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Malaysia Innerer Frieden

Von Brigitte Jähnigen aus Kuala Lumpur 

Schöne Strände an der Ostküste, moderne islamische Architektur im Süden, dazwischen die Seestraße von Melaka: Malaysia zeigt Selbstbewusstsein - und die Touristen kommen. 

Auch unter Wasser gibt’s viel zu sehen: Schnorchelstation im Marine Park Center, Pulau Redang, Terengganu: Vielfalt und Menge der Fische sind unglaublich. Foto: Jähnigen 3 Bilder
Auch unter Wasser gibt’s viel zu sehen: Schnorchelstation im Marine Park Center, Pulau Redang, Terengganu: Vielfalt und Menge der Fische sind unglaublich. Foto: Jähnigen

Kuala Lumpur - In einem alten Terengganu-Haus trifft es einen. Barfuß auf schmalen, steilen Stufen zur Veranda hinaufgestiegen, den Holzriegel zur Seite geschoben, zeigt sich schlichte, antike Schönheit. Ein breites Bett mit Musselinvorhängen, ein alter Schrank mit mehreren Batik-Sarongs und geflochtenen Pantoffeln, ein grober Tisch, ein einfacher Stuhl. Stille. Nur der Ventilator kreiselt behäbig an der Decke des hohen Schrägdaches.

Kein Fernsehgerät, kein Telefon. Das Badezimmer, eine halbe Etage tiefer: Im hohen Raum lädt eine ovale Holzwanne mit chromblitzender moderner Armatur zum Entspannen ein. Ein paar duftende weiße Blüten vom Frangipanibaum in die Wanne geworfen, den Wasserhahn aufgedreht, ein paar Minuten später schweift der Blick vom wohlig-warmen Wasser aus dem Fenster. Alles grün. Dschungel.

Die modernen Moscheen wirken wie machtbewusste religiöse Festungen

Terrapuri Heritage Village ist der Versuch des ehrgeizigen Unternehmers Alex Lee, 29 antike malayische Holzhäuser an einen Ort am Meer zu bringen, fachgerecht zu sanieren und gemeinsam mit einem Spa-Haus, mit Empfangshalle und Speiseräumen als königlichen Palast aus dem 17. Jahrhundert auferstehen zu lassen. In Schlitz- und Zapfentechnik zusammengefügt, mit Tonziegeln gedeckt und Schnitzereien von ausgemusterten Fischerbooten verziert, durch Stelzen vor saisonalen Überschwemmungen geschützt, entsteht an der Ostküste Malaysias, im Bundesstaat Terengganu, tatsächlich ein kleines Refugium. Mit großzügigem Pool, einer von einem heimischen Künstler aus Steinstelen gestalteten Sprudelanlage, mit einer Sammlung bäuerlicher Handwerkszeuge und freundlichem Servicepersonal gelingt hier der Sprung von der Vergangenheit in die Moderne. 1000 Ringgit verdient in diesen Breiten ein Arbeitnehmer im Durchschnitt (Umrechnung vom Euro auf die malaysische Währung etwa 1:4). Zu wenig, um am Wohlstand des Südens teilzuhaben.

Vor allem junge Leute verlassen deshalb die Region. Alex Lee will sie halten. Es ist die Abgeschiedenheit, die Liebe zum Detail, die unübersehbar genutzte natürliche Schönheit, die Terrapuri Heritage Village von den unbestritten ebenfalls schön gestalteten Resorts auf den Inseln Perhentian oder Redang unterscheidet. Auf dem Pool-Badetuch liegt eine Blüte. Die malayischen Speisen werden auf einem Bananenblatt serviert. Tontöpfe sind mit Schachtelhalm bepflanzt. In der Morgenfrühe folgen Rinder einem Pfad unter Palmen. Am Abend kommen die Affen (Fenster schließen!), nachts vollführen Glühwürmchen Tänze. Und nur einen Sprung weit über die Straße lockt das Meer. Kilometerlanger Sandstrand. Im „verlorenen Königreich Lagkasuka“ kann jeder Erholung und inneren Frieden finden. Dafür sorgt auch der Respekt vor anderen Religionen.

Der Stern der Laxmi, einer der Göttinnen des Wohlstands im Hinduismus, findet sich an einem der Holzhäuser neben Suren aus dem Koran. Muslime lebten neben Hinduisten und Buddhisten schon im 10. Jahrhundert in Malaysia, die Dominanz des Islams entwickelte sich erst ab dem 14. Jahrhundert. Heute wirken vor allem die im Laufe der vergangenen zehn Jahre erbauten Moscheen wie die Kristallmoschee und die Schwimmende Moschee in Kuala Terengganu, der Hauptstadt des Bundesstaates, wie machtbewusste religiöse Festungen.

In Malaysia leben auf einer Landesfläche von knapp 330 000 Quadratkilometern rund 28 Millionen Einwohner, der Großteil im westlichen Teil. Malaysia - einst aus den Königreichen Langkasuka, Lembah Bujang, Beruas, Gangga Negara und Pan Pan bestehend - wurde aus verschiedenen Gebieten gebildet. In unterschiedlichster Form waren sie Teil des British Empire. Seine endgültige Unabhängigkeit erhielt das Land 1963. Amtssprache ist Malaysisch, viele sprechen Englisch. Regierungssitz ist die vor zehn Jahren auf dem Reißbrett geplante Stadt Putrajaya. Ein buntes Volk lebt im Land: Mehr als die Hälfte der Bewohner sind Malayen (meist dem sunnitischen Islam zugehörig), knapp 24 Prozent Chinesen (häufig Buddhisten), elf Prozent indigene Völker, sieben Prozent Inder (meist Hindus), acht Prozent „Sonstige“. Malaysia, reich an Zinn, Kautschuk, Palmöl und Erdöl, ist für Europäer schon lange nicht mehr ein Land „irgendwo in Asien“.

Das smaragdgrüne Meer, die sattgrünen Palmeninseln, die Korallenriffe zum Tauchen und Schnorcheln, urbane Fischerdörfer, an deren Straßenrändern in Garküchen aus Huhn und Fisch, frischem Kurkuma, Kokosnussmilch, Ingwer, Garnelenpaste, Tamarinde, Knoblauch und Gemüse (vor allem Okra, Bohnen und Schalotten) verführerisch duftendes, immer ein wenig scharfes Essen gekocht wird, Städte mit Universitäten, Museen, großzügigen Parks und überbordenden Märkten, auf denen man sich als Attraktion für wenige Ringgits in Fisch-Spas überschüssige Hornhaut von den Füßen abknabbern lassen kann, buddhistische und hinduistische Tempel, Moscheen: Auch der Tourismus wird zum immer größeren Wirtschaftsfaktor im Land. Bis 2020 will Malaysia 60 Milliarden US-Dollar in diesem Sektor einnehmen - aktuell sind es 20,2 Milliarden.

Heiße Partys in Kuala Lumpur

Ortswechsel. Disco-Sound wummert in die Ohren des internationalen Party-Publikums in der Skybar im 33. Stock des Traders Hotels in der Hauptstadt Kuala Lumpur. Es wird getanzt, und es wird geschwitzt. Tagestemperaturen von 35 Grad sind keine Seltenheit, da hilft auch nicht immer die Klimaanlage. Der Blick auf die Skyline der Stadt ist spektakulär, die Atmosphäre locker, die Garderobe lässig, die Preise für alkoholische Getränke sind hoch. Kuala Lumpur strotzt vor Selbstbewusstsein. Der Reiz der Metropole liegt für die Touristen vor allem in den vielen Ethnien und Kulturen, die hier leben oder ebenfalls als Touristen die Einkaufszentren mit allen wichtigen Modelabels durchstreifen.

 Doch schon eine kürzere Busfahrt führt heraus aus der City zum Stadtwald, den das Forest Reserarch Institut Malaysia (FRIM) zum Schutz von Flora und Fauna eingerichtet hat. Nach steilem Dschungel-Aufstieg geht es über ein System aus Hängebrücken direkt in die Baumwipfel. Und auch dort ist man dem inneren Frieden ein Stückchen näher.

So wird das Wetter für die Weltreise