Magdalena Neuner Ein Jahrhunderttalent im Sport

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Dieses Problem hat auch der Disziplintrainer der Frauen, Ricco Groß, erkannt: "Lena ist das, was man im Sport ein Jahrhunderttalent nennt. Sie verfügt über außergewöhnliche Fähigkeiten und hat in jungen Jahren fast schon alles erreicht." Umso mehr setzt der 41-jährige Ex-Biathlet nun auf die Titelkämpfe in Ruhpolding: "Eine WM im eigenen Lande ist auch für Lena eine spannende Herausforderung. Ich schätze sie inzwischen mental so stark ein, dass sie auch diese Aufgabe perfekt meistern wird."

Allerdings sind sogar die WM-Hoffnungen für Neuner eine Herausforderung. Bei der diesjährigen WM in Russland gewann sie dreimal Gold und zweimal Silber. "Jeder erwartet von mir, dass ich mich steigere", sagt sie. Und so hat sie sich sechs Medaillen vorgenommen - mit einem Augenzwinkern. "Natürlich braucht man Ziele. Aber mir ging es nie um noch mehr, noch mehr und noch mehr." Den inoffiziellen Titel der besten Athletin aller Zeiten strebt sie ohnehin nicht an: "Ich habe mich nie groß mit anderen verglichen und ich will auch niemanden überbieten. Ich will nur Spaß haben."

"Eigentlich bin ich total langweilig"

Aus diesem Grund hat sie in der Vorbereitung auf die neue Saison einiges umgestellt. Sie verzichtete auf einen Lehrgang in Finnland, weil sie dort in den vergangenen zwei Jahren stets erkrankte, und trainierte stattdessen in der Heimat, in Wallgau, mit ihrem persönlichen Coach Bernhard Kröll. Größtenteils zwar auf Rollerski, aber das machte ihr gar nichts aus.

"Ich habe so mehr Sonne getankt", sagt Neuner. Und sie konnte länger in Oberbayern sein. Während andere 24-Jährige so viel Abstand wie nur möglich von zu Hause suchen, braucht Neuner die gewohnte Umgebung: "Ich bin ein brutales Landei." Nach dem Training konnte sie nun viel mehr Zeit mit der Familie verbringen und sich ihren Hobbys widmen: stricken, Harfe spielen, "Sturm der Liebe" schauen. "Eigentlich bin ich total langweilig", sagt sie.

Wenn Neuner redet, klingt sie nicht so, als wenn ihr das peinlich wäre. Es klingt aber auch nicht aufgesetzt, als würde sie eine Rolle spielen. Sie weiß eben: sie ist die beliebteste und erfolgreichste Sportlerin in der beliebtesten Wintersportart der Deutschen. Sie muss sich gar nicht verstellen. Es scheint, als ruhe sie zurzeit komplett in sich. "Ich könnte nicht glücklicher sein", betont sie. Bleibt nur die Frage: Wie lange braucht sie dafür noch Biathlon?

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