MAG Europe in Göppingen Chinesen interessieren sich für Maschinenbauer MAG

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Das Unternehmen will den Umsatz in diesem Jahr steigern.

  Foto: MAG
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Stuttgart - Bei einem schwäbischen Maschinenbauer könnte erneut ein chinesischer Investor einsteigen: Die Shenyang Machine Tool ist an einer Übernahme des Werkzeugmaschinenherstellers MAG Europe in Göppingen interessiert. Ein Sprecher von MAG sagte, für ihn sei es „nicht überraschend“, dass es unter den Interessenten für eine Übernahme auch chinesische Unternehmen gebe. Schließlich suchten chinesische Konzerne im Maschinenbau „Technologieführer“ zu erwerben.

Bieterverfahren wird eröffnet

MAG sei mit einer ganzen Reihe von Interessenten im Gespräch, sagte der Sprecher. Man wolle bis Oktober ein Bieterverfahren eröffnen und den Verkauf an einen Investor bis zum Ende des Jahres unter Dach und Fach haben. Die deutsche Beteiligungs-AG (DBAG) in Frankfurt, die ebenfalls als Interessent im Gespräch ist, lehnte eine Stellungnahme ab. Die DBAG ist unter anderem beim Schopflocher Holzbearbeitungsmaschinenhersteller Homag AG engagiert. Dort ist sie der größte Anteilseigner. Im Gespräch als Interessent ist auch die chinesische Dalian Maschine Group.

MAG besitzt in Changchun, etwa eine Flugstunde nordöstlich von Shenyang, ein Werk mit 100 Beschäftigten. China sei ein wichtiger Markt für MAG, sagte der Unternehmenssprecher. Nach seinen Angaben stehen sowohl MAG Europe als auch MAG America zum Verkauf. Der amerikanische Unternehmensteil gehört noch dem Investor Mo Meidar. In Europa wurde Meidar allerdings von den Banken bei Gesprächen über eine Verlängerung der Kreditlinien aus dem Unternehmen gedrängt. Seine früheren Anteile liegen treuhänderisch bei der Frankfurter Treuhandgesellschaft Alfred Hagebusch. In deren Beirat sitzt auch der schwäbische Unternehmer Heinz Dürr.

Im laufenden Jahr will MAG seinen Umsatz von rund 560 Millionen Euro auf 650 Millionen Euro steigern. Im Frühjahr hatte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Rolf Rickmeyer, erklärt, die Gespräche mit den Banken über Finanzierungsmöglichkeiten für das geplante Wachstum seien erfolgreich abgeschlossen worden. Bei diesen Gesprächen ging es nach den Angaben des MAG-Sprechers nicht um alte Schulden des Unternehmens, sondern um die Vorfinanzierung von Projekten, die oft eine Laufzeit von mehr als einem Jahr hätten.

MAG Europe besteht im Kern aus den früheren Werkzeugmaschinenherstellern Boehringer in Göppingen und Ex-Cell-O in Eislingen. An jedem dieser Standorte sind 450 Mitarbeiter tätig. Insgesamt beschäftigt MAG Europe 1600 Mitarbeiter. Michael Kocken von der IG Metall in Göppingen sagte, die Gewerkschaft habe mit MAG einen bis Ende 2013 geltenden Sanierungstarifvertrag abgeschlossen. Diesen könne die Gewerkschaft kündigen, falls ein Investor kein zukunftsweisendes Konzept vorlege. Dann müssten den Beschäftigten Gelder für unbezahlte Mehrarbeit nachgezahlt werden. Shenyang sieht sich mit einer Produktionskapazität von 1,7 Milliarden Dollar als einen der sieben größten Werkzeugmaschinenhersteller weltweit.