Malaria ist weiter auf dem Vormarsch Nur kleine Fortschritte beim Kampf gegen Malaria

Von /dpa 

Alle zwei Minuten stirbt ein Kind an Malaria. Am schlimmsten betroffen sind afrikanische Staaten wie Burundi, der Kongo und Nigeria, die von regelrechten Malaria-Epidemien heimgesucht werden. Und der Kampf gegen tückische Fieber kommt in vielen Ländern kaum voran.

Malariamücken im Labor Medical Research Institute (KEMRI) nahe der Stadt Kisumu in Kenia. Im Kampf gegen die Infektionskrankheit Malaria hat es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zuletzt nur kleine Fortschritte gegeben. Foto: Sven Torfinn/WHO/dpa
Malariamücken im Labor Medical Research Institute (KEMRI) nahe der Stadt Kisumu in Kenia. Im Kampf gegen die Infektionskrankheit Malaria hat es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zuletzt nur kleine Fortschritte gegeben. Foto: Sven Torfinn/WHO/dpa

Genf - Im Kampf gegen die Infektionskrankheit Malaria hat es nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO zuletzt nur kleine Fortschritte gegeben. In einigen Staaten habe sich die Lage zwar verbessert, in den Ländern mit dem größten Anteil an Malaria-Fällen sei der Kampf gegen die Krankheit aber weiterhin herausfordernd, sagte Abdisalan Noor, Hauptautor des neusten Malaria-Berichts der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Häufigste Infektionskrankheit der Welt

Laut dem am Mittwoch (4. Dezember) veröffentlichten Bericht erlagen im vergangenen Jahr 408 000 Menschen der Krankheit – 2010 waren es noch 585 000. Auch die Zahl der Malaria-Fälle ging zurück und lag geschätzt bei 228 Millionen.

Das Ziel, sowohl die Zahl der Fälle als auch die der Todesopfer bis 2020 um mindestens 40 Prozent im Vergleich zu 2015 zu senken, ist aber weit entfernt.

Afrika am meisten betroffen

93 Prozent aller Infektionen entfallen auf Afrika. 25 Prozent der Fälle werden dabei Nigeria zugerechnet, zwölf Prozent dem Kongo. In Nigeria ist die Zahl der Infektionen von 2017 zu 2018 um 3,4 Millionen gestiegen.

Allein im ostafrikanischen Burundi hat es seit Beginn diesen Jahres laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fast sechs Millionen Fälle von Malaria gegeben – bei einer Bevölkerung von rund elf Millionen Menschen. Von Januar bis Ende Juli 2019 seien 1855 Menschen an der Krankheit gestorben, teilte die WHO mit. Burundi ist einem UN-Index zufolge eines der ärmsten Länder der Welt. Demnach liegt die Lebenserwartung bei 57,9 Jahren, im Vergleich zu 81,2 Jahren in Deutschland.

Für andere Regionen der Welt präsentierte die WHO derweil Achtungserfolge. So gelten Paraguay und Usbekistan seit 2018 sowie Algerien und Argentinien seit 2019 als frei von Malaria. Einige weitere Länder, darunter China, Iran und Malaysia, seien ebenfalls auf einem guten Weg, um diesen Status schon bald zu erreichen. Die WHO-Experten betonten zudem, dass auch Uganda mit großem Einsatz deutliche Fortschritte gemacht habe. Auf das ostafrikanische Land entfallen aber weiterhin rund fünf Prozent aller Malaria-Fälle.

Sumpffieber oder Kaltes Fieber

Malaria, auch Sumpffieber oder Kaltes Fieber genannt, gehört seit Menschengedenken zu den heimtückischsten Krankheiten. Die Malaria-Erreger werden durch Stiche von Anopheles-Mücken übertragen. Schon ein Stich einer infizierten Mücke reicht aus, um sich anzustecken. Erst nach einigen Tagen merken die Betroffenen, dass sie erkrankt sind, doch für viele ist dann schon zu spät. Typisches Symptom einer Malariainfektion sind Fieberschübe.

Die Mücken stechen vor allem nachts zu. Die Erreger – sogenannte Plasmodien – gelangen in die Blutbahn und vermehren sich in der Leber. Die in Afrika verbreitete und schwerste Form, die Malaria tropica, wird durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöst. Malaria verursacht Fieber, Anämie und neurologische Probleme und kann unbehandelt tödlich verlaufen.

Vom Chinin zum Artemisinin

Der Kampf gegen die Malaria schien lange Zeit aussichtslos. Ende der 1960er Jahre verlor das Medikament Chinin zunehmend seine Wirksamkeit, da die verursachenden Parasiten der Gattung Plasmodium Resistenzen dagegen entwickelten. Die Anopheles-Mücken, die beim Zustechen die Erreger übertrugen, wollte man mit dem Insektenvernichter DDT ausgerottet – doch ohne nachhaltigen Erfolg.

Einen neuen Schub bekam die Malaria-Therapie durch die Entdeckung des Pflanzenstoffs Artemisinin aus dem Einjährigen Beifuß (Artemisia annua) im Jahr 1972. Die chinesische Chemikerin Tu Youyou erhielt dafür 2015 den Medizin-Nobelpreis.

Artemisinin tötet die Malaria-Erreger ab, indem es die Plasmodien bereits in einem frühen Entwicklungsstadium attackiert. Das aus Artemisinin entwickelte Medikament Amervectin hat die Therapiemöglichkeiten gegen Parasiten revolutioniert. Noch immer ist die Grundlage der Malaria-Behandlung und senkt die Todesrate um 20 Prozent, bei Kindern sogar um 30 Prozent.

„Artemisinin ist das am häufigsten genutzte Medikament gegen Malaria“, erklärt Elena Levashina vom Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin. Es habe das Leben von Millionen Menschen verändert und sei ein Durchbruch bei der Bekämpfung von Malaria gewesen.

Hoffnungen ruhen auf neuen Malaria-Impfstoff RTS,S

Nach drei Jahrzehnten Entwicklungsarbeit wird seit Frühjahr 2019 der Malaria-Impfstoff RTS,S – auch Mosquirix genannt – erstmals in großem Maßstab eingesetzt. Im Rahmen eines Pilotversuchs werden in den drei afrikanischen Staaten Malawi, Ghana und Kenia bis 2022 insgesamt jedes Jahr rund 360 000 Kleinkinder gegen die gefährliche Krankheit geimpft werden.

„Die Impfung hat das Potenzial, das Leben von Zehntausenden Kindern zu retten“, erläutert Mary Hamel, die Koordinatorin des Malaria-Impfprogramms bei der WHO. RTS,S, an dessen Entwicklung auch Tübinger Tropenmediziner geforscht haben, wirkt gegen den gefährlichsten Malaria-Erreger Plasmodium falciparum. Mit der Impfung verbinden sich große Hoffnungen.

Kombination verschiedener Mittel

Dabei kann die Immunisierung selbst im besten Fall Malaria nicht alleine besiegen. In der bislang größten klinischen Studie mit rund 15 000 Kleinkindern hat der Impfstoff rund 40 Prozent der Malaria-Erkrankungen und rund 30 Prozent der schweren Malaria-Fälle verhindert. Experten setzen daher darauf, dass eine Kombination verschiedener Mittel – die einzeln jeweils keinen vollständigen Schutz bieten – dabei helfen kann, Malaria langfristig zu besiegen.

Auch mit Insektizid behandelte Moskitonetze böten nur teilweise Schutz, betont der Direktor des Malaria-Programms der WHO, Pedro Alonso. „Der Kampf gegen Malaria ist einer, in dem wir unvollkommene Werkzeuge nutzen. Die beste Wirkung können wir nur haben, wenn wir sie kombinieren. Diese Malaria-Impfung verstärkt unseren Werkzeugkasten.“