Magstadter Bürgermeisterwahl 1000 Bürger begutachten die Bewerber

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Sieben der neun Bürgermeister-Kandidaten stellen sich am Mittwochabend dem Publikum. Alle sind gut auf die lokalen Themen vorbereitet – und das Publikum fragt kritisch nach.

Die Festhalle war voll. Weitere 300 Zuhörer saßen in der benachbarten  Sporthalle. Foto: factum/Granville 8 Bilder
Die Festhalle war voll. Weitere 300 Zuhörer saßen in der benachbarten Sporthalle. Foto: factum/Granville

Magstadt - Mangelndes Interesse an der Kommunalpolitik kann man den Magstadtern wahrlich nicht vorwerfen. Rund 1000 Bürger haben am Mittwochabend die Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl verfolgt, etwa jeder zehnte der 9500 Einwohner war dabei. Und sie haben haben am übernächsten Sonntag in jedem Fall eine Wahl. Neun Bewerber treten an, von denen sich sieben als ernsthafte, gut vorbereitete Kandidaten dem interessierten Publikum präsentierten. Fridi Miller und Boris Hellmuth verzichteten auf eine persönliche Vorstellung. Als der amtierende Bürgermeister Ulrich Merz Millers Absage verkündet, die auch in Sindelfingen, Schönaich, Nufringen und Holzgerlingen antrat, brandet im Saal Beifall auf.

Mit ihrer Heimatverbundenheit und ihrer fachlichen Qualifikation als führende Mitarbeiterin der Finanzverwaltung warb als erste Margit Holzwarth um die Gunst der Wähler. Aufgewachsen in Magstadt, habe sie als Elternbeirätin an der Einführung der Ganztageskita und der Grundschulbetreuung mitgewirkt, sei engagiert in der Freien Liste Magstadt. „Magstadt hat mir viel gegeben, davon möchte ich etwas zurückgeben“, begründete sie ihre Motivation für die Kandidatur. „Der Handlungsbedarf für Magstadt ist enorm“, sagte die 53-Jährige und nannte die Wohngebietserweiterung, die Schaffung weiterer Einkaufsmöglichkeiten sowie die Sicherung der Ärzteversorgung als wichtigstes Ziel. Die Verkehrsbelastung müsste gleichmäßig im Ort verteilt werden, forderte sie.

Zwei Kandidatinnen von der Freien Liste

Ebenfalls für die Freie Liste tritt Andrea Garschke an. Auch sie wohnt mit ihrer Familie in Magstadt, sie ist die Fraktionschefin der Freien Liste. Die 45-Jährige möchte „Magstadt attraktiver machen, die Aufenthaltsqualität verbessern“. Dafür will sie „Treffpunkte für die Bürger und vor allem für Jugendliche“ schaffen. Sie sehe es auch als ihre Pflicht an, „sich als Bürgermeisterin für eine vielfältige Gastronomie einzusetzen“. Auch die Ausweisung neuer Flächen für den Wohnungsbau sei wichtig, um Familien in Magstadt zu halten. Die Ingenieurin der Landespflege verwies auf ihre Berufserfahrung als selbstständige Unternehmerin in einem Landschaftsgärtnerbüro. Seit einigen Monaten leitet sie das Landtagsbüro der Grünen-Abgeordneten des Kreises, Thekla Walker.

Als dritte Frau stellte sich die seit zwei Jahren in Magstadt lebende Anne-Susan Nakonz vor. Die 36-Jährige vierfache Mutter warb mit ihrem ehrenamtlichen Engagement als Elternbeirätin, Mitglied des Liederkranzes und Vorsitzende der Magstadter CDU. Sie verwies auf zehn Jahre Berufserfahrung als Sozialpädagogin in der Projektleitung mit Budget- und Mitarbeiterverantwortung. Sollte sie gewählt werden, möchte sie mit dem Gemeinderat und den Bürgern „ein Gesamtentwicklungskonzept für Magstadt“ entwerfen. Dazu gehöre die Ortskernsanierung, ein Hochwasserschutzkonzept, schnelles Internet. „Das ist ein Kreislauf: Neue Wohngebiete locken neue Bürger an. Die sorgen für mehr Umsatz in den Läden“, erklärte Nakonz.

Als einziger Bewerber von außerhalb – aus Rheinland-Pfalz – präsentierte sich Florian Glock. Der 33-jährige Politikwissenschaftler ist FDP-Mitglied und promoviert im Moment über „Bürgermeisterwahlen“. Er hat bei seinen zahlreichen Besuchen in Magstadt in den vergangenen Monaten „zwei Alleinstellungsmerkmale“des Ort ausgemacht: „Natur und Handwerk“. Diese müsse man mehr „in den Fokus stellen“. In Magstadt möchte der als Gemeinderat erfahrene Glock Parkplätze schaffen, Supermarkt und Drogerie ansiedeln, schnelles Internet einführen. Die Spielplätze sollen schöner werden, wie, das sollen Eltern und Kinder bestimmen. „Den Jugendlichen steht meine Tür stets offen.“

Bewerber aus Renningen

Aus der Nachbarkommune Renningen stammt Andreas Kindler. Der 54-Jährige Unternehmer und Vorsitzende des Kreisbauernverbands hat im vergangenen Jahr seinen Hof „an den Nachwuchs übergeben“. Nun suche er neue Herausforderungen. Erfahrung aus der Kommunalpolitik bringt er reichlich mit, er sitzt für die CDU im Böblinger Kreistag. In Magstadt sieht er „viel Potenzial, das nicht ausgeschöpft wird“. Er versprach, sein Netzwerk einzusetzen, „um Magstadt eine starke Stimme in der Region zu verschaffen“. Wirtschaftsförderung sei bei ihm Chefsache. Als Priorität nannte er den schnellen Breitbandausbau. Als Bürgermeister will er im Ort „für Ruhe und Ordnung sorgen. „Rechtsfreie Räume gibt es mit mir nicht.“

Als Selfmade-Unternehmer präsentierte sich Steffen Koch. Der 53-Jährige verwies auf seine Berufserfahrung. Vor 30 Jahren gründete er den Squash Tempel in Magstadt. Er war Manager der Musikgruppe Fools Garden und managt heute diverse Projekte. „Man muss einfach anpacken und probieren“, lautet sein Credo. In Magstadt will er sich für ein Jugendhaus einsetzen und für die Ansiedlung neuer Einkaufsmärkte. „Ich habe mit dm und Rossmann telefoniert. Die haben gesagt: ‚Wir kommen nach Magstadt, wenn sie uns 3000 Quadratmeter geben.“

Als letzter Kandidat hatte es Christian Badocha schwer, das ermüdete Publikum zu erreichen. „Ich bin der jüngste Bewerber“, sagte der 31-Jährige und erzählte von seiner Kindheit und Jugend in Magstadt. Die Themen, die den Bürgern unter den Nägeln brennen, kennt er aus eigener Anschauung: fehlende Wohnungen zum Beispiel, weshalb er mittlerweile in Weil der Stadt lebt. Der ständige Stau im Ort und ein Hausarzt, der keinen Nachfolger findet.

Publikum löchert die Kandidaten

Das Publikum diskutierte angeregt mit den Bewerbern. Die dringlichste Frage war die nach der Haltung zur geplanten Schließung der Hölzertalstraße. Holzwarth positionierte sich gegen, Glock und Garschke für die Schließung. Nakonz verwies darauf, dass sie nur eine Stimme habe, der Gemeinderat entscheide. Kindler erklärte: „Mit mit wird keine Straße geschlossen, bevor nicht alle anderen ausgebaut sind.“