Mafia in Baden-Württemberg LKA teilt Einzelheiten zu mutmaßlichem Mafia-Mörder mit

Beamte des SEK Baden-Württemberg machen sich auf diesem Symbolfoto für einen Zugriff bereit. Foto: Archiv/Feyder

In Bad Urach bei Reutlingen haben Beamte des SEK am frühen Morgen einen mutmaßlichen Mafia-Mörder festgenommen. Der Italiener soll vor 23 Jahren in Kalabrien den Boss der sizilianischen Mafia erschossen haben.

Das Landeskriminalamt hat am Mittwochmittag Einzelheiten zu dem in Bad Urach festgenommenen, mutmaßlichen Mafioso mitgeteilt. Demnach habe der 59-Jährige in Baden-Württemberg die vergangenen vier Jahre nach außen hin völlig unauffällig mit seiner Familie in Bad Urach gelebt, heißt es in einer Pressemitteilung des Landeskriminalamtes Baden-Württemberg. Er sei in einem Unternehmen angestellt gewesen.

 

Italienische Behörden hingegen gehen davon aus, dass der Mann Mitglied der kalabresischen N’drangheta ist, einer Mafia-Gruppierung an der Ferse des italienischen Stiefels. Dort soll er am 26. Februar 2000 Teil eines mehrköpfigen Mordkommandos gewesen sein, dass den Boss eines sizilianischen Mafiaclans, dessen beiden Leibwächter und einen unbeteiligten Rentner auf dem zentralen Platz des Städtchens Strongoli erschossen haben soll. Hintergrund für den blutigen Überfall mit Kalaschnikow-Sturmgewehren seien Clan-Streitigkeiten gewesen, teilte seinerzeit Staatsanwalt Enzo Macri mit.

Am 22. August 2023 habe das Gericht in Catanzaro, der Hauptstadt der Region Kalabrien, einen europäischen Haftbefehl gegen den Mann erlassen, so ein Sprecher des LKAs. Die Stuttgarter Generalstaatsanwaltschaft Stuttgart habe deshalb ein Auslieferungsverfahren eingeleitet und beim Oberlandesgericht Stuttgart einen Auslieferungshaftbefehl erwirkt.

Kinderpornografie könnte zum Verhängnis geworden sein

Gegen vier Uhr am Mittwochmorgen nahmen Beamte des Spezialeinsatzkommandos (SEK) Baden-Württemberg den Beschuldigte seiner Wohnung in Bad Urach fest. Dem seien, so das LKA, umfassende Abstimmungen mit den italienischen Behörden und akribische verdeckte Ermittlungen vorausgegangen.

Geholfen hat wohl aber auch ein Hinweis aus den USA, der den mutmaßlichen Mafioso mit Kinderpornografie in Verbindung bringt. Aus diesem Grund waren zudem Spezialistinnen und Spezialisten des Polizeipräsidiums Reutlingen an der Festnahme und Durchsuchung beteiligt.

Der Verdächtige befindet sich jetzt in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim. Er soll an die italienischen Strafverfolgungsbehörden ausgeliefert werden.

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