Märklintage Göppingen Begeisterung für schnaubende Dampfrösser

Die Faszination der alten Lokomotiven ist am Göppinger Bahnhof spürbar. Foto: Giacinto Carlucci

Ausstellungen, Aktionen, Spektakuläres: Die 13. Märklintage locken das erste Mal seit vier Jahren wieder Zigtausende Besucher in die Stadt. Ob Spitalplatz, EWS-Arena, Werfthalle oder Märklineum: An vielen Orten wurde den Gästen etwas geboten.

Eine Duftmischung aus Rauch, Dampf, Pizza, Schmieröl, Kohlen, Schweiß und Grillwurst hängt in der Luft. Aus den Zugängen strömen Männer, Frauen und ganze Familien auf die Bahnsteige. Die Männer sind eindeutig in der Überzahl, und den meisten zaubern die nostalgischen Lokomotiven und Eisenbahnwaggons, die heute hier im Rahmen der 13. Märklintage – sie finden erstmals seit 2019 wieder statt – zu sehen sind, Glanz in die Augen.

 

„Wahnsinn, diese Räder“: Ein junger Vater stellt seinen Sprössling vor eines der gigantischen roten Räder der Dampflok der Baureihe 01 und zückt sein Smartphone, um den Gegensatz festzuhalten. Überhaupt will jeder und jede möglichst viele Details mit Kamera oder Smartphone festhalten. Gar nicht so einfach bei der Menschenmenge. Irgendwer läuft meistens ins Bild.

Vor den Führerständen der Lokomotiven haben sich Schlangen gebildet. Nicht nur wer in der Kindheit davon träumte, Lokführer zu werden, möchte die Gelegenheit wahrnehmen, einmal dort oben zu stehen. „Au guck mal, der gute alte rote Schienenbus!“, ruft eine ältere Dame entzückt. „Mit dem bin ich früher immer nach Göppingen zur Schule gefahren.“ Erinnerungen werden wach und ausgetauscht, sich bis dato wildfremde Männer kommen locker ins Gespräch. Fachsimpeln über Lokomotiven geht immer. „Fahrkarten! Hier gibt es Fahrkarten!“ Bei einem nostalgisch gewandeten Fahrkartenverkäufer lassen sich Fahrscheine für die angebotenen Dampfzugpendelfahrten mit der BR 75 nach Plochingen und zurück erstehen. Sie gehen weg wie warme Wecken.

„Wann fährt der nächste?“ Der Fahrkartenverkäufer lupft seine Schirmmütze, in der er – ganz analog – den Fahrplan versteckt hat, um nachzusehen. In den Waggons der UEF Lokalbahn Amstetten-Gerstetten, die von der 1921 gebauten badischen Tenderdampflokomotive 75 1118 gezogen werden, warten die bereits eingestiegenen Fahrgäste schwitzend, dass es endlich losgeht mit dem Reiseerlebnis wie zu Großelterns Zeiten. Ein paar Schlaue sind mit Fächern ausgerüstet, denn in den Waggons aus den 1920er-Jahren, die auch „Donnerbüchsen“ genannt wurden, ist „Airconditioning“ ein Fremdwort.

Dampfzugfahrt über die Geislinger Steige

Eine ganz besondere Attraktion für alle Dampfzug-Liebhaber ist die Dampfzugfahrt über die Geislinger Steige. Die Fahrt mit der legendären Lok der Königlich Bayerischen Staatsbahn, der S 3/6 Nr. 3673, geht nach Amstetten und zurück. Am Zugschluss übernimmt wie anno dazumal die einst in Geislingen an der Steige beheimatete E-Lok „Deutsches Krokodil“ den Schiebedienst (Schubunterstützung), um die Geislinger Steige zu bezwingen.

Gespanntes Warten der Passagiere im Zug und der Schaulustigen am Bahnsteig. Wird die Fahrt pünktlich um 12.57 Uhr beginnen? Das Dampfross schnaubt jedenfalls schon mit den Kolben und lässt zischend mächtig Dampf ab. Mit klitzekleiner Verspätung setzen sich die riesigen Räder in Bewegung und drehen durch, bis die Schubstangenübersetzung passt. Aus dem Schlot steigt schwarzer Rauch auf und wird in die Waggonfenster eingesogen. Den aus den Fenstern winkenden Passagieren steht trotzdem die pure Freude ins Gesicht geschrieben.

Wer kein Waggon-Plätzchen ergattern konnte, hat die Gelegenheit, kurz mal nach Frankreich zu reisen – ohne dabei die Stadt zu verlassen. Begleitend zu den Märklintagen gibt es auf dem Spitalplatz einen französischen Markt, der kulinarische Spezialitäten und Leckereien aus dem Südwesten Frankreichs – dort liegt Göppingens Partnerstadt Pessac – zu bieten hat. Und wer das Glück hat, zur richtigen Zeit dort zu sein, kann zudem auch noch einen Ohrenschmaus genießen. Die siebenköpfige französische Band Sopa Loca zaubert Flair in die sonnige Göppinger Innenstadt. Nach einem Päuschen geht es für viele weiter ins Märklineum, die EWS-Arena, zur Werfthalle oder zum Leonhard-Weiss-Geländem wo weitere Attraktionen warten.

Schweizer Weltrekord in EWS-Arena nachgestellt

Spektakel
 In der EWS-Arena setzte sich zu jeder vollen Stunde ein 75 Meter langer Zug mit insgesamt 100 zusammengestellten Wagen in Bewegung. Dafür war ein 220 Meter großer Gleiskreis auf den Bänken aufgebaut worden, auf dem mit 25 Einheiten des Capricorn-Triebzuges im Maßstab 1:22,5 (LGB) der Weltrekord der Rhätischen Bahn vom 29. Oktober 2022 nachgestellt wurde.

Strecke
 Der originale Weltrekordzug in der Schweiz setzte sich aus 25 Einheiten mit jeweils vier Wagen der Capricorn-Triebzüge zusammen. Er war insgesamt 1,9 Kilometer Meter lang und fuhr im vorigen Jahr über knapp 25 Kilometer auf der Strecke von Preda bis Alvaneu. 

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