Maillepark Bäume mit Lautsprechern in Esslingen – Was hat es damit auf sich?
Ein ungewöhnliches Kunstprojekt: Per Knopfdruck können im Esslinger Maillepark in den Bäumen montierte Lautsprecher aktiviert werden – es ertönt „Music for Aliens“.
Ein ungewöhnliches Kunstprojekt: Per Knopfdruck können im Esslinger Maillepark in den Bäumen montierte Lautsprecher aktiviert werden – es ertönt „Music for Aliens“.
Vögel zwitschern, Kinder kreischen, Jugendliche lachen, eine Schaukel quietscht, der Springbrunnen plätschert, ein Flugzeug brummt, in der Ferne jault eine Sirene – wer im Esslinger Maillepark, dem grünen Herzen der Innenstadt, eine Pause macht, hört jede Menge. Eine Open-Air-Ausstellung im Rahmen des Podium Musikfestivals sorgt noch bis zum 10. Mai für zusätzliche Klangerlebnisse: Per Knopfdruck können in den Bäumen montierte Lautsprecher aktiviert werden. Zu hören sind dann vier musikalische Kompositionen, die sich mit dem Festivalmotto „Music for Aliens“ beschäftigen.
Die Klangausstellung ist tagsüber zwischen 11 und 17 Uhr kostenlos für jedermann zugänglich. Zwei Info-Stationen erläutern das Konzept zu dieser Kunstaktion im öffentlichen Raum. Schon zum vierten Mal nimmt das Festival mit einer solchen Schau im Park unter dem Titel „Musikalische Mahnmale“ die Klimakrise und das Ökosystem in den musikalisch-künstlerischen Fokus. 2023 standen aussterbende Tiere im Mittelpunkt, 2024 machte man sich für das Lebenselixier Wasser stark, 2025 wurde der Schutz der Regenwälder thematisiert. Die Reihe, für die eigens Werke komponiert werden, will neue Perspektiven auf Umwelt und Gesellschaft eröffnen, nachdenklich machen und zum Aktivwerden ermuntern. „Globale Fragen sind eng mit unserem Handeln verbunden“, sind die Podium-Macher überzeugt.
In diesem Jahr wendet die Klangausstellung den Blick nach oben. Beim Festival-Thema „Music for Aliens“ gehe es um die Aliens „in und unter uns“, wie der künstlerische Leiter Joosten Ellée betont. Es gehe nicht nur um den Weltraum und um außerirdisches Leben, sondern auch um Fremdheit und Entfremdung, um Isolation und Einsamkeit im Hier und Jetzt. „Was hörst Du, wenn Du an den Weltraum denkst?“, fragt ein großes orangefarbenes Banner im Park. Über diese Frage lässt sich unter den riesigen blühenden Kastanienbäumen intensiv sinnieren.
„Im Weltraum herrscht Stille, da Schallwellen ein Medium zur Ausbreitung benötigen, das im Vakuum nicht existiert. Kunstschaffenden dient der Weltraum, vielleicht gerade wegen dieser schwer vorstellbaren Leere und Weite, oft als Projektionsfläche für die Auseinandersetzung mit philosophischen Grundfragen“, heißt es erklärend auf der Infotafel. Wie Captain James T. Kirk in der Star-Trek-Reihe kann sich mancher angesichts begeisternder Aufnahmen aus Raumstationen der Faszination des Weltraums nicht entziehen: „Mutig dorthin vorzudringen, wo noch kein Mensch gewesen ist.“
Aber die Ausstellung weckt auch Assoziationen an Weltraumtourismus, auf den um die Erde kreisenden Weltraumschrott, auf mögliche Überlegungen, Atommüll im Weltall endzulagern. Und man weiß, dass ungezählte Satelliten im Orbit unterwegs sind, die für optimalen Handy- und TV-Empfang auf der Erde sorgen, das Wetter beobachten, das Sonnensystem erforschen oder militärische Aufklärungsaufgaben übernehmen. Die Ausstellung ermutigt dazu, gewohnte Perspektiven zu verlassen und sich in unbekannte Weiten zu begeben. An den Infotafeln lassen sich via QR-Code vertiefende Informationen erlangen, und unter den Bäumen kann man die sehr persönlichen musikalischen Blickwinkel der beiden Komponistinnen Andrew Yee und Elshan Ghasimi auf die Unendlichkeit des Weltraums anhören.