Wie viele „Fotos“ er hat – das weiß er gar nicht
Sagt’s und zeigt auf eine Regalwand, in der zig Fotoapparate fein säuberlich aufgereiht sind. Kameras aus – zumeist – den 50er und 60er Jahren, als man noch analog unterwegs und Filme teuer waren; man also sparsam mit dem Material umgegangen ist. Eine Voigtländer„Vitomatic“ etwa ist darunter. Zeiss und Eumig sind es auch, Agfa und „Bolex“ aus der Schweiz. Wie viele Fotoapparate da stehen? Peter Schöck, Magstadter Ortschronist mit der (Film-)Kamera seit Jahrzehnten, weiß es selber nicht. „Mr sodd se fascht gar amol zähle“, schmunzelt er nur. Schöck, 81, hängt an diesen Sauriern aus der guten alten Zeit des Knipsens. Auch eine Agfa-Box ist dabei. Jene Kamera, die Schöck von seinem Taufpaten zur Konfirmation geschenkt bekommen hat. Und mit der seine gesamte lebenslange Fotografier-Leidenschaft begann. „’S isch ned die seinerzeitige. I hann se mir nachkauft“, grinst Schöck. Die Sammlung muss doch komplett sein.
Der ehemalige Schlossermeister mit eigenem Betrieb liebt sie, seine Sammlung. Okay, seine Ehefrau Sigrid liebt er noch mehr. Sie, die seine Passion ertragen und seine Sammelleidenschaft toleriert hat über all die Jahrzehnte. Wenn ihr Ehegatte mal wieder von einer der legendären Fotobörsen des viel zu früh verstorbenen Dagersheimers Axel Bretzler aus Böblingen oder Fellbach wiederkehrte, kam was hinzu. Sei es eine Sucher- oder eine Super-8-Kamera. Viele davon dürften nicht nur reine Technik-Deko, sondern auch zum Einsatz gekommen sein. Dann hat sein geliebter Heimatort als Kulisse hergehalten: Häuser, Feste, Dorfabende, Jubiläen, Jahrgangsausflüge. Und seine Sigrid. Die hat er 1960 kennengelernt. Und die hat er damals am Bodensee fotografiert – weiße Bluse, roter Rock. Damals hat es, so muss man wohl im Bilde sagen, bei dem jungen Peter Schöck „Klick gemacht“. Der Farbfoto-Abzug hängt ganz oben in einer kleinen Galerie, was, wenn man so will, dessen Stellenwert ausdrücken dürfte. Die Farben von einst sind praktisch nicht verblasst. „Wie das mit der Digitalfotografie mal sein wird, wer weiß?“, wird der 81-Jährige nachdenklich. Obschon er – natürlich – längst auch mit einer modernen Canon-Spiegelreflex-Kamera auf Speicherchip fotografiert. „Aber nemme so viel“, sagt er. Er sei nicht mehr so beweglich wie einst.
Ganz oder gar nicht
Gut, an seinem Apple-Monitor muss er es auch nicht sein. Hier digitalisiert, bearbeitet und frischt er immer noch Dias auf, von denen er Zehntausende hat. All die Querfeldeinrennen seines Vereins „RV Pfeil“ beispielsweise, in dem er seit Jugendtagen Mitglied ist. Schöck ist eine treue Seele. Zum örtlichen Heimatverein etwa. Oder zum Foto- und Videoclub Sindelfingen, dem er auch schon 50 Jahre lang angehört. Aufs Geratewohl freilich geht der Senior nicht mehr ans Computer-Programm. Auf Wunsch schon. Wenn einer was braucht aus der Flecken-Geschichte, macht sich Schöck gezielt ans Werk – mit Eifer, mit Perfektionismus. Und mit schwäbischem Arbeitsethos: Was man(n) macht, macht man richtig. Peter Schöck ist vom alten Schlag.
Im Keller hat er eine Musik-Box stehen, ein Grammophon, Henkel- und Röhrenradios, tausende Schellack- und Langspielplatten; Schlager, Volksmusik, Musik zum Filme-Vertonen. Mireille Mathieu und Udo Jürgens, Peter Alexander und James Last: „Was mr halt so ghört hat zu dera Zeit“, lacht Schöck und fragt sich etwas nachdenklich, was aus all diesen bleibenden Werten mal wird. Denn Kinder, die seine Sammlung übernehmen könnten, hat er keine; „höchstens einen Neffen, der gerne fotografiert“. Aber ob der mal in die Fußstapfen seines Onkels tritt?
Was rastet, rostet
Egal, welche seiner Film- oder Fotoapparate Peter Schöck in die Hand nimmt – es dauert nicht lange, und er weiß wieder, wie sie funktionieren. Gelernt ist eben gelernt, Autodidakt hin oder her. Und ja, ab und an streikt so ein einstiges „State-of-the-Art“-Gerät auch wegen Jahren der Nichtbenutzung. Wie eine alte Leica, die Schöck besitzt. Ein Fotohändler in Tübingen habe ihm mal gesagt, alles reparabel, alles wieder in Gang zu bringen. Es koste dann halt womöglich so viel wie einst der Neupreis des Objektes war. Noch macht sich Schöck keine Gedanken darüber, ob und was sich da noch lohnt oder nicht. Das ist ja eine Frage der Perspektive. Oben im Wohnzimmer hat der Magstadter noch einige zeitlos wertige und gepflegte HiFi-Geräte der Revox-B-Serie aus den 80ern. Fans gehen bei solchen Vintage-Oldtimern Augen und Ohren über. Vielleicht treten sie mal ihren Weg ins Heimatmuseum am Rathaus an, obwohl das auch schon reichlich voll ist – nicht zuletzt von Leihgaben Peter Schöcks.