Malerin aus Remshalden Diese Kunstwerke lassen Haustiere ewig leben

So richtig plastisch und lebendig wirken Bilder nur... Foto: Sandra Bäder

Sandra Bäder aus Remshalden malt Tiere – so lebensecht, dass man zweimal hinsehen muss, um ihre Kunstwerke von Fotos zu unterscheiden. Wir haben ihr beim Entstehen einer Pastellmalerei über die Schulter gesehen.

Rems-Murr: Phillip Weingand (wei)

Die Augen kommen zuerst. „Ich will doch den Blick und die Seele eines Tieres festhalten. Wenn der Ausdruck der Augen nicht stimmt, kann ich noch so viel Fell hinmalen“, sagt Sandra Bäder. Behutsam trägt sie Schicht für Schicht der dunklen Pastellfarbe auf. Immer wieder vergleicht sie hoch konzentriert ihr Bild mit der Vorlage auf ihrem Smartphone. Eine Collage soll es werden: Katzen und Hunde, friedlich vereint auf dem Zeichenkarton.

 

Wenn die 35-Jährige aus Remshalden ein Tier malt, lässt sie höchste Sorgfalt walten. Jedes Haar sitzt am richtigen Platz, mit Hingabe zeichnet und wischt sie die Pastellkreide auf den Zeichenkarton. Farbton für Farbton, von dunkel nach hell, erweckt sie ihre tierischen Modelle regelrecht zum Leben. Am Ende, wenn die Lichtreflexe in den Augen und die Schattierungen des Fells fertig sind, sind die Bilder kaum von einem Foto zu unterscheiden. „Diesen 3-D-Effekt bekommt man nur hin, wenn man die dunklen und hellen Akzente richtig setzt“, erklärt Bäder. Dabei lohne es sich, genau hinzusehen. „Vermeintlich weißes Fell ist selten komplett weiß, stattdessen hat es ganz viele verschiedene Schattierungen.“ Man kann es kaum glauben: Bäder ist Autodidaktin, ihre Fertigkeiten hat sie weitgehend durch Üben und Videos in den sozialen Netzwerken erlangt.

Erst vor knapp zwei Jahren hat sie ernsthaft mit der Kunst angefangen

Schon als Kind hat Bäder gern gemalt und gezeichnet – jedes Schulheft wurde verziert. „Bestimmt habe ich damals so manchen Lehrer damit in die Verzweiflung getrieben“, erinnert sich Bäder. Doch ihre Kritzeleien und geometrischen Formen waren kein Ausdruck von Desinteresse: Sie könne einfach besser zuhören, wenn sie nebenbei etwas zeichne, sagt sie. Auch heute läuft die Malerei für sie gewissermaßen nebenbei: Sandra Bäder ist in Teilzeit angestellt, ist stolze Mutter, betreibt außerdem eine Hundeschule und fotografiert Tiere.

Letztere waren schon immer eine ihrer Leidenschaften: „Ich hatte immer einen halben Zoo zu Hause.“ Im Jahr 2009, während einer Grippe, machte sie ihre ersten zeichnerischen Versuche. Vier Jahre später bekam sie ihre ersten Pastellkreiden geschenkt – doch erst vor anderthalb Jahren sprang der Funke komplett über. „Ich habe mich erst mal an Vögeln versucht, weil mein Opa die so gerne hat.“ Als das Ergebnis sich sehen lassen konnte, fragten Kunden ihrer Hundeschule, ob sie ihre Vierbeiner auch porträtieren könnte. „Mittlerweile habe ich eine richtige Warteliste“, sagt Bäder. Unter anderem steht bald das bisher größte Projekt an: Ein Mann möchte seinen Hund auf 70 mal 100 Zentimeter verewigt sehen. „Da muss ich erst mal andere Kreiden kaufen“, sagt Bäder. Sie legt Wert auf hochwertige Pastellkreiden, Zeichenkarton und Panpastell – mit Buntstiften oder auf glattem Kopierpapier würde ihre ganze Maltechnik nicht funktionieren.

Oft stecken hinter den Aufträgen berührende Geschichten. Etwa Tierbesitzer, die ihren Vierbeiner beerdigen mussten und eine Erinnerung an ihren Liebling behalten möchten. Immer wieder kommt es vor, dass sie nicht viele gute Bilder von ihrem Tier vorzeigen können. „Einmal gab es sogar nur ein völlig unscharfes Foto eines Hundes, das mit einem Handy von einem Balkon aus aufgenommen worden war“, erzählt Bäder. Doch selbst in so einem Fall gibt sie nicht auf, sondern stellt Recherchen an: Welche Kopfform hat die entsprechende Rasse? Welche Details in der Fellfarbe sind typisch, wie legt sich das Fell an welchen Körperstellen? Selbst anhand des verwaschenen Handybilds entstand auf diese Weise ein realistisches Porträt, die Besitzer der Fellnase waren begeistert.

Diesen Tipp gibt Bäder Nachwuchskünstlern:

Wie lange Sandra Bäder für ein Bild braucht, hängt von der Größe ab – aber auch von der Felllänge des tierischen Modells. „Ein Bild in A 4 ist meist in etwa einer Woche fertig“, sagt Bäder. Das gerahmte Ergebnis übergibt sie den Kunden am liebsten persönlich. „Es gibt kaum etwas Schöneres, als die Freude in ihren Gesichtern zu sehen.“

Für all jene, die sich an der Malerei oder dem Zeichnen versuchen wollen, hat Bäder einen Tipp parat: „Fehler sind was Schönes, aus ihnen lernst du am meisten. Selbst wenn du denkst, ein Bild sei scheiße: Heb’s auf. In einem Jahr kannst du darüber lachen und weitermalen.“ Bilder wie ihre könne jeder schaffen, ist sie überzeugt: „Die Voraussetzung ist, dass man die nötige Geduld hat. Ich habe Spaß an jedem Quadratzentimeter eines Bildes.“

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