InterviewMagazin zum Thema Nachhaltigkeit „Wir schreiben in einer poppigen Sprache“

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Dominik Ochs und Lennart Arendt sind Inhaber der Nachhaltigkeitsberatung „Grüne Neun“. Seit einem Jahr veröffentlichen die beiden aus dem Stuttgarter Süden zusätzlich das „Übermorgen“-Magazin für Nachhaltigkeit und Lifestyle.

Dominik Ochs (links)  und Lennart Arendt geht es bei ihrem Magazin „Übermorgen“  nicht ums Geld. Foto: Benjamin Schieler
Dominik Ochs (links) und Lennart Arendt geht es bei ihrem Magazin „Übermorgen“ nicht ums Geld. Foto: Benjamin Schieler
S-Süd – - Dominik Ochs und Lennart Arendt sind Inhaber der Nachhaltigkeitsberatung „Grüne Neun“. Seit einem Jahr veröffentlichen die beiden aus dem Stuttgarter Süden zusätzlich das „Übermorgen“-Magazin für Nachhaltigkeit und Lifestyle. Ihr Projekt hat nun das Qualitätssiegel „Werkstatt N“ vom „Rat für nachhaltige Entwicklung“ der Bundesregierung erhalten, das Ideen und Initiativen auszeichnet, welche einen Weg in eine nachhaltige Gesellschaft weisen.
Nachhaltigkeit ist ja gerade ein Trend-Thema, obwohl viele überhaupt nicht genau wissen, was das Wort überhaupt bedeutet. Warum wurde euer Magazin vom Rat für nachhaltige Entwicklung ausgezeichnet?
Dominik Ochs In erster Linie vielleicht auch, weil es in ganz Deutschland kein Magazin oder keine Zeitschrift gibt, die genau das macht, was wir tun. Wir kombinieren die zwei eher verwässerten Begriffe Nachhaltigkeit und Lifestyle miteinander und wollen diese mit Inhalt füllen. Über unsere Beratung und unsere Online-Plattform haben wir aber auch dazu beigetragen, viele lokale Initiativen in Stuttgart, die sich für eine nachhaltige Lebensweise einsetzen, miteinander zu vernetzen. Es gibt inzwischen sehr viele kleine Projekte in Stuttgart, die aber davor auch gar nichts von einander wussten. Zudem schreiben wir in einer einfachen, poppigen und lustigen Sprache über Umweltthemen und versuchen diese so regional wie möglich herunter zu brechen.
Kommt das Magazin auch deswegen in Stuttgart so gut an, weil es eben gerade hip ist, nachhaltig zu leben?
Lennart Arendt Natürlich ist das gerade hip, aber es kommen auch sehr viele ältere Menschen zu uns ins Büro und wollen ein Karton mit Magazinen zum Verteilen mitnehmen. Sie entdecken sich auch in unseren Themen, vor allem Urban Gardening interessiert auch ein älteres Publikum.
Dominik Ochs Es ist nicht nur in gerade. Ich glaube, insgesamt hat auch ein Wandel in der Gesellschaft stattgefunden. Das ist kein kurzfristiger Trend. Ältere Menschen waren eine bewusstere Lebensweise schon immer gewohnt, und bei den jüngeren findet gerade wieder eine stärkere Sensibilisierung dafür statt. Wir haben inzwischen auch schon viele Anfragen aus anderen Städten, ob es dort auch bald so ein Magazin oder so eine Plattform gibt.
Finanziell lohnt sich so ein Magazin ja vermutlich nicht wirklich. Warum macht ihr es trotzdem?
Lennart Arendt Wir verdienen damit tatsächlich nichts, sondern können gerade einmal unsere externen Kosten decken. Aber wir wollen damit vor allem auch die Idee der Grünen Neun nach außen tragen. Ohne das Magazin gäbe es unsere Beratung wohl nicht mehr. Aber auf Geld verdienen kommt es uns eigentlich auch nicht so an. Wir wollen vor allem auf den allgemeinen Bewusstseinswandel in der Gesellschaft hinweisen. Für viele Menschen sind nun wieder andere Werte wichtig. Das zeigen auch die vielen Initiativen in Stuttgart wie Plattsalat, Pois, die Kulturinsel oder Fluxus. Genau wie wir haben viele in der Stadt entschieden, selbst etwas zu tun, Sachen in die eigene Hand zu nehmen und warten nicht mehr darauf, dass von oben etwas passiert. Denn meisten geht es – wie auch uns – nicht darum, Geld zu verdienen, sondern für seine eigenen Werte einzustehen.

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