Die Männerinterventionsstelle im Rems-Murr-Kreis feiert ihr zehnjähriges Bestehen mit einem Fachtag am 11. November, der in Fellbach stattfindet.

Rems-Murr: Sascha Sauer (sas)

Fellbach - Häusliche Gewalt hat viele Gesichter: Sie reichen von Drohungen und Erniedrigungen bis hin zum Erzwingen sexueller Handlungen und körperlichen Misshandlungen. Die Männerinterventionsstelle Rems-Murr-Kreis will die Spirale der Gewalt durchbrechen: Sie hilft Tätern, die sich freiwillig oder aufgrund von Auflagen mit ihrem inakzeptablen Verhalten auseinandersetzen.

„Täterarbeit ist Opferschutz“, erklärt Ingo Dinse von der Männerinterventionsstelle. Aber erfolgreicher Opferschutz im Bereich häuslicher Gewalt funktioniere nur, wenn er in ein Hilfenetz eingebunden ist. Wie dieses aussieht, soll am 11. November bei einem Fachtag im Fellbacher Rathaus vorgestellt werden.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fellbach koordiniert den Fachtag

„Die Hilfe muss schnell kommen“, sagt Anneliese Roth, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Fellbach. Sie koordiniert den Fachtag, der gemeinsam vom Fellbacher Hilfenetz bei häuslicher Gewalt und der Sozialberatung Stuttgart veranstaltet wird. Anlass ist das 10-Jahr-Jubiläum der Männerinterventionsstelle.

Seit 2006 leistet die Fachberatungsstelle Gewaltprävention der Sozialberatung Stuttgart Täterarbeit im Rems-Murr-Kreis. „Wir bieten Einzelberatungsgespräche und ein Gewalt-Sensibilisierungstraining an“, sagt Ingo Dinse. Die Täter sollen lernen, Verantwortung zu übernehmen. Das Anti-Gewalt-Training findet in der Gruppe statt und ist speziell für Partnerschaftsgewalt konzipiert.

Insgesamt 661 Täterberatungen hat es in den vergangenen zehn Jahren gegeben. Tendenz steigend. „Frauen sehen häusliche Gewalt nicht mehr wie früher als Schicksal, sondern zeigen inzwischen die Tat bei der Polizei an“, erklärt Ingo Dinse die deutliche Steigerung. Aber nicht nur Frauen sind Opfer, auch Männer sind von häuslicher Gewalt betroffen. „Da ist die Schamgrenze besonders hoch“, sagt Thomas Säger, Sozialpädagoge und Mitarbeiter der Männerinterventionsstelle.

Die Teilnehmer sollen das Hilfenetzwerk kennenlernen

Beim Fachtag sollen die Teilnehmer das Hilfenetzwerk kennenlernen. Zu diesem gehören unter anderem das Kreisjugendamt, die Anlaufstelle gegen sexualisierte Gewalt im Rems-Murr-Kreis und der Soziale Dienst der Stadt Fellbach.

Der Fachtag richtet sich an Fachkräfte, Ehrenamtliche, Multiplikatoren, Interessierte und Vertreter anderer Beratungsstellen. In einem Vortrag wird der Vorsitzende der Bundesarbeitsgemeinschaft Täterarbeit Häusliche Gewalt, Roland Hertel, die Institutionen, die im Fellbacher Hilfenetz bei häuslicher Gewalt vertreten sind, vorstellen. Auch Petra Bittinger, die Sozialdezernentin des Landkreises, wird zu Gast sein. „Die Teilnehmer können sich später in verschiedenen Räumen über die jeweiligen Hilfeangebote informieren“, erklärt Anneliese Roth den Ablauf.

Bei häuslicher Gewalt handelt es sich um einen teuflischen Kreislauf, sagen die Fachleute

Bei häuslicher Gewalt handele es sich um einen teuflischen Kreislauf, der mit Hilfe der Männerinterventionsstelle durchbrochen werden soll, sagt Ingo Dinse. „Meist sind Kinder bei den Gewalthandlungen dabei, und die beobachten das Verhalten ihrer Eltern.“ Fast immer hätten die Täter Väter und Mütter gehabt, bei denen häusliche Gewalt zum Alltag gehörte.