Anfang November finden die Stuttgarter Jazztage statt. Magnus Mehl von der veranstaltenden IG Jazz gibt einen Ausblick auf das Programm.
Herr Mehl, was erwartet das Publikum bei den Jazztagen?
Wir wollten wieder ein sehr kontrastreiches Programm zusammenstellen mit einer besonderen Note an jedem der vier Tage. Am Anfang ist das ein Glücksspiel, aber jetzt sind wir sehr zufrieden. Der Auftakt zum Beispiel ist vielschichtig und radikal, trotz allem aber auch was für Jedermann. Das sind sehr experimentierfreudige Musiker mit großem Improvisationspotenzial, die gleichzeitig sehr melodiöse Musik spielen. Auf Simon Nabatov am Solo-Piano folgt die völlig stiloffene Band ROKC mit zwei Gitarren, Saxofon und Schlagzeug, die viel auf hochgradig interaktive Improvisation setzt.
Was ist der größte Kontrast?
Am Samstag haben wir zuerst die Sängerin Elsa Johanna Mohr und der Gitarrist Flàvio Nunes. Die spielen verträumten Bossa Nova und verwandte Musiken, selbst komponiert und total authentisch interpretiert – da die Nuancen zu treffen, ist schon eine Kunst. Danach steigern wir uns deutlich, was Groove und Lautstärke angeht, der Gitarrist Werner Neuman holt mit seinem Electric Trio alles raus, was ein Orgeltrio zu bieten hat – inklusive Rock und Funk – da klingen die Instrumente genau so, wie man sie in diesem Kontext hören will.
Was gibt es für Jazz-Puristen?
Die kommen am Freitag auf ihre Kosten. Wir fangen kammermusikalisch an mit dem Duo Rainer Böhm am Klavier und Joahnnes Enders am Saxofon. Das sind etablierte Musiker, die auf höchstem instrumentalem Niveau musizieren. Dann folgt die aufstrebende, zu drei Vierteln junge Band My Imaginary Friend in klassischer Quartettbesetzung – mit dem inzwischen 80-jährigen Bill Elgart am Schlagzeug.
Die lokale Szene darf sich wieder am Sonntag zeigen. Hat sich das bewährt?
Wir machen für die lokale Szene sehr viel das ganze Jahr über, die Wednesday Night Bigband, Konzerte in Bix und Kiste. Beim viertägigen Festival haben wir unter dem Titel jazz@large ein Viertel für sie reserviert – im großen Saal mit einem großen Klangkörper. Das klingt jedes Jahr anders, ist trotz der Größe flexibel, und weil explizit Stücke für den Abend komponiert werden, hat er eine ganz eigene Handschrift. Diesmal treffen sich dort zwei Generationen von Komponisten, Samuel Restle und Christoph Dangelmaier.
44. Stuttgarter Jazztage, 2.-5.11., Theaterhaus. Informationen im Netz unter: https://www.igjazz.de/