Männerstimmen Der Unterleib hat das Sagen und nicht der Kopf

Leben: Markus Brauer (mb)
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Der wilde Mann im Mann

Was Attraktivität angeht, ist die Biologie immer noch maßgeblich bei der Partnerwahl. Der weibliche Wunsch gemeinsam mit dem Alpha-Männchen Nachwuchs zu zeugen und aufzuziehen, ist so alt wie die Menschheit. Ob Neandertaler, Cro-Magnon-Mensch oder postmoderner Homo sapiens – der wilde Mann im Mann ist immer noch dass, was Frauen magisch anzieht.

Auf männliche Geschlechtsgenossen wirken tiefe Männerstimmen einschüchternd, für Frauen dagegen sind sie ein erotischer Magnet. Der erste instinktive Eindruck, so haben die US-Forscher herausgefunden, ist dabei stärker ausgeprägt als der nachfolgende intellektuelle. Was beweist: Wenn es um die Erhaltung der Art geht, hat der Unterleib klar die Nase vorn vor dem Kopf.

Testosteron und tiefe Stimme – WOW!

Die Wissenschaftler haben zudem nachgewiesen, dass es einen Zusammenhang zwischen männlicher Stimmlage und der Produktion des Stresshormons Cortisol sowie des Sexualhormons Testosteron gibt. Ein hoher Testosteronspiegel gepaart mit einem niedrigen Cortisolspiegel steht für Aggressivität und Dominanz, was schon 2009 in einer anderen US-Studie nachgewiesen wurde. Auch die Annahme, dass die Art des Sprechens bestimmte biologische Funktionen erfüllt, ist nicht neu und wurde in Studien wie die der britischen Psychologin Sarah Evans 2008 an der Northumbria University belegt. Frauen können sich demnach tiefe Stimmen besser merken. Außerdem sind Hörer verschiedenster Kulturen in der Lage, von der Sprache auf die Stärke eines Mannes zu schließen.

Anders als bei Männern fanden die Forscher bei Frauenstimmen indes keine bestimmte Frequenz, die als besonders attraktiv oder erotisierend wahrgenommen wird. Ebenso wenig konnten sie einen hormonellen Zusammenhang zwischen Stimme und Sexualität nachweisen. Das Ergebnis verwundert, weil normalerweise zarte Stimmchen als besonders feminin und anziehend gelten.

Männer – ständig auf der Jagd

Die Wissenschaftler um David Puts hörten zudem bei 1721 Primatenlauten genauer hin. Dabei festigte sich die Annahme, dass vor allem intrasexuelle Selektion – also das Durchsetzten gegen das eigene Geschlecht – ein Grund für die unterschiedlichen Stimmhöhen sein könnte. Die hörbaren Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind demnach größer, wenn die Männchen einer bestimmten Art polygam leben und nur einige wenige zum Zug kommen.

Beim Menschen deuten Evolutionsmerkmale wie die Verkleinerung der Eckzähne eigentlich daraufhin, dass der Selektionsdruck eher abgenommen hat. Die Forscher waren deshalb überrascht, dass die Menschen die stärksten geschlechtlichen Stimmunterschiede aller untersuchten Arten hatten. Daraus schließen die Wissenschaftler unter anderem, dass Menschen wohl nicht als grundsätzlich monogam angesehen werden sollten und stärker polygam orientiert sind als angenommen.

Monogamie hat evolutionäre Vorteile

Monogame Strukturen beim Menschen und ihre Wurzeln sind bereits in zahlreichen Studien untersucht worden. So sind Gesellschaften mit stabilen Paarbeziehungen besser vor Geschlechtskrankheiten geschützt, die Beziehungen sind weniger konfliktreich und mitsorgende Väter ermöglichen eine bessere Versorgung des Nachwuchses. Auch die Wahlmöglichkeit der Frau bei der Partnersuche förderte wohl die Monogamie.




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