The-NT.space ist ein Zusammenschluss von IT- und Technik-Freaks, Hand- und Heimwerkern, Profis und Hobbybastlern in Nürtingen. Die bunte Truppe von Machern und Mitmachern mit Fähigkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen programmiert, experimentiert, werkelt und bastelt gemeinsam. Sie teilen ihr Wissen miteinander, lernen voneinander und stellen ihr Können auch gerne in den Dienst einer guten Sache. Das „NT“ steht dabei nicht nur für „Nürtingen“, sondern auch für „nerdige Technik“ und für „nachhaltiges Tun“, wie die Käpsele aus der offenen Werkstatt und Ideenschmiede betonen.
Entstanden ist die Maker-Community nach einer ehrenamtlichen Hilfsaktion während der Corona-Pandemie: Deutschlandweit hatten Benjamin Layh und einige Freunde mehr als 200 Leute animiert, im 3D-Drucker insgesamt 6500 Faceshields herzustellen, die kostenlos an Kliniken, Rettungsdienste und Hilfsorganisationen verteilt wurden. Seit einem Jahr sind sie als Verein organisiert, vor wenigen Wochen sind sie in größere Räume auf dem ehemaligen Hauber-Areal in der Sigmaringer Straße umgezogen. Nun können auf rund 120 Quadratmetern Fläche endlich auch größere Projekte angepackt werden, es kann auch mal über einen längeren Zeitraum an einer Aufgabe gearbeitet werden, es gibt Arbeitsplätze für Holz- und Metallbearbeitung und Stauraum für Maschinen und Werkzeug. „Hier kann ich Dinge ausprobieren und von und mit den anderen lernen. Das ist viel besser, als alleine zuhause in meiner Werkstatt zu tüfteln“, so Norman Pohl. Bei The-NT.space ist Rumspinnen ausdrücklich erwünscht. „Hier können wir kreativ sein und Dinge tun, die nicht zielgerichtet, sinnhaft oder zweckmäßig sein müssen und die keinen Profit bringen müssen“, sagt Benjamin Layh vom Vorstand. „Open Source“ ist das Stichwort: Erfolgreiche Ideen werden kostenlos zum Nachmachen oder Benützen zur Verfügung gestellt. „Es motiviert uns, wenn unsere Projekte etwas bewegen, wenn wir andere unterstützen und begeistern oder mit einfachen Mitteln Lösungen für komplexe Probleme finden“, beschreibt Benjamin Layh die Motivation der Gruppe.
Viermal im Jahr gibt’s ein Repair-Café
Neid und Konkurrenzdenken hätten in der Maker-Kultur keinen Platz, betont Benjamin Layh: „Wir haben hier keinen Wettbewerb. Als ‚Währung‘ gibt es bei uns einen Handschlag, ein Strahlen oder das stolze Gefühl, wenn man gemeinsam etwas hinbekommen hat.“
Bei einem monatlichen Stammtisch wird das Thema 3D-Druck ideenreich ausgelotet. Da entsteht nicht nur Funktionales wie ein Trichter, ein Adapter oder nicht mehr lieferbare Ersatzteile, sondern auch Kreatives wie Türschilder, Spielfiguren oder ein beeindruckend realistisches Modell des Hohenneuffen. Mit seinem „Freifunk“-Team stattet The-NT.space den öffentlichen Raum, Gaststätten, Campingplätze, Privatleute und soziale Einrichtungen mit freiem Internetzugang aus. Viermal im Jahr gibt’s ein Repair-Café gegen die Wegwerf-Mentalität. Und auch an weiteren Projekten mangelt es den findigen Machern nicht: Gemeinsam mit der Klima-Taskforce und der Hochschule Stuttgart entwickeln sie derzeit kleine Mess-Würfel mit Sensoren für Mikroklima-Faktoren. „In Workshops können Jugendliche die Würfel bauen, ausleihen und zuhause, in der Schule, im Jugendhaus oder in der Natur aufstellen und erkennen, wie sich zum Beispiel Temperatur und Luftfeuchtigkeit gegenseitig bedingen“, erläutert Holger Schleicher. Mit vereinten Kräften wurde ein ausgemusterter Industrie-Roboter wieder zum Leben erweckt, eine elektronische Diebstahl-Sicherung für Bienenstöcke entwickelt und die technischen Voraussetzungen für eine Verkehrszählaktion ausbaldowert. Sie haben schon jede Menge Fotovoltaik-Anlagen und Balkonkraftwerke gebaut und sich ins Thema Smart-Home eingefuchst, bei dem sich die Haustechnik bequem und umweltfreundlich regeln lässt – „und zwar so, dass die Daten bei jedem Einzelnen bleiben und eben nicht an die Hersteller rausgehen“, betont Michael Krämer.
Rund 25 Mitglieder hat der Verein bislang, weitere 20 Mitmacher engagieren sich, und im selbstentwickelten Messenger-Dienst stehen rund 100 Tüftler online in regem Austausch. Wer etwas gut kann, informiert die anderen in Vorträgen oder Workshops. „Nachdem ich drei Edelsteinbohrer geschrottet hatte, hat Christian Ring uns eine Schulung zum Thema angeboten – danach waren alle schlauer“, gesteht Benjamin Layh grinsend. Christian Ring betont: „Das Gefühl, hier im Verein anderen weiterhelfen zu können, Neues zu lernen, Spannendes zu entdecken, zusammen ein Problem zu lösen und dabei noch Spaß zu haben und Freundschaften zu schließen, ist einfach toll.“
Probleme lösen für die gute Sache
The-NT.space
Im Verein sind neue Mitstreiter herzlich willkommen, die Lust haben, Aufgaben anzupacken, Probleme zu lösen und Projekte zu verwirklichen: Profis ebenso wie Anfänger, Jung wie Alt. „Und wir möchten unbedingt mehr Mädels für technische Themen begeistern. Basteln und Tüfteln ist keineswegs nur Männersache“, betonen die Verantwortlichen. Jeden Montag ab 18.30 Uhr trifft man sich in der Werkstatt (Sigmaringer Straße 14). Nähere Informationen unter https://the-nt.space
Repair-Café
Am Samstag, 18. Januar, von 11 bis 17 Uhr laden die Tüftler von The-NT.space gemeinsam mit dem Team der Nürtinger Seegrasspinnerei wieder zum Repair-Café in die Future-Box der Hochschule in Nürtingen (Hechinger Straße 12) ein. Bei Kaffee und Kuchen kann jeder seine nicht mehr funktionierenden Elektrogeräte – vom Pürierstab über den Staubsauger und das Handy bis hin zum PC – mitbringen und sich gemeinsam mit den Experten an einer Reparatur versuchen.